In „Matjes mit Wasabi“ lässt das Ehepaar Andreas Neuenkirchen und Junko Katayama deutsch-japanische Erfahrungen Revue passieren: Wie wird in Japan Müll sortiert und welche Fehler begeht Andreas Neuenkirchen dabei? Werden in Deutschland wirklich täglich die Fenster geputzt? Wie lebt es sich für Junko Katayama in München mit dem extrem kalkhaltigen Leitungswasser? Welche Vorurteile hat Junko Katayama von dem typischen Deutschen? Warum haben Junko Katayamas Eltern Angst davor, in Deutschland Essen zu gehen? Und wie steht’s überhaupt um die Essgewohnheiten?
„Matjes mit Wasabi“ ist recht locker-flockig niedergeschrieben und lässt sich dementsprechend schnell konsumieren. Ich hätte mir bei dem durchaus interessanten Thema des Aufeinandertreffens der unterschiedlichen Kulturen durch die Brille eines Ehepaars allerdings etwas mehr erwartet. An manchen Stellen wirkt das Buch wie eine Aneinanderreihung von beliebigen Anekdoten mit, aber auch ohne Japan-Bezug. Der geneigte Leser erfährt z.B. ausführlich, warum Andreas Neuenkirchen Vegetarier ist, doch trägt das so gut wie nichts zum Thema bei.
Vor der Lektüre von „Matjes mit Wasabi“ hatte ich mir das Konzept des Buches eher als ein Wechselspiel im Sinne eines „Er sagt, sie sagt“ vorgestellt. In einigen wenigen Fällen erfüllt sich das zwar, aber mit einer etwas durchgängigeren Gestaltung hätte ich dem Werk mehr abringen können. Ohne die Seiten exakt ausgezählt zu haben, wirkt „Matjes mit Wasabi“ dominiert von der männlichen, deutschen Sicht von Andreas Neuenkirchen, während dem weiblichen, japanischen Blickwinkel weniger Platz eingeräumt wird.
Sicherlich ist „Matjes mit Wasabi“ ein humorvolles Buch, das aber dem eigenen Anspruch der Beschreibung einer „Cluture-Clash-Liebe“ meiner Meinung nicht ganz gerecht wird. Natürlich kann man „Matjes mit Wasabi“ nicht mit den Werken einer Yoko Tawada vergleichen. Aber schließlich und endlich liegt die Latte durch solche Ausnahmeautorinnen bzgl. sämtlicher „ethnologischer“ Betrachtungen enorm weit oben und es bleibt nicht aus, dass man daran gemessen wird. Wer sich allerdings für die Person des Autors Andreas Neuenkirchen begeistern kann, für den wird „Matjes mit Wasabi“ im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen sein.
Bibliographische Angaben:
Neuenkirchen, Andreas & Katayama, Junko: „Matjes mit Wasabi“, Conbook, Meerbusch 2016, ISBN 978-3-95889-116-6
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Freitag, 13. Januar 2017
Freitag, 27. Dezember 2013
„Der Samurai“ von Shusaku Endo
Shusaku Endos Roman „Der Samurai“ basiert auf geschichtlichen Tatsachen: 1613 wurden Gesandte, darunter der Samurai Rokuemon Hasekura, als Botschafter Japans nach Mexiko geschickt, um Handelsbeziehungen mit den von Spanien regierten Ländern aufzunehmen. „Der Samurai“ lehnt sich jedoch nur an diese historischen Hintergründe an; Shusaku Endo schreibt seine eigene Geschichte rund um den Samurai Rokuemon Hasekura.
So trifft ihn das Los, an dieser Mission teilzunehmen, recht unvermittelt. Er legt keinerlei Wert auf Ruhm oder Weltentdeckung. Vielmehr würde er sehr viel lieber in seinem Tal bleiben und das harte Leben der Bauern teilen. Doch die Entscheidung des Fürsten ist nicht anfechtbar – Rokuemon muss sein Tal und seine Familie auf unbestimmte Zeit verlassen und in die weite, unbekannte Welt hinaussegeln.
Begleitet wird die Mission vom Franziskanermönch Velasco, dem der Sinn nach etwas ganz anderem als der Aufnahme von Handelsbeziehungen steht. Er will die Christianisierung Japans vorantreiben, um sich schließlich die Bischofswürde zu sichern. So beginnt er, ein falsches Spiel zu treiben und die Gesandtschaft für seine Zwecke zu missbrauchen. Die Japaner, die weder vertraut mit dem Spanischen noch mit den Eigenarten der katholischen Welt sind, sind für Velasco nur allzu leicht zu manipulieren. Von Mexiko aus lockt er die Gesanten weiter nach Europa. Da für die Japaner nur die Erfüllung ihres Auftrags zählt, lassen sie sich auf die lange Schiffsreise nach Europa ein – und treten schließlich sogar zum katholischen Glauben über.
[Achtung: Spoiler!] Dass die Mission der Samurai nicht vom Erfolg gekrönt sein wird, geht bereits aus dem historischen Kontext hervor. Denn während der Abwesenheit der Gesandten, ändert sich das politische und religiöse Klima in Japan. Christen werden aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt; die Machthaber sind an Handelsbeziehungen mit Spanien nicht mehr interessiert. So sind nicht nur alle Entbehrungen der Gesandten für die Katz; sie geraten nach ihrer Rückkehr gar zwischen die Mühlen des Politapparats.
Da auch der Klappentext die Erfolglosigkeit der Gesandtschaft vorweg nimmt, liest sich „Der Samurai“ nur mäßig spannend. Besonders der Charakter des heimtückischen Missionars Velasco wird durch Passagen als Ich-Erzählung herausgearbeitet. Der Samurai Rokuemon Hasekura bleibt dagegen recht farblos, was schade ist, da der Titel des Romans ihn als Hauptfigur benennt.
Shusaku Endo, selbst Katholik, spart jedoch auch nicht an Kritik an der institutionalisierten katholischen Kirche. Diese hat sich viel zu weit um Ursprung entfernt und pflegt ihre Organisation in ihrer Struktur und Repräsentation mehr, als sich um die praktische Seelsorge zu kümmern. Daher sei „Der Samurai“ besonders den Lesern ans Herz gelegt, die sich für den Autor Shusaku Endo und sein Verhältnis zum katholischen Glauben interessieren.
Bibliographische Angaben:
Endo, Shusaku: „Der Samurai“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Berndt, Jürgen), Franz Schneekluth Verlag, München 1987, ISBN 3-7951-0892-6
So trifft ihn das Los, an dieser Mission teilzunehmen, recht unvermittelt. Er legt keinerlei Wert auf Ruhm oder Weltentdeckung. Vielmehr würde er sehr viel lieber in seinem Tal bleiben und das harte Leben der Bauern teilen. Doch die Entscheidung des Fürsten ist nicht anfechtbar – Rokuemon muss sein Tal und seine Familie auf unbestimmte Zeit verlassen und in die weite, unbekannte Welt hinaussegeln.
Begleitet wird die Mission vom Franziskanermönch Velasco, dem der Sinn nach etwas ganz anderem als der Aufnahme von Handelsbeziehungen steht. Er will die Christianisierung Japans vorantreiben, um sich schließlich die Bischofswürde zu sichern. So beginnt er, ein falsches Spiel zu treiben und die Gesandtschaft für seine Zwecke zu missbrauchen. Die Japaner, die weder vertraut mit dem Spanischen noch mit den Eigenarten der katholischen Welt sind, sind für Velasco nur allzu leicht zu manipulieren. Von Mexiko aus lockt er die Gesanten weiter nach Europa. Da für die Japaner nur die Erfüllung ihres Auftrags zählt, lassen sie sich auf die lange Schiffsreise nach Europa ein – und treten schließlich sogar zum katholischen Glauben über.
[Achtung: Spoiler!] Dass die Mission der Samurai nicht vom Erfolg gekrönt sein wird, geht bereits aus dem historischen Kontext hervor. Denn während der Abwesenheit der Gesandten, ändert sich das politische und religiöse Klima in Japan. Christen werden aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt; die Machthaber sind an Handelsbeziehungen mit Spanien nicht mehr interessiert. So sind nicht nur alle Entbehrungen der Gesandten für die Katz; sie geraten nach ihrer Rückkehr gar zwischen die Mühlen des Politapparats.
Da auch der Klappentext die Erfolglosigkeit der Gesandtschaft vorweg nimmt, liest sich „Der Samurai“ nur mäßig spannend. Besonders der Charakter des heimtückischen Missionars Velasco wird durch Passagen als Ich-Erzählung herausgearbeitet. Der Samurai Rokuemon Hasekura bleibt dagegen recht farblos, was schade ist, da der Titel des Romans ihn als Hauptfigur benennt.
Shusaku Endo, selbst Katholik, spart jedoch auch nicht an Kritik an der institutionalisierten katholischen Kirche. Diese hat sich viel zu weit um Ursprung entfernt und pflegt ihre Organisation in ihrer Struktur und Repräsentation mehr, als sich um die praktische Seelsorge zu kümmern. Daher sei „Der Samurai“ besonders den Lesern ans Herz gelegt, die sich für den Autor Shusaku Endo und sein Verhältnis zum katholischen Glauben interessieren.
Bibliographische Angaben:
Endo, Shusaku: „Der Samurai“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Berndt, Jürgen), Franz Schneekluth Verlag, München 1987, ISBN 3-7951-0892-6
Donnerstag, 20. September 2012
„Schafsgesänge“ von Shuichi Kato
Das Schaf gilt nicht unbedingt als die Personifizierung des Mutes und hat als Herdentier nicht gerade das Image eines willensstarken Individuums. Shuichi Kato, im Jahr des Schafes 1919 geboren, etablierte sich jedoch schon früh als Beobachter mit individuellem Standpunkt. Mit der Literaturgruppe „Matinée Poetique" war er kein Regime-treuer Literat während des zweiten Weltkriegs. Später entwickelte er sich gar zu einer moralischen Instanz.
Mit „Schafsgesänge“ schrieb Shuichi Kato seinen Lebensweg bis ins Jahr 1960 nieder. Der erste Teil der Gesänge, in dem seine Kindheit, Jugend und Studienjahre geschildert werden, liegt derzeit noch nicht in Übersetzung vor. Der zweite, ins Deutsche übersetzte Teil, setzt im September 1945 ein. Noch in Japan darf der Leser den Autor auf Forschungsmission begleiten, als er die Folgen des Atombombenabwurfs über Hiroshima untersucht. Mehr schlecht als recht kann er sich mit den US-amerikanischen Forscherkollegen verständigen.
