Der Autor Keigo Higashino steht eigentlich für Whodunit-Krimis, die von findigen Ermittlern aufgelöst werden. Mysteriös geht es da nur anfangs zu – die Lösungen entzaubern die vermeintlichen Ungereimtheiten.
Ganz anders aber diesmal in Keigo Higashinos „Kleine Wunder um Mitternacht“. Denn eine geheimnisvolle Macht lässt einen in die Jahre gekommenen Gemischtwarenladen zu einer Zeitmaschine werden, die 33 Jahre überwindet.
Drei Kleinkriminelle finden hier nach einem nächtlichen Raub Unterschlupf, um sich am nächsten Morgen wieder unters Volk zu mischen. Doch in den vermeintlich verlassenen Laden werden Briefe eingeworfen, deren Absender den Rat des Gemischtwarenhändlers erfragen. Die drei jungen Männer können nicht widerstehen und antworten auf die Fragen, die offenbar aus der Vergangenheit gestellt werden.
So verwebt Keigo Higashino unterschiedliche Schicksale unterschiedlicher Zeiten, die jedoch alle in einem gewissen Zusammenhang stehen. Und obwohl kein klassischer Kriminalfall zu lösen ist, klebt der Leser an den Seiten und will wissen, wie die Lebenswege der Protagonisten weitergehen, welche Pfade sich noch kreuzen werden. Teilweise geht es tragisch zu, teilweise hoffnungsfroh. Der Schreibstil ist wie von Keigo Higashino gewohnt völlig unprätentiös, weswegen sich das Buch quasi weginhalieren lässt.
Leider waren die gut 400 Seiten dann auch viel zu schnell durchgelesen. Ich hoffe, dass noch weitere Keigo Higashino-Romane abseits des Whodunit-Genres ihren Weg zur deutschen Übersetzung finden werden. Hat Spaß gemacht, obwohl ich zwischendurch auch mal ein Tränchen vergossen habe.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Kleine Wunder um Mitternacht“ (Übersetzung aus dem Englischen (?): Finke, Astrid), Limes Verlag, München 2020, ISBN 978-3-8090-2710-2
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Sonntag, 2. Januar 2022
Sonntag, 3. Mai 2020
„Unschuldige Täter“ von Keigo Higashino
Manchmal bedarf es das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt: Ein verregnetes, kaltes Mai-Wochenende mit Corona-Ausgehbeschränkungen plus ein spannender Keigo Higashino-Roman, der (zum Teil) im Sommer am Meer spielt. Innerhalb weniger Stunden war das Werk verschlungen.
Leider verrät der Klappentext von „Unschuldige Täter“ für meine Begriffe glatt schon wieder ein bisschen zuviel über die Lösung des folgenden Falls: Ein Übernachtungsgast einer Pension wird in einem heruntergekommenen Örtchen, das die beste Zeit schon längst hinter sich hat, tot auf den Klippen am Meer aufgefunden. Kurz zuvor hat der Tote eine Versammlung von Umweltaktivisten, Fischern und der Firma DESMEC, die am Meeresboden nach Rohstoffen suchen will, besucht.
Zufällig hatte sich Professor Yukawa ebenfalls in dieselbe Pension wie der Tote eingemietet. Eigentlich sollte er die DESMEC beraten – doch seine natürliche Neugier treibt ihn zu eigenen Ermittlungen an, während die örtliche Polizei das Ganze am liebsten als Unfall deklarieren würde. Schließlich schaltet sich auch die Polizei von Tokio ein und stellt Untersuchung zum Hintergrund diverser Personen an.
Und so entspinnt sich ein typischer Keigo Higashino-Roman, bei dem der Leser die tröpfchenweisen Informationen schon einmal für sich ordnen und über die wahre Täterschaft spekulieren kann. Und doch wird einem dieses oder jenes Detail entgehen, bis Professor Yukawa am Schluss die finale Lösung präsentiert.
