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Samstag, 6. August 2011

„Wasurenagusa“ von Aki Shimazaki

Auch mit „Wasurenagusa“ knüpft Aki Shimazaki an die vorangegangenen Kurzromane „Tsubaki“ und „Tsubame“ an, ohne dass jedoch ein Vorwissen der letztgenannten Werke vorhanden sein muss.

Dieses Mal wird die Lebensgeschichte aus dem Blickwinkel von Kenji Takashi erzählt. Kenji ist der einzige Nachkomme einer alteingesessenen Familie und trägt somit die Verantwortung des Stammhalters. Da ihm seine erste Frau keinen Nachfolger gebiert, zwingt ihn seine Familie, sich von seiner scheinbar unfruchtbaren Frau zu trennen. Kenji bereut, dass er nicht die Stärke besitzt, dem Druck seiner Familie zu widerstehen. Denn er fühlt sich bevormundet, möchte sein eigenes Leben führen – und muss feststellen, dass seine erste Frau nun ein Kind hat; die Unfruchtbarkeit wohl ihm selbst zu unterstellen ist.

Kenji träumt von „Wasurenagusa“, von Veilchen. Als er die alleinstehende Mariko, die einen unehelichen Sohn hat, mit Veilchen in der Hand sieht, ist dies für ihn ein Zeichen. Er möchte Mariko heiraten, ihren Sohn adoptieren.

Mariko – wie auch bereits Jahre zuvor Kenjis ehemaliges, lieb gewonnenes Kindermädchen Sono – trifft auf Ablehnung in der Familie, da sie von „zweifelhafter Herkunft“ ist. Doch Kenji lässt sich dieses Mal nicht mehr fremdbestimmen und bricht mit der Familie.

Jahre später erst erfährt er Dinge aus der Zeit vor seiner Geburt, die das Verhalten seiner inzwischen verstorbenen Eltern umso unverständlicher machen.

„Wasurenagusa“ zeichnet das Bild eines entschlossenen Mannes, der sich gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz durch sein Herz leiten lässt und sein Glück findet. Ein schöner Abschluss für die drei Romane Aki Shimazakis, die bisher auf Deutsch erhältlich sind!

Sonntag, 3. Juli 2011

„Tsubame“ von Aki Shimazaki

Yonhi und ihre Mutter sind Koreanerinnen und erleben das Große Kanto-Erdbeben im Jahr 1923. In einer fremdenfeindlich-aufgeheizten Atmosphäre gibt die Mutter ihr Kind bei einem katholischen Priester in Obhut, schärft Yonhi ein, dass sie sich Mariko nennen und ihre koreanische Abstammung verheimlichen soll. Die Mutter begibt sich auf die Suche nach Yonhis Onkel. Beide wird Yonhi/Mariko nie wieder sehen.

Jahre später wird die Exhumierung von Opfern der Ausschreitungen gegen die Koreaner geplant. Mariko ist zwischenzeitlich Großmutter und konnte Zeit Lebens den Anschein der japanischen Abstammung aufrechterhalten. Zum Ende ihres Lebens offenbart sie nun endlich einer Person ihr jahrzehntelang gehütetes Geheimnis und erfährt schließlich, wer ihr Vater ist.

Wie auch in Aki Schimazakis „Tsubaki“ wird nicht allzu sehr auf das Leid der Protagonistin eingegangen. Der Charme von „Tsubame“ liegt eher darin, dass der Roman die Geschichte von „Tsubaki“ aus einer anderen Perspektive erzählt (freilich muss man „Tsubaki“ nicht vor „Tsubame“ gelesen haben). Wer hätte gedacht, dass Yonhis/Marikos Leid nicht aus der unheilvollen Liebschaft zu Yukikos Vater entspringt, sondern sich ganz andere Erfahrungen viel tiefer in ihrer Seele eingenistet haben und ihr Denken und Leben bestimmen.

Samstag, 11. Juni 2011

„Tsubaki“ von Aki Shimazaki

„Tsubaki“ ist die japanische Kamelie und die Lieblingsblume der Protagonistin Yukiko in Aki Shimazakis erstem Roman, den sie auf Französisch verfasste. Yukiko ließ nach dem Atombombenabwurf auf ihre Heimatstadt Nagasaki Japan hinter sich und gründete im Ausland eine kleine Familie. Ihre Vergangenheit in Japan bleibt bis zu ihrem Tod nahezu im Dunkeln. Erst durch einen Abschiedsbrief erfährt ihre Tochter mehr über das Familienleben in Nagasaki und dem unheilvollen Tag des Atombombenabwurfs.

Auf nur 111 Seiten spinnt Aki Shimazaki eine Familientragödie um verbotene Liebe, Familienbande, Normen, Manipulation, Betrug und einen Mord, der aufgrund des Atombombenabwurfs niemals entdeckt wurde. Mehr sei an dieser Stelle nicht über die Handlung vorweggenommen.

Der Erzählstil ist schnörkellos, fast schon distanziert. Schade nur, dass die Autorin sich nicht doch noch etwas mehr dem Thema Sühne und Schuld gewidmet hat. Trotz des tollen Plots wirkt die Geschichte so noch etwas schwach auf der Brust.

Nichtsdestotrotz macht „Tsubaki“ und sein versöhnliches Ende Lust auf die weiteren Bücher von Aki Shimazaki. Die im Kunstmann Verlag erschienenen Werke sind ohnehin auch optisch kleine, liebevolle Kunstwerke, denen die Abbildungen hier nicht gerecht werden können.

Freitag, 10. Juni 2011

Aki Shimazaki

Aki Shimazaki wurde 1954 in Gifu als Tochter eines Landwirts geboren. Bereits als Jugendliche begeisterte sie sich für Literatur. Diese Passion blieb ihr auch während ihrer Arbeit als Grundschullehrerin erhalten. 1981 wanderte Aki Shimazaki nach Kanada aus. Sie lebte in Vancouver und Toronto, bevor sie sich 1991 in Montreal niederließ. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie als Japanisch-Lehrerin und Übersetzerin.

Aki Shimazaki schreibt ihre Romane auf Französisch. In einer Sprachschule entdeckte sie den Roman „Le Grand Cahier“ von Agota Kristof und begeisterte sich für den simplen Sprachstil der Autorin. Auch aus Sprachübungszwecken begann Aki Shimazaki ihren Roman „Tsubaki“ auf Französisch. Ihr minimalistischer Schreibstil ist unter anderem auch von Haikus inspiriert.

Aki Shimazaki wählt den Titel ihrer Romane primär nach dem Klang im Ohr eines Franzosen aus und dies bevor sie zu schreiben beginnt. Dies ist wohl auch der Grund, weswegen die Titel im Deutschen nicht übersetzt wurden.

Interessante Links:

Ins Deutsche übersetzte Romane und hier rezensiert: