Labels

Posts mit dem Label Generationskonflikt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Generationskonflikt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. November 2015

„Meijin“ von Yasunari Kawabata

Yasunari Kawabatas „Meijin“ basiert auf dem Go-Spiel, das Shusai Honinbo, der damalige Meister des Gos (= Meijin), gegen seinen jüngeren Kontrahenten Minoru Kitani im Jahr 1938 ausfocht. Yasunari Kawabata berichtete damals in der Zeitung Mainichi über die Partie, die sich über ein halbes Jahr hinziehen sollte. Bis in die 50er Jahre hinein überarbeitete der Autor seine Aufzeichnungen, um den teilweise fiktionalisierten Fortsetzungsroman „Meijin“ im Jahr 1951 zu veröffentlichen.

Als Ich-Erzähler und als sein Alter-Ego Uragami berichtet Yasunari Kawabata von der Go-Partie, in der das alte Japan in Form des „unbesiegbaren“ Meijins auf das moderne Japan, verkörpert durch den jungen Otake (aka Minoru Kitani), trifft. Für den Meijin bedeutet dieses Match eine große Umstellung, da die jüngere Spielergeneration mit härteren Bandagen und gewissen Tricks kämpft. Die Vorrechte des Meijin als des älteren Spielers werden beschnitten; er wird einer „moderne[n] Gleichmacherei“ (S. 48) unterworfen und verliert die Privilegien des Älteren. Eine neue Ära des Go-Spiels hat begonnen:

„Man führte das Gefecht lediglich, um zu gewinnen, und es gab keinen Spielraum, um an die Würde und Anmut des Go als Kunst zu erinnern.“ (S. 46)

Otake weiß das moderne Regelwerk geschickt für sich zu nutzen und der Meijin kommt mehr und mehr in Bedrängnis. Doch auch an Otakes Nerven wird gezehrt: Der Meijin erkrankt wiederholt und die Spiel zieht sich schließlich monatelang hin. Das Ende der Partie nimmt Kawabata vorweg: Von den Strapazen des Matchs wird sich der Meijin nicht mehr erholen – er wird kurze Zeit später sterben. Und so stirbt die letzte Generation der Go-Spieler aus, die Go als „Zerstreuung der Unsterblichen“ mit Würde spielten. Doch Yasunari Kawabata beklagt nicht nur das Ende eines Zeitalters, sondern vermutet, dass das Go durch den Generationswechsel eine Belebung erfahren wird.

Da das Ende der Partie dem Leser bereits im ersten Kapitel vermittelt wird, gibt es kaum Spannung in „Meijin“. Zwar benötigt man nicht unbedingt Kenntnis über die Go-Regeln, doch sicherlich können Go-Spieler mehr mit den Beschreibungen der Partien anfangen. Für alle anderen ist die Darstellung der recht unterschiedlichen Charaktere, die jeweils für eine andere Generation stehen, weit interessanter.

Yasunari Kawabata selbst scheint dem Generationswechsel ambivalent gegenüber zu stehen. Uragami beklagt zwar den Verlust an Würde und Tradition, scheint aber einzusehen, dass die Zeit des Meijin unwiederbringlich dahin ist. Dem Westen dagegen attestiert er, dass er nicht für den verfeinerten Geist des japanischen Gos gemacht ist.

Bibliographische Angaben:
Kawabata, Yasunari: „Meijin“ (Übersetzung aus dem Englischen: Heisel, Felix), Brett und Stein Verlag, Frankfurt/Main 2015, ISBN 978-3-940563-22-4

Sonntag, 16. August 2015

„Eigenwetter“ von Nanae Aoyama

Mit „Eigenwetter“ gewann Nanae Aoyama den 136. Akutagawa-Literaturpreis. Jury-Mitglied Ryu Murakami lobte insbesondere Nanae Aoyamas Talent für Dialoge. Und tatsächlich: Die Mischung aus Beschreibung und wörtlicher Rede erscheint genau richtig, wenn die Autorin die Ich-Erzählerin Chizu aus einem Jahr ihres Lebens berichten lässt. Chizu ist 20, als ihre Mutter arbeitsbedingt nach China gehen will. Die Mutter sorgt dafür, dass Chizu bei einer weitläufigen Verwandten, der 71-jährigen Ginko, in Tokio unterkommt. Chizu weiß nicht so recht wohin mit sich. Studieren mag sie nicht, irgendwas will sie arbeiten – aber Hauptsache, sie kann in Tokio wohnen. Chizu fühlt sich einsam, verlassen und irgendwie leer. Ihrer Mitbewohnerin Ginko begegnet sie mit Sarkasmus. Doch Ginko ist alt und weise genug, um sämtliche Sticheleien einfach an sich abprallen zu lassen.

