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Sonntag, 7. Juli 2024

„Der Profi“ von Kotaro Isaka

Kabuto, der Protagonist in Kotaro Isakas „Der Profi“, führt ein Doppelleben. Seiner Familie, bestehend aus Ehefrau und herangewachsenem Sohn, gaukelt er seit Jahr und Tag vor, dass er nur ein  harmloser Angestellter einer Firma für Bürobedarf ist. Doch da sind auch die Besuche beim Doktor, der Kabuto mit Mordaufträgen versorgt. 

Kabuto möchte allerdings nach Jahren des Mordens nicht mehr: Er hat genug von dem Killerbusiness und will endlich aussteigen. Das will der Doktor allerdings nicht zulassen. Ein Machtspiel beginnt – wird es Kabuto gelingen, lebend aus der allzu verfahrenen Situation raus zu kommen?

Der Doktor ist jedoch nicht Kabutos einzige Sorge. Vielmehr ist sein familiärer Alltag ein einziger Eiertanz. Er möchte seine Ehefrau partout nicht verärgern und versucht, ihr alles recht zu machen. Der Sohn Katsumi beobachtet diese Wesenheit seines Vaters mit Verwunderung. Hat der Vater etwa Angst vor der Mutter?

Wer von „Der Profi“ dasselbe Tempo wie von „Bullet Train" und „Suzukis Rache“ erwartet, der wird eher enttäuscht sein. Denn die geradezu hanebüchenen Geschehnisse, die in den anderen beiden Romanen Schlag auf Schlag erfolgen, bleiben (zum Großteil) aus. Kotaro Isaka räumt dem Familienleben des Pantoffelhelden Kabuto enorm viel Raum ein. Auch der permanente Perspektivwechsel, der „Bullet Train“ und „Suzukis Rache“ ausmacht, fehlt nahezu. Alte Bekannte der Killerszene dürfen aber auch in „Der Profi“ nicht fehlen: Unter anderem hat der Pusher hat einen kleinen Auftritt, Momo versorgt Kabuto mit Informationen und Tangerine und Lemon wird ein bisschen nachgetrauert.

Die Handlung und die Verteilung der Höhepunkte von „Der Profi“ fand ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Zwischendurch fand ich die Lektüre sogar ein bisschen zäh. Das Ende wird aber – versprochen – erneut furios und überraschend, wie man es vom Autor gewohnt ist.

Bibliographische Angaben:
Isaka, Kotaro: „Der Profi“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Mangold, Sabine), Hoffmann und Campe, Hamburg 2024, ISBN 978-3-455-01726-8

Dienstag, 2. April 2024

„Suzukis Rache“ von Kotaro Isaka

Keine 50 Seiten und schon fünf Tote und zwei dem Tode Geweihte: Kotaro Isakas „Suzukis Rache“ startet furios. Im Gegensatz zum Roman „Bullet Train“, bei dem der Name zu 100% Programm ist, wird das spektakuläre Tempo allerdings nicht beibehalten. Das mag aber sicher auch daran liegen, dass der Protagonist Suzuki kein Auftragskiller ist. Suzuki ist ein Mathelehrer, der auf Rache aus ist. Der Sohn des Bandenchefs Terahara, der natürlich von seinem Vater protegiert wird, hat Suzukis Ehefrau getötet. 

Suzuki heuert also bei dem Verbrecher-Clan an, um an den Junior-Chef heranzukommen und diesen umzubringen. Jedoch wird dieses Vorhaben schnell vereitelt: Der Pusher kommt Suzuki zuvor und stößt Terahara Junior vor ein Auto. Doch Suzuki soll für den Clan nun den Pusher ausfindig machen und gerät damit direkt zwischen die Fronten. 

Da ist sowohl die blutrünstige Zikade, die noch nicht einmal davor zurückschreckt, kleine Kinder mit dem Messer zu meucheln. Dazu kommt der Wal, der über die seltsame Gabe verfügt, sein Gegenüber in den Selbstmord zu treiben. Der Wal wird von den Geistererscheinungen seiner Opfer gequält und beschließt, in der Branche aufzuräumen. 