Und so landet Shuichi Kato in Paris, im 14. Arrondissment, im „Japan-Haus“. Da nur wenige Japaner in Paris weilen, macht er vielfältige, internationale Bekanntschaften. So lernt er beispielsweise die französischen Literaten der „Klostergruppe“ kennen. Shuichi Kato begleitet bald den Dichter René Arcos auf eine Tagung des PEN-Clubs nach Südfrankreich und zieht gar in dessen Haus mit ein. Auf einer Reise nach Italien lernt er eine ebenfalls herumreisende Wienerin kennen – und lieben. Er besucht sie in Wien, später in London und verlässt später gar seine Quasi-Verlobte für die Europäerin. Als Literat führt es ihn schließlich bis nach Taschkent für Vorbereitungen für den Afro-Asiatischen Schriftstellerkongress.
Shuichi Katos „Schafsgesänge“ sind nicht nur ein äußerst interessantes Zeitzeugnis. Der Autor sieht sich vor allem in der Rolle eines Beobachters und zieht Vergleiche zwischen den Kulturen. Seine pazifistische Gesinnung wird zudem transportiert. Nur leider wurde meine Neugierde nicht ganz befriedigt: Gab es ein Happy End für die Liebe zwischen der Wienerin und dam Autor/Mediziner aus Japan?
Bibliographische Angaben:
Kato, Shuichi: „Schafsgesänge“, Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1997, ISBN 3-458-16842-7
Mit „Schafsgesänge“ schrieb Shuichi Kato seinen Lebensweg bis ins Jahr 1960 nieder. Der erste Teil der Gesänge, in dem seine Kindheit, Jugend und Studienjahre geschildert werden, liegt derzeit noch nicht in Übersetzung vor. Der zweite, ins Deutsche übersetzte Teil, setzt im September 1945 ein. Noch in Japan darf der Leser den Autor auf Forschungsmission begleiten, als er die Folgen des Atombombenabwurfs über Hiroshima untersucht. Mehr schlecht als recht kann er sich mit den US-amerikanischen Forscherkollegen verständigen.
„Im Herbst 1945 in die japanische Nachkriegsgesellschaft aufgebrochen, machte ich mich im Herbst 1951 auf den Weg, mir den Westen anzuschauen – der zweite Aufbruch in meinem Leben“ (S. 53)
Und so landet Shuichi Kato in Paris, im 14. Arrondissment, im „Japan-Haus“. Da nur wenige Japaner in Paris weilen, macht er vielfältige, internationale Bekanntschaften. So lernt er beispielsweise die französischen Literaten der „Klostergruppe“ kennen. Shuichi Kato begleitet bald den Dichter René Arcos auf eine Tagung des PEN-Clubs nach Südfrankreich und zieht gar in dessen Haus mit ein. Auf einer Reise nach Italien lernt er eine ebenfalls herumreisende Wienerin kennen – und lieben. Er besucht sie in Wien, später in London und verlässt später gar seine Quasi-Verlobte für die Europäerin. Als Literat führt es ihn schließlich bis nach Taschkent für Vorbereitungen für den Afro-Asiatischen Schriftstellerkongress.
Shuichi Katos „Schafsgesänge“ sind nicht nur ein äußerst interessantes Zeitzeugnis. Der Autor sieht sich vor allem in der Rolle eines Beobachters und zieht Vergleiche zwischen den Kulturen. Seine pazifistische Gesinnung wird zudem transportiert. Nur leider wurde meine Neugierde nicht ganz befriedigt: Gab es ein Happy End für die Liebe zwischen der Wienerin und dam Autor/Mediziner aus Japan?
Bibliographische Angaben:
Kato, Shuichi: „Schafsgesänge“, Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1997, ISBN 3-458-16842-7
Sonntag, 5. August 2012
„Fremde Wasser“ von Yoko Tawada, herausgegeben von Ortrud Gutjahr
„Wenn Sie hier sind, haben Sie vielleicht das Gefühl, dass es ein ‚hier’ gibt. Damit meine ich, dass Sie zum Beispiel in der Moderne leben, die alles andere hinter sich gelassen zu haben sollte, und dass Sie in der ersten Welt leben, in der Sie vor bodenloser Armut und einer tödlichen Diktatur geschützt sein sollten. Aber wenn ich verschiedene Länder und Zeiten durcheinanderbringe und in diesen Raum importiere, zeigt dieser Raum seinen eigentlichen Charakter als Wasser, das keine Grenzen kennt. Und wer wirklich bereit ist, in einer Hafen-City zu wohnen, muss damit rechnen, dass in jedem Moment ein unbekanntes Schiff erscheint.“ (S. 73)
So startet Yoko Tawada in ihre zweite Poetikvorlesung. Insgesamt drei an der Zahl enthält der Band „Fremde Wasser“. Darüber hinaus tummeln sich 17 wissenschaftliche Beiträge, die sich mit dem Sprachphänomen Yoko Tawada befassen. Ein Interview mit ebendieser komplettiert den Band.