Besonders gut gefallen haben mir diesmal die Protagonisten, insbesondere der kleine Junge Kyohei, der in den Sommerferien zu seinen Verwandten geschickt wird, die die Pension betreiben. Yukawa und Kyohei tun sich als Lehrer und Schüler zusammen und so wird der verschrobene Yukawa in besonders sympathischem Licht dargestellt.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Unschuldige Täter“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Tropen, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-50413-2
Leider verrät der Klappentext von „Unschuldige Täter“ für meine Begriffe glatt schon wieder ein bisschen zuviel über die Lösung des folgenden Falls: Ein Übernachtungsgast einer Pension wird in einem heruntergekommenen Örtchen, das die beste Zeit schon längst hinter sich hat, tot auf den Klippen am Meer aufgefunden. Kurz zuvor hat der Tote eine Versammlung von Umweltaktivisten, Fischern und der Firma DESMEC, die am Meeresboden nach Rohstoffen suchen will, besucht.
Zufällig hatte sich Professor Yukawa ebenfalls in dieselbe Pension wie der Tote eingemietet. Eigentlich sollte er die DESMEC beraten – doch seine natürliche Neugier treibt ihn zu eigenen Ermittlungen an, während die örtliche Polizei das Ganze am liebsten als Unfall deklarieren würde. Schließlich schaltet sich auch die Polizei von Tokio ein und stellt Untersuchung zum Hintergrund diverser Personen an.
Und so entspinnt sich ein typischer Keigo Higashino-Roman, bei dem der Leser die tröpfchenweisen Informationen schon einmal für sich ordnen und über die wahre Täterschaft spekulieren kann. Und doch wird einem dieses oder jenes Detail entgehen, bis Professor Yukawa am Schluss die finale Lösung präsentiert.
Besonders gut gefallen haben mir diesmal die Protagonisten, insbesondere der kleine Junge Kyohei, der in den Sommerferien zu seinen Verwandten geschickt wird, die die Pension betreiben. Yukawa und Kyohei tun sich als Lehrer und Schüler zusammen und so wird der verschrobene Yukawa in besonders sympathischem Licht dargestellt.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Unschuldige Täter“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Tropen, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-50413-2
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Sonntag, 23. September 2018
„Unter der Mitternachtssonne“ von Keigo Higashino
Im Osaka der 70er Jahre findet ein Junge beim Versteckenspielen in einem verlassenen Gebäude die Leiche des Pfandleihers Kirihara. Mit mehreren Messerstichen wurde der Mann ermordet. Doch trotz intensiver Ermittlungen kann die Polizei den Mörder nicht dingfest machen. Alle Verdächtigen scheinen Alibis zu haben. Und ein Jahr später scheiden gar zwei davon unter seltsamen Bedingungen aus dem Leben. So müssen die Ermittlungen erfolglos eingestellt werden.
Aus unterschiedlichen Perspektiven werden in Folge Geschehnisse aus den kommenden 20 Jahren sowohl in Osaka als auch Tokio illustriert. Immer wieder kommt es zu Verbrechen wie Missbrauch, Vergewaltigung, Industriespionage oder Hacker-Angriffen. Dabei greift der Autor Keigo Higashino Themen auf, die für die jeweilige Zeit hochaktuell waren. Sei es die Einführung von Bankkarten oder Computerspiele, die im Trend lagen. Diese Themen werden immer wieder zum Aufhänger für neue Verbrechen.
Während die bisherigen Krimi-Übersetzungen von Keigo Higashino dem Whodunit-Genre zuzuordnen sind, schert „Unter der Mitternachtssonne“ diesmal aus. Denn es wird sehr schnell klar, dass zwei Personen auf mysteriöse Art und Weise in die Unglücke verkettet sind, die in ihrem Umfeld stattfinden. Kommissar Sasagaki bedient sich des Bildes vom Knallkrebs und der Grundel: Der Knallkrebs lässt die Grundel in seiner Höhle wohnen. Die Grundel wiederum warnt den Knallkrebs vor drohender Gefahr – eine perfekte Symbiose. Doch der Kriminalbeamte kann seine Theorie weder beweisen, noch den Verdächtigen habhaft werden. Und so fiebert der Leser mit, dass den beiden Bösewichten doch bitte endlich jemand das Handwerk legt, bevor sie noch weiteres Unheil stiften können.
Mit mehr als 700 Seiten ist „Unter der Mitternachtssonne“ zwar enorm lang, dafür aber so spannend, dass man gerne auch mal bis nach Mitternacht liest. Und das obwohl der Leser sehr schnell ahnt, wer hinter den bösen Machenschaften steckt. „Unter der Mitternachtssonne“ führt zwar viele Personen ein, was eine Herausforderung an den Leser ist, aber mir scheint, dass der Roman gerade durch die Vielfalt an Perspektiven so interessant wird. Jede neue Figur wird in ihren Eigenschaften genau herausziseliert und wächst einem manchmal sogar ein bisschen ans Herz. Umso schlimmer, wenn die Bösewichte dem liebgewonnenen Charakter dann etwas antun sollten.
Insgesamt gefällt mir persönlich „Unter der Mitternachtssonne“ viel besser als die Whodunit-Krimis des Autors, die mir manchmal zu konstruiert wirken.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Unter der Mitternachtssonne“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Tropen, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-50348-7
Aus unterschiedlichen Perspektiven werden in Folge Geschehnisse aus den kommenden 20 Jahren sowohl in Osaka als auch Tokio illustriert. Immer wieder kommt es zu Verbrechen wie Missbrauch, Vergewaltigung, Industriespionage oder Hacker-Angriffen. Dabei greift der Autor Keigo Higashino Themen auf, die für die jeweilige Zeit hochaktuell waren. Sei es die Einführung von Bankkarten oder Computerspiele, die im Trend lagen. Diese Themen werden immer wieder zum Aufhänger für neue Verbrechen.
Während die bisherigen Krimi-Übersetzungen von Keigo Higashino dem Whodunit-Genre zuzuordnen sind, schert „Unter der Mitternachtssonne“ diesmal aus. Denn es wird sehr schnell klar, dass zwei Personen auf mysteriöse Art und Weise in die Unglücke verkettet sind, die in ihrem Umfeld stattfinden. Kommissar Sasagaki bedient sich des Bildes vom Knallkrebs und der Grundel: Der Knallkrebs lässt die Grundel in seiner Höhle wohnen. Die Grundel wiederum warnt den Knallkrebs vor drohender Gefahr – eine perfekte Symbiose. Doch der Kriminalbeamte kann seine Theorie weder beweisen, noch den Verdächtigen habhaft werden. Und so fiebert der Leser mit, dass den beiden Bösewichten doch bitte endlich jemand das Handwerk legt, bevor sie noch weiteres Unheil stiften können.
Mit mehr als 700 Seiten ist „Unter der Mitternachtssonne“ zwar enorm lang, dafür aber so spannend, dass man gerne auch mal bis nach Mitternacht liest. Und das obwohl der Leser sehr schnell ahnt, wer hinter den bösen Machenschaften steckt. „Unter der Mitternachtssonne“ führt zwar viele Personen ein, was eine Herausforderung an den Leser ist, aber mir scheint, dass der Roman gerade durch die Vielfalt an Perspektiven so interessant wird. Jede neue Figur wird in ihren Eigenschaften genau herausziseliert und wächst einem manchmal sogar ein bisschen ans Herz. Umso schlimmer, wenn die Bösewichte dem liebgewonnenen Charakter dann etwas antun sollten.
Insgesamt gefällt mir persönlich „Unter der Mitternachtssonne“ viel besser als die Whodunit-Krimis des Autors, die mir manchmal zu konstruiert wirken.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Unter der Mitternachtssonne“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Tropen, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-50348-7
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Freitag, 27. Mai 2016
„Ich habe ihn getötet“ von Keigo Higashino
Inspektor Kaga ermittelt mal wieder – Keigo Higashino-Leser kennen den Kommissar bereits aus dem Kriminalroman „Böse Absichten“. Auf der Hochzeit des gerissenen Autors und Filmemachers Makoto und der aufstrebenden Dichterin Miwako bricht der künftige Ehemann auf dem Weg zum Altar zusammen und verstirbt noch in der Kapelle.
Der Krimi wird aus drei Perspektiven erzählt und setzt zwei Tage vor der geplanten Hochzeit ein: Da ist einerseits Makotos Bruder Takahiro, der bis vor kurzem noch mit Miwako zusammen im Haus der verstorbenen Eltern gewohnt hat. Der Tod von Vater und Mutter liegt schon lange zurück, Takahiro und Miwako sind lange Zeit getrennt voneinander aufgewachsen und erst als junge Erwachsene wieder zusammen gezogen. Außenstehende verwundert die Beziehung der beiden zueinander – sie wirken nicht unbedingt wie ein Bruder-Schwester-Gespann...
Die zweite Erzählperspektive wird von Naoyuki Suruga übernommen. Suruga ist der Manager des Verstorbenen und kennt daher selbst Makotos dunkelste Geheimnisse. Oftmals schon hat Suruga bereinigen müssen, was der rücksichtslose Makoto angerichtet hat. Auch kurz vor der Hochzeit war Suruga daran beteiligt, ein tragisches Schicksal zu vertuschen, an dem Makoto die Schuld trägt.
Und schließlich erzählt Makotos Lektorin Kaori Yukizasa ihre Sicht der Geschehnisse. Kaori ist selbst bereits einmal Makotos Reizen erlegen und muss nun nicht nur zusehen, wie Makoto eine andere heiratet. Miwako ist zudem auch noch Kaoris Augapfel, den Makoto sicherlich nicht als Ehefrau verdient hat.
Inspektor Kaga lässt die drei über die Zeit vor dem Mord berichten. Dass alle drei Zugang zu tödlichem Gift hatten, hat der Ermittler bald herausgefunden. So sind die Hauptverdächtigen bald als der Bruder der Braut, der Manager und die Lektorin auszumachen. Doch wer hat Makoto nun wirklich auf dem Gewissen?
Außergewöhnlich an Keigo Higashinos „Ich habe ihn getötet“ ist, dass der Mörder dem Leser gegen Ende nicht auf dem Silbertablett serviert wird. Daher gilt es, den Roman aufmerksam zu lesen und auch auf Details zu achten. Immerhin werden in einem verschlossenen Bereich, dessen Seiten man erst einmal auftrennen muss, doch noch ein paar Hinweise gegeben, die dem Leser Aufschluss über den wahren Mörder des Makoto Hodaka bringen.
„Ich habe ihn getötet“ ist nicht gerade der spannendste Krimi. Er zeichnet sich vielmehr durch die Psychogramme aus, die der Autor um seine Protagonisten strickt. Wer Spaß daran hat, dem Übeltäter selbst auf die Spur zu kommen, der sollte sich „Ich habe ihn getötet“ definitiv einmal vornehmen.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Ich habe ihn getötet“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-98027-1
Der Krimi wird aus drei Perspektiven erzählt und setzt zwei Tage vor der geplanten Hochzeit ein: Da ist einerseits Makotos Bruder Takahiro, der bis vor kurzem noch mit Miwako zusammen im Haus der verstorbenen Eltern gewohnt hat. Der Tod von Vater und Mutter liegt schon lange zurück, Takahiro und Miwako sind lange Zeit getrennt voneinander aufgewachsen und erst als junge Erwachsene wieder zusammen gezogen. Außenstehende verwundert die Beziehung der beiden zueinander – sie wirken nicht unbedingt wie ein Bruder-Schwester-Gespann...
Die zweite Erzählperspektive wird von Naoyuki Suruga übernommen. Suruga ist der Manager des Verstorbenen und kennt daher selbst Makotos dunkelste Geheimnisse. Oftmals schon hat Suruga bereinigen müssen, was der rücksichtslose Makoto angerichtet hat. Auch kurz vor der Hochzeit war Suruga daran beteiligt, ein tragisches Schicksal zu vertuschen, an dem Makoto die Schuld trägt.
Und schließlich erzählt Makotos Lektorin Kaori Yukizasa ihre Sicht der Geschehnisse. Kaori ist selbst bereits einmal Makotos Reizen erlegen und muss nun nicht nur zusehen, wie Makoto eine andere heiratet. Miwako ist zudem auch noch Kaoris Augapfel, den Makoto sicherlich nicht als Ehefrau verdient hat.
Inspektor Kaga lässt die drei über die Zeit vor dem Mord berichten. Dass alle drei Zugang zu tödlichem Gift hatten, hat der Ermittler bald herausgefunden. So sind die Hauptverdächtigen bald als der Bruder der Braut, der Manager und die Lektorin auszumachen. Doch wer hat Makoto nun wirklich auf dem Gewissen?
Außergewöhnlich an Keigo Higashinos „Ich habe ihn getötet“ ist, dass der Mörder dem Leser gegen Ende nicht auf dem Silbertablett serviert wird. Daher gilt es, den Roman aufmerksam zu lesen und auch auf Details zu achten. Immerhin werden in einem verschlossenen Bereich, dessen Seiten man erst einmal auftrennen muss, doch noch ein paar Hinweise gegeben, die dem Leser Aufschluss über den wahren Mörder des Makoto Hodaka bringen.
„Ich habe ihn getötet“ ist nicht gerade der spannendste Krimi. Er zeichnet sich vielmehr durch die Psychogramme aus, die der Autor um seine Protagonisten strickt. Wer Spaß daran hat, dem Übeltäter selbst auf die Spur zu kommen, der sollte sich „Ich habe ihn getötet“ definitiv einmal vornehmen.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Ich habe ihn getötet“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-98027-1
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Freitag, 5. Juni 2015
„Böse Absichten“ von Keigo Higashino
Naja… so richtig vom Hocker gerissen hat mich Keigo Higashinos „Böse Absichten“ nicht. Der Krimiautor versteht es sicherlich,
verzwickte Fälle spannend aufzuziehen. Doch im Fall von „Böse Absichten“
scheint er ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Da werden
unzählbare Indizien, Beweise und Motive analysiert und dann scheint doch wieder
alles völlig anders zu sein. Und zwar so konstruiert anders, dass man dem
ganzen Fall nur erhebliche Realitätsferne und dem Motiv des Täters das Niveau
eines Kindes unterstellen kann.
Aber worum geht es? Kurz vor seiner Abreise nach Kanada
wird der erfolgreiche Autor Hidaka tot in seinem Haus aufgefunden. Alles
scheint auf einen Mord im Affekt hinzudeutetn – Hidaka wurde mit dem
Briefbeschwerer bewusstlos geschlagen und dann mit dem Telefonkabel erwürgt.
Doch alle Verdächtigen haben perfekte Alibis. Da wäre Miyako Fujio, die im
Streit mit Hidaka über die Handlung eines seiner Werke lag. Da wäre Hidakas
frisch vermählte Ehefrau, die den Toten zusammen mit Nonoguchi, der mit Hidaka
seit der Schulzeit befreundet war, aufgefunden hat. Nonoguchi wiederum kann
ebenfalls beweisen, dass er zur Tatzeit nicht vor Ort war.
Oder ist Hidaka vielleicht doch schon früher verstorben? Um alle Hintergründe aufzudecken, werden auch Hidakas erste Ehe, der tragische Tod seiner ersten Ehefrau als auch Hidakas Kindheit durchleuchtet.
Oder ist Hidaka vielleicht doch schon früher verstorben? Um alle Hintergründe aufzudecken, werden auch Hidakas erste Ehe, der tragische Tod seiner ersten Ehefrau als auch Hidakas Kindheit durchleuchtet.
Aus den Aufzeichnungen von Nonoguchi und des ermittelnden
Kommissars Kaga entspinnt sich ein Mordfall, dessen Motive in den Abgründen der
menschlichen Seele nisten. Doch um diese Abgründe für den Leser nachvollziehbar
zu machen, hätte der Autor gut daran getan, die Charaktere ausführlicher
darzustellen. Ich will Keigo Higashinos „Böse Absichten“ gar nicht absprechen,
dass der Roman spannend und sehr eingängig geschrieben ist. Doch hinter
„Verdächtige Geliebte“ und „Heilige Mörderin“ bleibt der Krimi für mich weit
zurück.
Gefallen hat mir aber das Cover-Design umso mehr:
unverkennbar ein Kirschblütenzweig. Erst auf den zweiten Blick erkennt man,
dass die rote Farbe nicht nur von den Blüten herrührt – es sind Blutstropfen
auf den Kirschblütenzweig gefallen. Ein sehr gelungenes Cover für einen Japan-Krimi!
