Labels

Montag, 8. April 2024

Rin Usami

Leider findet sich über Rin Usami wieder mal sehr wenig an Infos zur Biographie (zumindest, wenn man kein Japanisch kann). Sie wurde am 16. Mai 1999 in Numazu in der Präfektur Shizuoka geboren und wuchs in der Präfektur Kanagawa auf. Bereits als Grundschülerin begann sie mit dem Schreiben. 

2019 erhielt sie für ihr literarisches Debut „Kaka“ sowohl den Bungei-Preis als auch den Mishima-Preis. 2020 wurde ihr Kurzroman „Idol in Flammen“ mit dem Akutagawa-Preis ausgezeichnet.

Rin Usami gibt an, dass sie sich in der Oberschulzeit intensiv mit den Akutagawa-Preisträgern auseinandergesetzt hat. Dabei sei sie auf das Werk von Kenji Nakagami gestoßen. In dem Autor hat sie ihr literarisches Vorbild gefunden.

Interessante Links:

 
Hier rezensiert:


 Weitere ins Deutsche übersetzte Romane:

  • Kankos Reise (Veröffentlichung geplant für März 2025)
     

Samstag, 6. April 2024

„Superhits der Showa-Ära“ von Ryu Murakami

Ein Vergleich zwischen den beiden Murakamis drängt sich ja gern auf. Also versuche ich es mal mit dem hier: Wenn Haruki Murakami die Beatles ist, dann sag ich wohlgemerkt nicht, dass Ryu Murakami für die Rolling Stones steht. Das ist für „Superhits der Showa-Ära“ noch zu harmlos. Der Roman ist Black Sabbath, in dem Moment als Ozzy Osbourne einer Fledermaus den Kopf abbeißt.

Ryu Murakami gibt im Nachwort an, dass er den Roman in einer Schaffenskrise kreiert und sich beim Schreiben herrlich amüsiert hat. Der Autor zieht zwei Personenkreise, die gelangweilt in Stagnation verharren, heran. Da sind die sechs jungen Kerle, die sich in Nobues Bude treffen und erst dann ein bisschen Leben beim Spannen in sich verspüren, als sie die attraktive Nachbarin von Gegenüber beim Ausziehen beobachten können.

Und da sind die sechs Frauen Ende 30, die alle Midori heißen und inzwischen ohne Partner leben. Sie haben sich eigentlich nichts zu sagen, hören sich auch nicht zu und scheinen außer dem Namen und einer Passion für Karaoke nichts gemeinsam zu haben.

Als Sugioka aus der Männergruppe eine der Midoris tötet, geht es für die Frauen nur noch um Rache. Und man glaubt es kaum: Einmal aus der Langeweile ausgebrochen, leben die Frauen auf – und ein Kampf zwischen durchgeknallten Jungspunden und „alten“ Tanten beginnt.

Ein Eisenwarenhändler, der den jungen Männern eine illegale Waffe verkauft, orakelt:

„Es heißt doch immer, was übrig bleibt, wenn die Menschheit zu Grunde geht, wären die Schaben. Des stimmt nicht. Es sind die Tanten.“ (S. 72)

Wer weiß, ob der Mann Recht hat? Wer kann sich in dem Kampf Mann gegen Frau, jung gegen alt am besten behaupten?

Auf den hinteren Seiten taucht gar kurz ein Filmregisseur (Ryu Murakamis Alter Ego?) auf und gibt sein Konzept von „Tanten“ wider:

„Kompliziert ausgedrückt, sind Tanten Lebewesen, die aufgehört haben, sich weiterzuentwickeln. Nicht nur junge Frauen, sondern auch junge Männer, Männer im mittleren Alter und sogar Kinder werden augenblicklich zur Tante, wenn sie den Willen verlieren, sich weiterzuentwickeln.“ (S. 185 f.)

Natürlich ist „Superhits der Showa-Ära“ irre übertrieben - wie man es auch von anderen Romane Ryu Murakamis kennt. Aber genau das macht den Lesespaß aus. Die jungen Kerle sind total durchgeknallt, die Midoris so austauschbar wie ihr Vorname, zusätzliche Akteure wie nicht von dieser Welt. Wie kann man Kritik an einer in Stagnation verharrenden Gesellschaft besser verpacken?

Bibliographische Angaben:
Murakami, Ryu: „Superhits der Showa-Ära“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Leupert, Jan Magnus), Septime, Wien 2024, ISBN 978-3-99120-034-5

Mittwoch, 3. April 2024

„Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen“ von Riku Onda

Im Urlaub wurde ich auf den Titel und das Cover von Riku Ondas „Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen“ angesprochen. Irgendwie hat sich die Fragestellerin davon angesprochen gefühlt und gemeint, dass das doch sicherlich ein leicht-beschwingter Sommer-Roman sei. Das Gesicht der Dame hat sich dann schnell verdunkelt als ich meinte, dass das nicht der Fall sei, sondern dass das Thema des Romans eher die inzestuöse Beziehung zwischen Bruder und Schwester sei. Daher keine lustige Urlaubslektüre.