Doch zunächst zurück zu den drei Vorlesungen, die im Rahmen einer Hamburger Gastprofessur für Interkulturelle Poetik im Sommersemester 2011 nur wenige Monate nach der verheerenden Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan gehalten wurde. Daher startet Yoko Tawada auch so in die erste Vorlesung:
„Hiroshima endet genau wie Fukushima auf ‚Shima’, und das Wort ‚Shima’ bedeutet Insel.“ (S. 49)
Doch im Zentrum dieser ersten Vorlesung soll ein anderes „Shima“ – Tanegashima – stehen, auf der die ersten Europäer im 16. Jahrhundert landeten. Yoko Tawada illustriert hier jedoch auch ihre eigene „Landung“ im Westen, nämlich ihre Erfahrungen als Japanerin in Hamburg und den Besuch erster sprachwissenschaftlicher Vorlesungen, unter anderem über Roland Barthes.
Die zweite Vorlesung widmet Yoko Tawada der Insel Dejima, auf der die holländischen Handelspartner isoliert lebten. Sie begibt sich jedoch auch nach Südafrika, spürt Afrikaans als „belastete Sprache“ nach und stellt offene Fragen:
„Wie stark ist eine Sprache belastbar? Gibt es die Unschuld der Sprache? Bin ich vielleicht eine perverse Autorin, die sich nur für belastete Sprachen interessiert?“ (S. 77)
Die dritte und letzte Vorlesung steht unter dem Thema Uraga, dem Hafen, in den 1853 die schwarzen Schiffe der US-Amerikaner einliefen, um Japan zu Handelsbeziehungen mit den USA zu zwingen. Yoko Tawada widmet sich hier unter anderem dem Brecht-Stück „Die Judith von Shimoda“, das auf einem Werk von Yuzo Yamamoto basiert, und Puccinis „Madame Butterfly“.
Damit endet der von Yoko Tawada verfasste Teil von „Fremde Wasser“. Die Vorlesungen sind hier nur kurz angerissen, da man der Fülle von Yoko Tawadas Gedankengängen in einer Zusammenfassung ohnehin nicht gerecht werden könnte und man getrost auf das Buch selbst verweisen kann. Yoko Tawadas Beiträge lesen sich wie immer höchst interessant und ohne die Schwere von wissenschaftlichen Abhandlungen, die man bei dem Begriff „Vorlesung“ unterstellen könnte.
Die folgenden 17 wissenschaftlichen Aufsätze nehmen den größten Teil von „Fremde Wasser“ ein. Hier begibt sich Sigrid Weigel beispielsweise auf „Suche nach dem E-mail für Japanische Geister“, Christine Ivanovic und Franziska Schößler betrachten Yoko Tawadas Bühnenstücke, Andrea Bandhauer widmet sich dem Wasser, der Weiblichkeit und den Metamorphosen in „Schwager in Bordeaux“, Yasemin Dayioglu-Yücel fragt sich, ob sich Yoko Tawadas Werke als magischer Realismus verorten lassen und Vibha Surana fragt „Was hört auf, wo Europa anfängt?“.
Sicherlich muss sich der Leser hier auf etwas schwerere, analytische Kost einlassen, die die Lektüre jedoch allemal wert ist, wenn man sich mit Yoko Tawadas Werken näher befassen möchte. Ein kleines bisschen Grundwissen zu Barthes, Benjamin und Derrida sei jedoch empfohlen. Auch die Lektüre von Yoko Tawadas Werken sollte bereits vor dem Lesen der Aufsätze erfolgt sein, um den Gedankengängen der einzelnen Autoren gut folgen zu können.
„Fremde Wasser“ zeigt eindrücklich das (Sprach-)Genie der Autorin und Ethnologin Yoko Tawada auf und lässt den Leser tiefer in die Bedeutungszusammenhänge hinabtauchen. Eine Pflichtlektüre für jeden Yoko Tawada-Fan!
Bibliographische Angaben:
Tawada, Yoko & Gutjahr Ortrud (Hrsg.): „Fremde Wasser“, Konkursbuch, Tübingen 2012, ISBN 978-3-88769-777-8
Mittwoch, 18. Juli 2012
„Das Grab der Leuchtkäfer“ von Akiyuki Nosaka
Neben der gleichnamigen Erzählung enthält Akiyuki Nosakas „Das Grab der Leuchtkäfer“ ein weiteres Werk mit „Algen aus Amerika“.
Als wahrscheinlich bekannteste Erzählung Akiyuki Nosaka gilt wohl „Das Grab der Leuchtkäfer“. Die Geschichte ist stark autobiographisch gefärbt: Nach dem Tod der Mutter musste der damals 14-jährige Autor die letzten Kriegsmonate allein für sich und seine kleine Schwester sorgen. Seine Schwester starb an Unterernährung.