Die Kapitel des Romans, dessen Erzählzeit ein gutes Jahr umfasst, sind in die vier Jahreszeiten eingeteilt. In „Frühling“ wird Chizus Leben auf den Kopf gestellt: Ihre Mutter lässt sie allein in Japan zurück, ihre neue Heimat wird Tokio. Ihre Beziehung zu ihrem Freund zerbricht. Im Sommer wartet eine neue Liebe auf Chizu. Der Herbstwind weht Chizu leider scharf ins Gesicht und erst im Winter, der eigentlich kalten Jahreszeit, wird es Chizu wieder etwas wärmer ums Herz.

Nanae Aoyama beschreibt mit „Eigenwetter“ die Generation der Freeter, die entweder keine Vollzeitstelle finden kann oder sich gar nicht erst auf eine traditionelle Bürokarriere einlassen will. Die Protagonistin Chizu selbst steht bald vor der beruflichen Entscheidung, weiterhin zu jobben oder eine Festanstellung anzunehmen. Vielleicht kann man die Botschaft von „Eigenwetter“ dann auch so deuten: In Zeiten, in denen der tradierte Familienzusammenhalt erodiert, bietet zumindest ein fester beruflicher Rahmen Sicherheit. Chizu hat manchmal regelrechte Panikzustände, was ihre Zukunft angeht:

„Ob die Panik dann verginge?
Es würde mir nie gelingen, so etwas wie ein ‚vernünftiges’ Leben zu führen, hatte ich das Gefühl.“ (S. 119)

Ein weiteres Motiv ist der Generationenkonflikt. Im Fall von Chizu und ihrer Mutter sieht der aber nicht so aus, wie man denken könnte:

„Schon in der Pubertät hatte ich die Jugendlichkeit und das Vertraulich-Tun meiner Mutter gehasst. Nicht das Nicht-Verstanden-Werden hatte mich gestört, sondern das Verstanden-Werden.“ (S. 77)

So stößt Chizu ihre Mutter immer wieder weg und fühlt sich gleichzeitig von ihr im Stich gelassen.

Bei „Eigenwetter“ habe ich ein kleines Nachwort vermisst. Insbesondere hätte mich interessiert, wie dieser doch recht eigenwillige Titel des Kurzromans auszulegen ist. Die jahreszeitlichen Bezüge der einzelnen Kapitel nehmen natürlich auch die jeweiligen Witterungsbedingungen auf und ohnehin stehen diese in einer ganz typischen japanischen Erzähltradition. Das Wetter beeinflusst Chizu natürlich auch in ihrer Lebens- und Denkweise. Daher spiegelt sie die reale Witterung mit einem eigenen (Seelen-)Wetter. Aber vielleicht ist diese Deutungsweise auch zu weit hergeholt?

„Eigenwetter“ wirkt wie das dunkle Spiegelbild eines Banana Yoshimoto-Romans. Die Zutaten wie z.B. das generationenübergreifende Zusammenleben, der Neubeginn, das Verlassenwerden, die Selbstfindungsversuche von jungen Erwachsenen sind sehr ähnlich. Doch Nanae Aoyamas Protagonistin Chizu ist sarkastisch, zynisch, verletzend und erlebt allzu viele Rückschläge. Damit ist „Eigenwetter“ ein ziemliches Kontrastprogramm zu den Banana Yoshimoto-Werken. Und trotzdem hat die Lektüre Spaß gemacht – vielleicht eben gerade, weil die süßliche Banana Yoshimoto-Komponente wegfällt.