Durch die Geistererscheinungen und die mysteriöse Fähigkeit des Wals empfand ich „Suzukis Rache“ vielfältiger als „Bullet Train“, was für das fehlende Tempo zwischendurch mehr als entschädigt. Allerdings hätte ich mir – wäre es ein Wunschkonzert – einen anderen Strippenzieher im Hintergrund gewünscht. Natürlich ist die Handlung ohnehin alles andere als realistisch, aber mir war die Motivation für den Auftragsmord an Terahara Junior leider nicht so ganz schlüssig.

Und da ich ja schon in meiner letzten Rezension etwas über Klapptexte hergezogen bin, kann ich nun auch gleich noch über den Klappentext von „Suzukis Rache“ meckern. Der lautet unter anderem:

„In der Unterwelt von Tokio begegnen drei kaltblütige Auftragskiller ihrem Meister: einem von Rache getriebenen Mathematikprofessor.“

Tatsächlich ist Suzuki weder Mathematikprofessor (sondern nur ein Lehrer) und erst recht kein Meister. Der Klappentext suggeriert, dass die Killer von dem harmlosen Suzuki vorgeführt werden. Das ist mit Nichten so. Vielmehr wird Suzuki zum Spielball und bleibt nur Dank eines gewissen Wohlwollens am Leben.

Bibliographische Angaben:
Isaka, Kotaro: „Suzukis Rache“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Mangold, Sabine, Hoffmann & Campe, Hamburg 2023, ISBN 978-3-455-01586-7

Samstag, 9. April 2022

„Bullet Train“ von Kotaro Isaka

Kotaro Isakas „Bullet Train“ hat mich echt fertig gemacht. Nix mit Spannungsbogen zum Höhepunkt – ein Hammer jagt den nächsten, während der Hayate-Schnellzug von Tokio nach Morioka rauscht. Denn in dem Zug versammeln sich einige der besten Auftragskiller aus Tokios Unterwelt.

Da ist z.B. das Duo Lemon und Tangerine, das gegensätzlicher nicht sein könnte. Lemon liebt eine Zeichentrickserie für Kinder und ist stürmisch, Tangerine ist belesen und handelt überlegt. Die beiden kommen gerade von einer Befreiungsaktion: Der Sohn des berüchtigten Gangsters Minegishi war entführt worden. Bei der Geldübergabe konnte das Duo die zahlenmäßig weit überlegenen Entführer erledigen und den Geldkoffer an sich nehmen.

Auch Nanao, in der Branche als „der Marienkäfer“ bekannt, hat einen Auftrag in dem Zug: Er soll Lemon und Tangerine den Koffer abnehmen. Doch Nanao ist – anders als der Glücks-verheißende Name des Marienkäfers implizieren könnte – ein unglaublicher Pechvogel. Alles, was schief gehen kann, geht schief, doch in die Enge getrieben, läuft Nanao zur Höchstform auf.

Kimura steigt ebenfalls in Tokio ein – mit einer Waffe und Schalldämpfer im Gepäck. Sein Ziel ist Oji, ein Schüler, der die Ausgeburt der Hölle ist. Mit schauspielerischem Geschick manipuliert Oji jeden und findet Schwachstellen, an denen er ansetzen kann. Kimura ist ein Säufer, aber ein liebender Vater. Oji hat Kimuras Sohn auf die Intensivstation gebracht und Kimura will im Zug Rache nehmen. Doch für Oji kommt Kimuras Angriff nicht überraschend – er ist gut vorbereitet.

Auf den ersten 20 Seiten von „Bullet Train“ passiert so viel wie in manchen Romanen insgesamt nicht. Der Autor Kotaro Isaka gibt in einem Interview an, dass sein Werk vor allem sehr spannend und entertaining sein soll. Und das Vorhaben ist ihm sicherlich hervorragend geglückt. Wie im Stakkato treffen die Kontrahenten aufeinander, bekämpfen sich in Wortgefechten und physisch bis sich die Charaktere gegenseitig ausdünnen. Doch unversehens steigen dann neue Figuren ins Geschehen ein. Genauso atemlos wie Nanao hechelt auch der Leser durch die rasante, geradezu explosive Handlung. Wahrlichen Entertainment auf höchstem Niveau.

Bibliographische Angaben:
Isaka, Kotaro: „Bullet Train“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Busson, Katja), Hoffmann & Campe, Hamburg 2022, ISBN 978-3-455-01322-1