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Böse Absichten“ (Übersetzung aus dem
Japanischen: Gräfe, Ursula), Klett-Cota, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-608-98027-1
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Verrat
Freitag, 21. Februar 2014
„Heilige Mörderin“ von Keigo Higashino
Mit „Heilige Mörderin“ ist Keigo Higashino wieder einmal ein äußerst verzwickter Kriminalroman gelungen. Dem Leser begegnen die beiden Ermittler Kusanagi und Yukawa aus Keigo Higashinos „Verdächtige Geliebte“ wieder, die wiederum ihre Rivalität ausleben, wer den Fall am schnellsten lösen kann. Denn es scheint, als sei der perfekte Mord gelungen: Die Hauptverdächtige hat ein wasserdichtes Alibi – sie war, als sich ihr Ehemann eine tödliche Arsenvergiftung zugezogen hat, meilenweit entfernt. Sie hatte noch nicht einmal ihren Wohnungsschlüssel bei sich und war bereits seit mehr als 24 Stunden außer Haus – unmöglich, dass sie die Vorbereitungen für den Mord direkt vor ihrer Abreise getroffen hat.
Ähnlich wie bei „Verdächtige Geliebte“ weiß der Leser bereits, dass die Ehefrau Ayane ihren Mann Yoshitaka umgebracht hat. Er will von ihr die Scheidung, da Ayane ihm keine Kinder schenken kann. Da entschließt sich Ayane, der Ehe auf anderem Wege ein Ende zu machen, als es für Yoshitakas Gesundheit zuträglich ist. Doch wie ist ihr dieser Mord nur gelungen?
Kusanagi scheint zu allem Überfluss seinen Gefallen an der schönen, warmherzigen und beruflich erfolgreichen Ayane gefunden zu haben. Seine Kollegin Utsumi hat ihre Bedenken, dass Kusanagis private Gefühle seine Ermittlungstätigkeit beeinflussen könnten, und überredet den Physiker Yukawa, ihr bei dem Fall behilflich zu sein. Utsumis weibliche Intuition sagt ihr nicht nur, dass Ayane die Täterin sein muss, sondern sie deckt auch manches Fehlverhalten seitens des Ehemanns Yoshitaka auf.
„Heilige Mörderin“ ist zwar – im strengen Sinne – kein Fortsetzungsroman von „Verdächtige Geliebte“, doch es empfiehlt sich, „Verdächtige Geliebte“ zuerst gelesen zu haben. Denn auf eine ausführliche Charakterisierung und eine Illustration der Vorgeschichte von Kusanagi und Yukawa wird in „Heilige Mörderin“ fast verzichtet. Auf den Antagonismus der beiden wird nicht sonderlich eingegangen, da vorausgesetzt wird, dass die Higashino-Leser bereits darüber im Klaren sind. Mehr Gewicht liegt auf der Darstellung der Figur der Ayane.
Obwohl dem Leser die Mörderin bereits längst bekannt ist, ist „Heilige Mörderin“ spannend bis zum Schluss. Für mich lag ein kleiner Wermutstropfen in den Ermittlungen rund um die Bezugsquelle des Gifts. Die Story, die darum geflochten wird, wirkt arg konstruiert und widerspricht auch etwas dem Bild, das man sich von der „heiligen“ Ayane gemacht hat. Nichtsdestotrotz bietet „Heilige Mörderin“ die Qualität eines Page-Turners – auch wenn der Roman hinter „Verdächtige Geliebte“ etwas zurückbleibt.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Heilige Mörderin“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Klett-Cotta, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-608-98012-7
Ähnlich wie bei „Verdächtige Geliebte“ weiß der Leser bereits, dass die Ehefrau Ayane ihren Mann Yoshitaka umgebracht hat. Er will von ihr die Scheidung, da Ayane ihm keine Kinder schenken kann. Da entschließt sich Ayane, der Ehe auf anderem Wege ein Ende zu machen, als es für Yoshitakas Gesundheit zuträglich ist. Doch wie ist ihr dieser Mord nur gelungen?
Kusanagi scheint zu allem Überfluss seinen Gefallen an der schönen, warmherzigen und beruflich erfolgreichen Ayane gefunden zu haben. Seine Kollegin Utsumi hat ihre Bedenken, dass Kusanagis private Gefühle seine Ermittlungstätigkeit beeinflussen könnten, und überredet den Physiker Yukawa, ihr bei dem Fall behilflich zu sein. Utsumis weibliche Intuition sagt ihr nicht nur, dass Ayane die Täterin sein muss, sondern sie deckt auch manches Fehlverhalten seitens des Ehemanns Yoshitaka auf.