Bibliographische Angaben:
Aoyama, Nanae: „Eigenwetter“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Busson, Katja), Cass, Löhne 2014, ISBN 978-3-944751-05-4

Mittwoch, 23. Mai 2012

„Urlaub für die Ewigkeit“ von Akira Abe

Der Protagonist Teisuke in „Urlaub für die Ewigkeit“ erlebt gerade wahrlich keine schöne Zeit: Seinem Vater ist unheilbarer Krebs attestiert worden, die Ärzte geben ihm nur noch wenige Monate zu leben. Dem Vater soll die Diagnose verschwiegen werden, was Teisuke irgendwie gerade recht kommt: So kann er weiterhin abends mit seinen Kollegen saufen gehen und sein distanziertes Verhältnis zum Vater beibehalten. So richtig entsetzt über den baldigen Krebstod ist die unmittelbare Verwandtschaft ebenfalls nicht: Für die eigene Ehefrau, die der Vater seit jeher wie eine Sklavin herumkommandiert hatte, wäre sein Tod eine Befreiung. Und der zweitgeborene Sohn Ryoji war ohnehin seit Jahren mit ihm verstritten.

In Rückblenden erzählt Teisuke von dem sehr unschönen Familienleben während der letzten 30 Jahre: Der versoffene Vater hatte als ehemaliger Marineoffizier nach dem Krieg nie wieder Fuß fassen können und als Arbeitsloser von den illegalen Geschäften Ryojis gelebt. Als Ryojis verzweifelte Versuche, Geld für die Familie aufzubringen, aufflogen, verstieß der Vater seinen Sohn. Den erstgeborenen, bereits verstorbenen Sohn hatte er aufgrund dessen geistiger Behinderung kastrieren lassen. Und die Mutter behandelte er wie einen Fußabstreifer. Da war Teisuke, der drittgeborene Sohn, noch am besten weggekommen.

„Urlaub für die Ewigkeit“ wirft die Frage auf, ob man einem Familientyrann vor dessen Tod vergeben kann. Gerade einmal die Schwiegertöchter sind fähig, dem Sterbenden gegenüber den traditionellen Respekt einem Familienoberhaupt gegenüber zu bewahren.

Die autobiographisch gefärbte Erzählung von Akira Abe schildert eine wahrlich tragische Familienhistorie, die viele Aspekte japanischer Sozialgeschichte in sich birgt: Soldaten, die nach dem Krieg wertlos geworden sind und sich in einer entmilitarisierten Gesellschaft nicht mehr zu Recht finden. Patriarchalische Familienoberhäupter, die die Zeichen des Wandels nicht erkennen. Und Söhne, die während des Krieges ohne Väter aufwachsen.

Montag, 7. Mai 2012

„Der Seemann, der die See verriet“ von Yukio Mishima

Yukio Mishimas Roman „Der Seemann, der die See verriet“ nimmt im Sommer in Yokohamas Hafen seinen Ausgangspunkt: Fusako, Mutter des von der Seefahrt begeisterten 13-jährigen Noboru, trifft auf einer privaten Schiffsbesichtigung zusammen mit ihrem Sohn auf den Offizier Ryuji. Eine schicksalhafte Begegnung: Für Ryuji ist Fusako die ideale Frau, nach der er sich schon seit jeher gesehnt hat. Fusako ist seit mehreren Jahren Witwe und hat Sehnsucht nach einem Mann an ihrer Seite. Noboru wiederum ist (zunächst) angetan von der heldenhaften Atmosphäre, die den äußerst männlich wirkenden Ryuji umgibt. Ryuji und Fusako verleben wenige, besonders leidenschaftlich Stunden, bis Ryujis Frachter wieder in exotische Länder ausläuft.

