Dienstag, 9. April 2024
„Idol in Flammen“ von Rin Usami
Akari ist Fan der J-Pop-Band „Mazamaza“ und insbesondere von dem Sänger Masaki. Masaki wird zu Akaris Rückgrat. Sie bloggt über ihn, schuftet in einer Kneipe, um sich Merchandising-Kram und Konzerttickets leisten zu können, richtet ihr Zimmer in blau ein, weil Blau Masakis Lieblingsfarbe ist.
Akari erfreut allein die abgöttische Schwärmerei – eine echte Beziehung mit Masaki braucht sie nicht. Sie flüchtet vor der Realität und bezahlt dafür nicht nur mit dem Lohn, den sie durch ihren Nebenjob verdient.
Rin Usamis Erzählstil ist reduziert. Auch wenn sich Akari der Schwärmerei hingibt, wird die Sprache nicht blumig. Gute 120 Seiten zählt der Kurzroman, dessen Lektüre sicherlich keinen Spaß macht. Der Schwermut Akaris springt auf den Leser über. Und irgendwie macht „Idol in Flammen“ auch wütend. Den jugendlichen Fans wird mit abstrusen Produkten und Wahlaktionen, wer das beliebteste Bandmitglied ist, das Geld aus der Tasche gezogen. Die Band ist ein Produkt, das bis zum Exzess konsumiert werden soll. Akari ist wie ein Junkie süchtig nach dem Produkt – und die Erwachsenen stehen hilflos daneben und wissen der Süchtigen nicht zu helfen.
Verstärkt wird die Sucht noch durch Social Media. Lifestreams suggerieren Zugänglichkeit, Shitstorms fordern die Fans in ihrer Treue heraus. Teenager-Sein war früher wahrscheinlich doch ein bisschen einfacher…
Bibliographische Angaben:
Usami, Rin: „Idol in Flammen“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Steggewentz, Luise), Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, 978-3462003024
Montag, 8. April 2024
Rin Usami
Leider findet sich über Rin Usami wieder mal sehr wenig an Infos zur Biographie (zumindest, wenn man kein Japanisch kann). Sie wurde am 16. Mai 1999 in Numazu in der Präfektur Shizuoka geboren und wuchs in der Präfektur Kanagawa auf. Bereits als Grundschülerin begann sie mit dem Schreiben.
2019 erhielt sie für ihr literarisches Debut „Kaka“ sowohl den Bungei-Preis als auch den Mishima-Preis. 2020 wurde ihr Kurzroman „Idol in Flammen“ mit dem Akutagawa-Preis ausgezeichnet.
Rin Usami gibt an, dass sie sich in der Oberschulzeit intensiv mit den Akutagawa-Preisträgern auseinandergesetzt hat. Dabei sei sie auf das Werk von Kenji Nakagami gestoßen. In dem Autor hat sie ihr literarisches Vorbild gefunden.
Interessante Links:
- Wikipedia Japan: Biographie von Rin Usami
- Business Insider JP: Interview mit Rin Usami
Hier rezensiert:
Weitere ins Deutsche übersetzte Romane:
- Kankos Reise (Veröffentlichung geplant für März 2025)