„Das Grab der Leuchtkäfer“ setzt mit den letzten Stunden im Leben des Kriegswaisen Seita ein. Er stirbt in einer Bahnhofshalle in seinen Exkrementen, bevor ihn staatliche Hilfen erreichen hätte können und vor den Augen seiner Mitmenschen, die Seita bereits abgeschrieben haben. Eine Rückblende beleuchtet die letzten Kriegsmonate: Seitas Mutter stirbt an den Folgen von Verbrennungen, die sie sich im Bombenhagel zugezogen hat. Seita ist nun für seine kleine Schwester Setsuko verantwortlich. Einige Wochen kommen sie bei einer Tante unter, die die Geschwister aber zunehmend als Last empfindet. Seita und Setsuko ziehen daraufhin in ein Erdloch um. Unfähig, sowohl sich als auch die Schwester zu ernähren, muss Seita zusehen, wie Setsuko immer schwächlicher wird und schließlich an Unterernährung stirbt. Nur die Leuchtkäfer begleiten die Geschwister während ihrer letzten Monate: Sie sorgen für ein bisschen Licht in der Erdhöhle und wohnen der Verbrennung von Setsuko bei. Als Setsukos Knochen achtlos nach Seitas Tod auf dem Boden landen, geben ihnen nur die Leuchtkäfer ein letztes Geleit.
Dank des Nachworts von Irmela Hijiya-Kirschnereit wird die Doppeldeutigkeit des Wortes „Leuchtkäfer“ klar – im Japanischen mit den Zeichen für „vom Himmel fallendes Feuer“ geschrieben und damit auf den Bombenhagel verweisend. „Das Grab der Leuchtkäfer“ ist ein trauriges Zeugnis der Grausamkeit des Krieges, der die Mitmenschen kalt werden lässt. Durch den nüchternen Schreibstil wird die Kälte zudem unterstrichen – es geht nur noch ums blanke Überleben.
Die zweite Erzählung „Algen aus Amerika“ setzt sich mit der Amerika-Allergie auseinander, die der Protagonist Toshio empfindet. Als 14-jähriger hat er den Beginn der Landung der amerikanischen Soldaten in Japan miterlebt – und wie er und seine Landsleute zu Bettlern um Kaugummi wurden. Als seine Ehefrau Kyoko das US-amerikanisches Pärchen der Higgins, das sie im Urlaub kennen gelernt hat, nach Japan einlädt, wird Toshio mit seinen Ressentiments konfrontiert. Den US-amerikanischen Soldaten konnte der damalige Teenager Toshio nichts anhaben – doch Herrn Higgins möchte er irgendwie in die Knie zwingen. Entweder durch Alkohol oder durch Sexabenteuer…
„Algen aus Amerika“ schlägt mehr in die Richtung von „Japanische Freuden“ und streut Salz in die Wunde der japanisch-amerikanischen Beziehungen.
Bibliographische Angaben:
Nosaka, Akiyuki: „Das Grab der Leuchtkäfer“, Rowohlt, Reinbek 1992, ISBN 3-499-13109-9
Als wahrscheinlich bekannteste Erzählung Akiyuki Nosaka gilt wohl „Das Grab der Leuchtkäfer“. Die Geschichte ist stark autobiographisch gefärbt: Nach dem Tod der Mutter musste der damals 14-jährige Autor die letzten Kriegsmonate allein für sich und seine kleine Schwester sorgen. Seine Schwester starb an Unterernährung.
„Das Grab der Leuchtkäfer“ setzt mit den letzten Stunden im Leben des Kriegswaisen Seita ein. Er stirbt in einer Bahnhofshalle in seinen Exkrementen, bevor ihn staatliche Hilfen erreichen hätte können und vor den Augen seiner Mitmenschen, die Seita bereits abgeschrieben haben. Eine Rückblende beleuchtet die letzten Kriegsmonate: Seitas Mutter stirbt an den Folgen von Verbrennungen, die sie sich im Bombenhagel zugezogen hat. Seita ist nun für seine kleine Schwester Setsuko verantwortlich. Einige Wochen kommen sie bei einer Tante unter, die die Geschwister aber zunehmend als Last empfindet. Seita und Setsuko ziehen daraufhin in ein Erdloch um. Unfähig, sowohl sich als auch die Schwester zu ernähren, muss Seita zusehen, wie Setsuko immer schwächlicher wird und schließlich an Unterernährung stirbt. Nur die Leuchtkäfer begleiten die Geschwister während ihrer letzten Monate: Sie sorgen für ein bisschen Licht in der Erdhöhle und wohnen der Verbrennung von Setsuko bei. Als Setsukos Knochen achtlos nach Seitas Tod auf dem Boden landen, geben ihnen nur die Leuchtkäfer ein letztes Geleit.
Dank des Nachworts von Irmela Hijiya-Kirschnereit wird die Doppeldeutigkeit des Wortes „Leuchtkäfer“ klar – im Japanischen mit den Zeichen für „vom Himmel fallendes Feuer“ geschrieben und damit auf den Bombenhagel verweisend. „Das Grab der Leuchtkäfer“ ist ein trauriges Zeugnis der Grausamkeit des Krieges, der die Mitmenschen kalt werden lässt. Durch den nüchternen Schreibstil wird die Kälte zudem unterstrichen – es geht nur noch ums blanke Überleben.
Die zweite Erzählung „Algen aus Amerika“ setzt sich mit der Amerika-Allergie auseinander, die der Protagonist Toshio empfindet. Als 14-jähriger hat er den Beginn der Landung der amerikanischen Soldaten in Japan miterlebt – und wie er und seine Landsleute zu Bettlern um Kaugummi wurden. Als seine Ehefrau Kyoko das US-amerikanisches Pärchen der Higgins, das sie im Urlaub kennen gelernt hat, nach Japan einlädt, wird Toshio mit seinen Ressentiments konfrontiert. Den US-amerikanischen Soldaten konnte der damalige Teenager Toshio nichts anhaben – doch Herrn Higgins möchte er irgendwie in die Knie zwingen. Entweder durch Alkohol oder durch Sexabenteuer…
„Algen aus Amerika“ schlägt mehr in die Richtung von „Japanische Freuden“ und streut Salz in die Wunde der japanisch-amerikanischen Beziehungen.
Bibliographische Angaben:
Nosaka, Akiyuki: „Das Grab der Leuchtkäfer“, Rowohlt, Reinbek 1992, ISBN 3-499-13109-9
Donnerstag, 5. Juli 2012
„Zwischen den Welten“ von Yoshi Oida
Der Schauspieler Yoshi Oida kommt 1968 während der Studentenunruhen nach Paris, um an einem internationalen Theaterprojekt teilzunehmen. Die Arbeitsweise seiner westlichen Kollegen ist ganz anders, selbst die Frauen überragen ihn an Körpergröße und sprachliche Verständigungsschwierigkeiten gibt es ohnehin. So wird Yoshi Oida gleich von Anfang an vor Herausforderungen gestellt, die neben den kulturellen Unterschieden auch noch die rein schauspielerischen umfasst.
Trotz aller Schwierigkeiten lässt sich Yoshi Oida 1970 auf das nächste Kulturen übergreifende Theaterprojekt ein, das Theaterleuten die Möglichkeit verschaffen soll, sich drei Jahre lang mit Grundfragen des Theaters zu befassen. So macht Yoshi Oida seine Erfahrungen sowohl mit bodenständigen als auch mit mystischen Ansätzen, zusammen mit der Theatertruppe geht es zu Vorstellungen in den Iran, einmal quer durch Afrika und in die USA.
1970 erfährt Yoshi Oida in Frankreich vom Selbstmord von Yukio Mishima, mit dem er in Japan zusammengearbeitet hatte. In „Zwischen den Welten“ erinnert sich Yoshi Oida an gemeinsame Erlebnisse und fragt sich, ob dieser Selbstmord nicht vielleicht abzusehen war.
Als Yoshi Oida 1973 nach Japan zurückkehrt, tritt er für einige Wochen in einen buddhistischen Orden ein, um hier Ansätzen fürs Theater nachzuspüren. Auch später versucht er, Religion, aber auch japanische Kriegskünste fürs Theater nutzbar zu machen. Doch schließlich zieht es ihn immer wieder nach Paris zurück.
Yoshi Oidas „Zwischen den Welten“ schneidet vielfältige Themen an: Der Autor hinterfragt die Beziehung des Westens zu Japan und anderen Kulturen, aber auch seine eigene Einstellung zur westlichen Kultur. Er beschäftigt sich mit Fragestellungen zum Theater, wie z.B. den Voraussetzungen, die die Truppe erfüllen muss. Er besinnt sich auf die japanischen Kultur zurück und setzt seine Erkenntnisse in Theaterübungen um. Und natürlich ist „Zwischen den Welten“ reich an Anekdoten rund um die internationale Schauspieltruppe und Yoshi Oidas Erlebnissen in aller Herren Länder.
Bibliographische Angaben:
Oida, Yoshi: „Zwischen den Welten“, Alexander Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-923854-59-5
Trotz aller Schwierigkeiten lässt sich Yoshi Oida 1970 auf das nächste Kulturen übergreifende Theaterprojekt ein, das Theaterleuten die Möglichkeit verschaffen soll, sich drei Jahre lang mit Grundfragen des Theaters zu befassen. So macht Yoshi Oida seine Erfahrungen sowohl mit bodenständigen als auch mit mystischen Ansätzen, zusammen mit der Theatertruppe geht es zu Vorstellungen in den Iran, einmal quer durch Afrika und in die USA.
1970 erfährt Yoshi Oida in Frankreich vom Selbstmord von Yukio Mishima, mit dem er in Japan zusammengearbeitet hatte. In „Zwischen den Welten“ erinnert sich Yoshi Oida an gemeinsame Erlebnisse und fragt sich, ob dieser Selbstmord nicht vielleicht abzusehen war.
Als Yoshi Oida 1973 nach Japan zurückkehrt, tritt er für einige Wochen in einen buddhistischen Orden ein, um hier Ansätzen fürs Theater nachzuspüren. Auch später versucht er, Religion, aber auch japanische Kriegskünste fürs Theater nutzbar zu machen. Doch schließlich zieht es ihn immer wieder nach Paris zurück.
Yoshi Oidas „Zwischen den Welten“ schneidet vielfältige Themen an: Der Autor hinterfragt die Beziehung des Westens zu Japan und anderen Kulturen, aber auch seine eigene Einstellung zur westlichen Kultur. Er beschäftigt sich mit Fragestellungen zum Theater, wie z.B. den Voraussetzungen, die die Truppe erfüllen muss. Er besinnt sich auf die japanischen Kultur zurück und setzt seine Erkenntnisse in Theaterübungen um. Und natürlich ist „Zwischen den Welten“ reich an Anekdoten rund um die internationale Schauspieltruppe und Yoshi Oidas Erlebnissen in aller Herren Länder.