Im Winter läuft das Schiff erneut in Yokohama ein. Ryuji, der einst Seemann wurde, um sich als Held, als ein ganz besonderer Mensch zu beweisen, realisiert, dass sein Traum von Ehre, Liebe und Tod sich nicht mehr erfüllen wird. Doch in Fusako hat er eine verführerische Frau gefunden und beschließt, das Leben auf See aufzugeben und sie zu ehelichen. Doch die Rechnung ist ohne Noboru gemacht: Der naseweise Jugendliche hat nicht nur ein Loch in der Wand entdeckt, durch das er das Paar beim Sex beobachtet. Er gehört auch einer Bande nihilistischer Gleichaltriger an, die sich als Elite der Gesellschaft fühlen. In den Augen der Teenager sind vor allem Väter die Pest. Noch sind alle Bandenmitglieder unter 14 Jahren und damit nicht strafrechtlich zu belangen – was den Anführer auf die Idee bringt, jetzt sei die Zeit, um noch einmal etwas Ungeheuerliches anzuzetteln…

„Der Seemann, der die See bedient“ kreist um den Wunsch nach Heldentum. Ryuji muss sein Ziel, Heldenhaftes zu vollbringen aufgeben und entschließt sich, ein normales Leben an Land zu führen. Noboru sieht in Ryuji zunächst einen Helden der See. Doch diese idealisierte Vorstellung wird allzu schnell enttäuscht und durch Ryujis permanente Rückkehr an Land völlig zu Nichte gemacht. Noboru und seine Kumpanen sehen sich dagegen als Anti-Helden, die es der armseligen Erwachsenengesellschaft heimzahlen wollen.

Der Roman fesselt vor allem durch Perversionen: Noboru ist nicht nur ein ganz unsympathischer Spanner. Zusammen mit den anderen Bandenangehörigen versucht er, seine Empfindungen abzutöten. Deswegen muss er als Mutprobe ein Kätzchen mit eigenen Händen töten. Der Bandenchef seziert es im Anschluss. Alles widerlich, aber trotzdem muss man weiter lesen.

Insbesondere im ersten Kapitel, das im Sommer spielt, übertreibt es mir Yukio Mishima jedoch ein bisschen mit seinen permanenten Beschreibungen von Licht und Schatten. Keine Szene vergeht, ohne dass der Autor etwas in gleißende Sonne stellt oder dunkle Schatten über etwas anderes werfen lässt. Hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen.

Donnerstag, 3. Mai 2012

„Das Gedächtnis der Steine“ von Hikaru Okuizumi

Im unmenschlichen Überlebenskampf in einer Inselhöhle, in der sich japanischen Soldaten während den Endzügen des Pazifikkriegs versteckt halten, werden die sterbenden Kameraden von ihren Landsleuten auf Anweisung des Kommandanten getötet und Maden aus Wunden gegessen, um nur irgendetwas in den Magen zu bekommen.

„Ein Kieselstein in unserer Hand erzählt die Geschichte der Welt, und auch Sie sind Teil dieser Geschichte. Und was Sie in ihm entdecken, ist die Gestalt, die Sie in der Zukunft annehmen werden.“ (S. 48f.)

Kurz bevor er in der Höhle auf der Insel Leyte sein Leben aushaucht, gibt ein Soldat seinem jungen Kameraden Manase die Philosophie der Steine auf den Weg. In dem Kreislauf von Magma über Fels, Stein und Sand bis zu Sediment zeugt jeder Stein von jahrtausendalter Geschichte.

Manase verfällt nach Kriegsende und zurück in Japan der Faszination der Steine. Nichts bremst seinen Sammeleifer und aus einem absoluten Laien wird ein unakademischer Profi der Geologie. Doch scheint diese geradezu verbissene Leidenschaft, unter der Manases Familie leidet, vor allem einem Verdrängungseffekt des Kriegstraumas geschuldet zu sein. So beschwört Manase nicht nur einen fatalen Generationskonflikt herauf.

Hikaru Okuizumis „Das Gedächtnis der Steine“ driftet aber auch in eine phantastische Richtung, wenn Manase in einer japanischen Gesteinshöhle auf seinen brutalen Kommandanten aus Leyte zu treffen glaubt. Gegenwärtiges und längst Vergangenes beginnen sich zu überlagern. Tote erscheinen und wollen Manases Kinder getroffen haben. Eine Deutung dieser Geschehnisse obliegt dem Leser, der jedoch ein bisschen ratlos zurückgelassen wird.