Riku Onda beschwört eine seltsame Atmosphäre herauf, als sie den jungen Mann Chihiro auf seine getrennt von ihm aufgewachsene Schwester Aki treffen lässt und die beiden eine Geschwister-WG gründen. Doch lieben die beiden sich wirklich nur wie Bruder und Schwester? Oder machen sie sich nur etwas vor - ist es nicht eine romantische Liebe zwischen Mannd und Frau?

In einer Frühsommernacht sitzen die beiden in der gemeinsamen Wohnung zusammen, bevor jeder wieder eigene Wege gehen will. Riku Onda lässt beide abwechselnd in der Ich-Perspektive zu Wort kommen. Wie schön es war, sich nach so langer Zeit der Trennung wieder gefunden zu haben. Wie irritiert die Bekannten auf ihre WG-Gründung reagiert hat. Welche gemeinsamen Erinnerungen sie haben – und vor allem: Was ist damals auf einer gemeinsamen Bergwanderung wirklich passiert? Wer ist für den Tod des Bergführers verantwortlich? Was hat sich damals wirklich ereignet? Wer hat was zu verbergen?

Nach der langen Nacht ist nicht nur der Leser froh, dass diese Tour de Force am nächsten Morgen zu Ende ist. Denn tatsächlich war der Roman recht beklemmend. Sommernacht, anstrengende Gespräche, eine Ahnung von inzestuöser Liebe, ggf. Mord – keine luftig-leichte Kost. Aki und Hiro beäugen sich, misstrauen einander und kommen aber gemeinsam Stück für Stück diversen Wahrheiten auf die Spur.

Wer mal etwas Außergewöhnliches lesen will, der ist bei „Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen“ sehr gut aufgehoben. Momentan scheinen japanische Romane, die auf das langsam überstrapazierte Erfolgsrezept à la „Das magische Café“ setzen, besonders gern veröffentlicht zu werden. Da bietet „Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen“ schon eine andere Qualität des Lesevergnügens: Spannung, Beklemmung, vielleicht sogar ein bisschen Abscheu. Eben außergewöhnlich…

Bibliographische Angaben:
Onda, Rika: „Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Bartels, Nora), Atrium Verlag, Zürich 2023, ISBN 978-3-85535-024-7

Dienstag, 2. April 2024

„Suzukis Rache“ von Kotaro Isaka

Keine 50 Seiten und schon fünf Tote und zwei dem Tode Geweihte: Kotaro Isakas „Suzukis Rache“ startet furios. Im Gegensatz zum Roman „Bullet Train“, bei dem der Name zu 100% Programm ist, wird das spektakuläre Tempo allerdings nicht beibehalten. Das mag aber sicher auch daran liegen, dass der Protagonist Suzuki kein Auftragskiller ist. Suzuki ist ein Mathelehrer, der auf Rache aus ist. Der Sohn des Bandenchefs Terahara, der natürlich von seinem Vater protegiert wird, hat Suzukis Ehefrau getötet. 

Suzuki heuert also bei dem Verbrecher-Clan an, um an den Junior-Chef heranzukommen und diesen umzubringen. Jedoch wird dieses Vorhaben schnell vereitelt: Der Pusher kommt Suzuki zuvor und stößt Terahara Junior vor ein Auto. Doch Suzuki soll für den Clan nun den Pusher ausfindig machen und gerät damit direkt zwischen die Fronten. 

Da ist sowohl die blutrünstige Zikade, die noch nicht einmal davor zurückschreckt, kleine Kinder mit dem Messer zu meucheln. Dazu kommt der Wal, der über die seltsame Gabe verfügt, sein Gegenüber in den Selbstmord zu treiben. Der Wal wird von den Geistererscheinungen seiner Opfer gequält und beschließt, in der Branche aufzuräumen. 

Durch die Geistererscheinungen und die mysteriöse Fähigkeit des Wals empfand ich „Suzukis Rache“ vielfältiger als „Bullet Train“, was für das fehlende Tempo zwischendurch mehr als entschädigt. Allerdings hätte ich mir – wäre es ein Wunschkonzert – einen anderen Strippenzieher im Hintergrund gewünscht. Natürlich ist die Handlung ohnehin alles andere als realistisch, aber mir war die Motivation für den Auftragsmord an Terahara Junior leider nicht so ganz schlüssig.

Und da ich ja schon in meiner letzten Rezension etwas über Klapptexte hergezogen bin, kann ich nun auch gleich noch über den Klappentext von „Suzukis Rache“ meckern. Der lautet unter anderem:

„In der Unterwelt von Tokio begegnen drei kaltblütige Auftragskiller ihrem Meister: einem von Rache getriebenen Mathematikprofessor.“

Tatsächlich ist Suzuki weder Mathematikprofessor (sondern nur ein Lehrer) und erst recht kein Meister. Der Klappentext suggeriert, dass die Killer von dem harmlosen Suzuki vorgeführt werden. Das ist mit Nichten so. Vielmehr wird Suzuki zum Spielball und bleibt nur Dank eines gewissen Wohlwollens am Leben.

Bibliographische Angaben:
Isaka, Kotaro: „Suzukis Rache“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Mangold, Sabine, Hoffmann & Campe, Hamburg 2023, ISBN 978-3-455-01586-7