Bibliographische Angaben:
Oida, Yoshi: „Zwischen den Welten“, Alexander Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-923854-59-5
Mittwoch, 8. Februar 2012
„Wasabi zum Frühstück“ von Foumiko Kometani
Foumiko Kometanis Protagonistinnen teilen beide das Schicksal der Autorin: Sie sind ins Niemandsland der Kulturen geraten und dürfen sich weder in ihrem Geburtsland noch in den USA, wohin sie ausgewandert sind, zugehörig fühlen.
„Wasabi zum Frühstück“, die erste Erzählung, handelt von der Künstlerin Megumi, die sich hin und wieder aus den USA nach Tokio begibt, um dort mit Galeristen über Ausstellungen zu verhandeln. Doch natürlich wartet auch „Family Business“ auf sie: Oma Oharu, ihre Mutter, plappert in einem fort – am liebsten über ihr schlecht sitzendes Gebiss – und treibt Megumi damit in den Wahnsinn. Unerwartet findet eine Totenfeier für eine Tante statt und Megumi muss sich dort mit allerlei Verwandtschaft herumschlagen, die ihr jede Kompetenz, was Japan betrifft, streitig macht. Denn schließlich ist Megumi schon jahrzehntelang nur noch zu Besuch in ihrem Geburtsland. Und dann verschwindet auch noch ihr Neffe nach einem Streit mit dessen Vater. Die Nerven der Familie liegen bald blank, insbesondere da die Polizei nicht eingeschaltet werden darf, da sonst ein Gesichtsverlust eintreten könnte. Megumi kann über eine solche Haltung nur den Kopf schütteln. Darüber hinaus muss sie sich auch noch mit der japanischen Kunstszene auseinandersetzen. Schließlich will sie ihre Bilder verkaufen.
„Feuersäulen“ bildet das Gegenstück zu „Wasabi zum Frühstück“: Es erzählt von der 60-jährigen Yu, die in Los Angeles mit ihrem US-amerikanischen Mann Bob lebt. Ihre beiden Töchter weilen zum Studium im Ausland und so beschließt Yu, sich endlich wieder als Designerin zu betätigen. Doch der Wiedereinstieg fällt schwer. Als Asiatin hat sie gegen Vorurteile zu kämpfen. Es ist das Jahr 1991 und Yu befindet sich während der Ausschreitungen aufgrund des Rodney-King-Vorfalls nicht nur in einer Stadt im Ausnahmezustand, sondern muss über ethnische Minderheiten in den USA reflektieren, zu denen sie sich als Japanerin schließlich auch zählen muss. Nachdem Schwarze auch Asiaten und Latinos attackieren, Schwarze sich wegen eines weißen Vorfahrens rechtfertigen müssen, warum sie nicht ganz „schwarz“ sind und sich selbst weiße, gut versorgte Vorstadtjungs an Plünderungen beteiligen, weiß Yu gar nicht mehr, auf welcher Seite sie eigentlich steht.
Elena Giannoulis bemerkt im Nachwort:
Dieser Hinweis ist durchaus nicht nur dahin gesagt. Denn insbesondere in „Wasabi zum Frühstück“ polarisiert Foumiko Kometanis Protagonistin Megumi, die ebenso wie die Autorin einen behinderten Sohn zur Welt gebracht hat, sehr. So äußert sich die Figur der Megumi wie folgt:
An anderer Stelle zeigt sich Megumi Gott sei Dank auch wieder versöhnlicher. Dennoch sollte sich der Leser bei Foumiko Kometanis Erzählband „Wasabi zum Frühstück“ auf eine härtere Gangart einstellen.
„Wasabi zum Frühstück“, die erste Erzählung, handelt von der Künstlerin Megumi, die sich hin und wieder aus den USA nach Tokio begibt, um dort mit Galeristen über Ausstellungen zu verhandeln. Doch natürlich wartet auch „Family Business“ auf sie: Oma Oharu, ihre Mutter, plappert in einem fort – am liebsten über ihr schlecht sitzendes Gebiss – und treibt Megumi damit in den Wahnsinn. Unerwartet findet eine Totenfeier für eine Tante statt und Megumi muss sich dort mit allerlei Verwandtschaft herumschlagen, die ihr jede Kompetenz, was Japan betrifft, streitig macht. Denn schließlich ist Megumi schon jahrzehntelang nur noch zu Besuch in ihrem Geburtsland. Und dann verschwindet auch noch ihr Neffe nach einem Streit mit dessen Vater. Die Nerven der Familie liegen bald blank, insbesondere da die Polizei nicht eingeschaltet werden darf, da sonst ein Gesichtsverlust eintreten könnte. Megumi kann über eine solche Haltung nur den Kopf schütteln. Darüber hinaus muss sie sich auch noch mit der japanischen Kunstszene auseinandersetzen. Schließlich will sie ihre Bilder verkaufen.