Montag, 25. Juli 2011

„Eine Klinik in Tokyo“ von Shusaku Endo

Der Titel „Eine Klinik in Tokyo“ ist für den Roman von Shusaku Endo glatt etwas zu kurz gegriffen. Denn einerseits wird die Geschichte von Eiichi, einem Arzt in besagter Klink, erzählt, doch den Erinnerungen von Eiichis Vater Ozu wird fast noch mehr Platz eingeräumt: Anfang der 30 Jahre besucht Ozu die Mittelschule und verlebt mit seinem besten Freund Plattfisch eine bittersüße Jugend – beide sind verliebt in dasselbe Mädchen und unternehmen stümperhafte Versuche, ihr näher zu kommen. Als der zweite Weltkrieg beginnt, wird Plattfisch zuerst eingezogen. Ozu ist voererst noch zurückgestellt, muss sich dann aber auch zum Kriegsdienst melden. Die beiden Freunde werden sich nie wiedersehen.

Eiichi, Ozus Sohn, ist angewidert von der Kriegsgeneration mit ihrer antiquierten Weltanschauung. Fortschrittsglaube und Karrierebewusstsein prägen Eiichi. Es ist unausweichlich, dass es zu Spannungen zwischen Eiichi und Ozu kommt, die unter einem gemeinsamen Dach wohnen. Verschärft wird der Generationskonflikt, als eine Frau als Eiichis Patientin ins Krankenhaus eingeliefert wird, die Ozu einst aus der Ferne anschwärmte.

Shusako Endo hat mit „Eine Klinik in Tokyo“ ein ihm wohlbekanntes Setting und ihm geläufige Krankheitsbilder gewählt: Jahrelang lag er selbst mit einem Lungenleiden im Krankenhaus.

„Eine Klinik in Tokyo“ ist ein Roman, der Wehmut macht: Wehmut nach der sorgenfreien Schulzeit, Wehmut nach einer verlorenen Jugend, Wehmut nach den kleinen Dingen im Leben und Wehmut nach Freunden, die man mit der Zeit verliert. Die junge Generation erscheint neben der Kriegsgeneration oberflächlich und karrieregeil, auch wenn es idealistische Ausnahmen gibt.

Dienstag, 5. Juli 2011

„Der Schatten der blauen Katze“ von Naoyuki Ii

Noayuki Iis Roman „Der Schatten der blauen Katze“ thematisiert gleich mehrere Probleme der japanischen Gesellschaft: Unter anderem das Abschieben von älteren Angestellten, Arbeitslosigkeit, Armut und Generationskonflikt.

Der Roman dreht sich um Yayima, einen Mann um die 50 Jahre, der nach dem Platzen der Wirtschaftsblase in eine aufreibende Abteilung abgeschoben wird. Von seinem Freund übers Ohr gehauen rutscht er in die Arbeitslosigkeit. Doch mit familiärem Rückhalt durch seine Frau und Engagement einer Freundin gelingt es ihm, sich erfolgreich selbstständig zu machen. Doch nun liegt das Privatleben im Argen: Seine Tochter Ryu hat Probleme in der Schule, beginnt sich die Nächte in der Stadt um die Ohren zu schlagen und hat Kontakt zu zwielichtigen Gestalten. Zudem liegt der Freund, der ihn einst betrogen hat, im Sterben.

Parallel wird von Yayimas erster Ferienliebe im Teenageralter und von den sexuellen Eskapaden seines Onkels erzählt..

Das erste Drittel von Naoyuki Iis „Der Schatten der blauen Katze“ ist turbulent, mitreißend und spannend. Leider flacht die Handlung etwas ab, als der Protagonist Yayima ins Philosophieren über In- und Outgroup-Phänomene gerät. Und auch in der weiteren Handlung hält er immer wieder den moralischen Zeigefinger hoch, während er sich doch insgeheim über den baldigen und unausweichlichen Tod seines ehemaligen Freundes freut. Das macht ihn zu einem unangenehmen Charakter, mit dem man sich als Leser so gar nicht identifizieren mag. Schade, dass der Rest vom Buch mit dem grandiosen ersten Drittel nicht mehr mithalten kann – ist hier dem Autor etwas der Drive abhanden gekommen? Vielleicht mag dieser Eindruck auch damit zusammenhängen, dass sich der Roman nicht entscheiden will, ob er ein Wirtschaftsthriller, Familiendrama oder einfach nur ein bisschen böse Unterhaltung sein will.