„Feuersäulen“ bildet das Gegenstück zu „Wasabi zum Frühstück“: Es erzählt von der 60-jährigen Yu, die in Los Angeles mit ihrem US-amerikanischen Mann Bob lebt. Ihre beiden Töchter weilen zum Studium im Ausland und so beschließt Yu, sich endlich wieder als Designerin zu betätigen. Doch der Wiedereinstieg fällt schwer. Als Asiatin hat sie gegen Vorurteile zu kämpfen. Es ist das Jahr 1991 und Yu befindet sich während der Ausschreitungen aufgrund des Rodney-King-Vorfalls nicht nur in einer Stadt im Ausnahmezustand, sondern muss über ethnische Minderheiten in den USA reflektieren, zu denen sie sich als Japanerin schließlich auch zählen muss. Nachdem Schwarze auch Asiaten und Latinos attackieren, Schwarze sich wegen eines weißen Vorfahrens rechtfertigen müssen, warum sie nicht ganz „schwarz“ sind und sich selbst weiße, gut versorgte Vorstadtjungs an Plünderungen beteiligen, weiß Yu gar nicht mehr, auf welcher Seite sie eigentlich steht.
Elena Giannoulis bemerkt im Nachwort:
„Schnell bemerkt der Leser, dass sich hinter der schroffen und taktlosen Art der Protagonistinnen ein weicher Kern und liebenswürdige Personen verbergen, die es aufgegeben haben, sich Illusionen zu machen, und sich aus Selbstschutz einen Panzer angelegt haben.“ (S. 189)
Dieser Hinweis ist durchaus nicht nur dahin gesagt. Denn insbesondere in „Wasabi zum Frühstück“ polarisiert Foumiko Kometanis Protagonistin Megumi, die ebenso wie die Autorin einen behinderten Sohn zur Welt gebracht hat, sehr. So äußert sich die Figur der Megumi wie folgt:
„Warum habe ich nur die Mühe einer Schwangerschaft auf mich genommen? Um nichts als Abfall auf die Welt zu bringen?“ (S. 72)
An anderer Stelle zeigt sich Megumi Gott sei Dank auch wieder versöhnlicher. Dennoch sollte sich der Leser bei Foumiko Kometanis Erzählband „Wasabi zum Frühstück“ auf eine härtere Gangart einstellen.
Sonntag, 6. November 2011
„Der wunderbare Träumer“ von Shusaku Endo
Takamori und Tomoe sind ganz aufgeregt: Gaston Bonaparte, ein Nachfahre Napoleons und Takamoris französischer Brieffreund aus Kindheitstagen, hat seinen Besuch in Japan angekündigt. Doch die beiden Erwachsenen, die unverheiratet noch bei der verwitweten Mutter leben, werden schwer enttäuscht. Gaston wirkt alles andere als ein reicher, gebildeter Adeliger. Sein Gesicht ähnelt dem eines Pferdes, er ist völlig überproportioniert, mittellos und einfältig mit einer Tendenz zur Dummheit. Gastons Arglosigkeit bringt Takamori und Tomoe sogar in eine Bredouille, die in einer Schlägerei endet.
Als Gaston weiterzieht, schlittert er von der einen in die andere unangenehme Situation, bis ihn der Profikiller Endo entführt und in seine Rachepläne an den Verrätern an seinem Bruder einbindet. Währenddessen wandeln sich Takamoris und Tomoes Gefühle für Gaston: Was sie für Dummheit hielten, ist vielmehr Gastons unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen.
„Der wunderbare Träumer“ von Shusaku Endo beginnt komödiantisch, wird spannend und tragisch und endet märchenhaft. Auch wenn der wunderbare Träumer Gaston einfältig wirkt und das Leben der Menschen, die seinen Weg kreuzen, erst einmal etwas durcheinander bringt, so gehen diese doch positiv verändert aus der Begegnung wieder hervor.
Selbstverständlich finden sich auch in „Der wunderbare Träumer“ typische Shusaku Endo-Elemente wider: Der Profikiller, der denselben Namen wie der Autor trägt, ist genauso wie dieser lungenkrank. Kriegsverbrechen werden aufgezeigt. Und das Konzept der christlichen Nächstenliebe, das selbst Feinde einschließt.
Als Gaston weiterzieht, schlittert er von der einen in die andere unangenehme Situation, bis ihn der Profikiller Endo entführt und in seine Rachepläne an den Verrätern an seinem Bruder einbindet. Währenddessen wandeln sich Takamoris und Tomoes Gefühle für Gaston: Was sie für Dummheit hielten, ist vielmehr Gastons unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen.
„Der wunderbare Träumer“ von Shusaku Endo beginnt komödiantisch, wird spannend und tragisch und endet märchenhaft. Auch wenn der wunderbare Träumer Gaston einfältig wirkt und das Leben der Menschen, die seinen Weg kreuzen, erst einmal etwas durcheinander bringt, so gehen diese doch positiv verändert aus der Begegnung wieder hervor.
Selbstverständlich finden sich auch in „Der wunderbare Träumer“ typische Shusaku Endo-Elemente wider: Der Profikiller, der denselben Namen wie der Autor trägt, ist genauso wie dieser lungenkrank. Kriegsverbrechen werden aufgezeigt. Und das Konzept der christlichen Nächstenliebe, das selbst Feinde einschließt.
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