„Heilige Mörderin“ ist zwar – im strengen Sinne – kein Fortsetzungsroman von „Verdächtige Geliebte“, doch es empfiehlt sich, „Verdächtige Geliebte“ zuerst gelesen zu haben. Denn auf eine ausführliche Charakterisierung und eine Illustration der Vorgeschichte von Kusanagi und Yukawa wird in „Heilige Mörderin“ fast verzichtet. Auf den Antagonismus der beiden wird nicht sonderlich eingegangen, da vorausgesetzt wird, dass die Higashino-Leser bereits darüber im Klaren sind. Mehr Gewicht liegt auf der Darstellung der Figur der Ayane.
Obwohl dem Leser die Mörderin bereits längst bekannt ist, ist „Heilige Mörderin“ spannend bis zum Schluss. Für mich lag ein kleiner Wermutstropfen in den Ermittlungen rund um die Bezugsquelle des Gifts. Die Story, die darum geflochten wird, wirkt arg konstruiert und widerspricht auch etwas dem Bild, das man sich von der „heiligen“ Ayane gemacht hat. Nichtsdestotrotz bietet „Heilige Mörderin“ die Qualität eines Page-Turners – auch wenn der Roman hinter „Verdächtige Geliebte“ etwas zurückbleibt.
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Heilige Mörderin“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Klett-Cotta, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-608-98012-7
Freitag, 23. November 2012
„Verdächtige Geliebte“ von Keigo Higashino
Keigo Higashinos „Verdächtige Geliebte“ ist eine positive Überraschung in diesem Leseherbst. Bisher war nur der recht dröge Krimi „Mord am See“ des Autors in deutscher Übersetzung zu lesen. Die zweite Übersetzung des Edogawa Rampo-Preisträgers fesselt bis zur allerletzten Seite und ist ein Page-Turner bester Güte.
Worum geht’s? Der eigenbrödlerische Lehrer Ishigami ist ein gescheitertes Mathematik-Genie. Neben dem Lösen von schwierigen mathematischen Fragestellungen ist seine einzige Freude im Leben, sich sein Lunchpaket im Bentoladen zu kaufen, in dem seine Nachbarin Yasuko arbeitet. Ishigami ist verliebt in die allein erziehende Mutter. Yasuko hatte bisher Pech mit den Männern. Vom Vater ihrer Tochter lebt sie getrennt. Und auch ihre zweite Ehe ging in die Brüche – doch ihr Ex-Ehemann terrorisiert Yasuko, will Geld aus ihr herauspressen. Als er eines Tages wieder einmal vor der Tür steht und gierig Geld verlangt, geschieht das Unfassbare: Yasuko tötet ihren Ex-Mann im Affekt, als dieser auf die Tochter losgeht. Völlig unversehens bietet Ishigami seine Hilfe an, den Mord zu vertuschen. Der Mathematiker scheint in Windeseile einen wasserdichten Plan zu schmieden.
Der Mord bleibt nicht lange unentdeckt. Doch an Yasukos Alibi, das ihr Ishigami besorgt hat, ist kaum zu rütteln. Wenn die Polizei jedoch nicht unversehens Unterstützung von Ishigamis ehemaligem Kommilitonen, dem Physiker Yukawa erhalten würde, wäre der Fall vielleicht ungelöst zu den Akten gelegt worden. Doch Ishigami und Yukawa können sich gegenseitig das Wasser reichen, was ihre analytischen Fähigkeiten betrifft – kann der eine das Labyrinth, das der andere baut, auflösen?
„Verdächtige Geliebte“ spielt mit ähnlichen Zutaten wie Natsuo Kirinos „Die Umarmung des Todes“: Eine hilflose Ehefrau bringt unter widrigen Umständen den (Ex-)Ehemann um die Ecke, will sich der Polizei nicht stellen und nimmt stattdessen die Hilfe von Bekannten in Anspruch, um die Leiche zu entsorgen. Während jedoch Natsuo Kirino die Handlungen aller Beteiligten offen legt, zeichnet sich „Verdächtige Geliebte“ dadurch aus, dass der Leser ebenso wie Yukawa den dünnen Faden aufnehmen muss, der zur Lösung des Falles führen kann – denn die Geschehnisse sind verzwickter, als man glaubt.
Ebenso verzwickt sind die Gefühle, die man als Leser der Figur des Ishigami entgegen bringt. Man schwankt zwischen Sympathie, Mitleid und Abscheu – wahrlich ein ungewöhnlicher Held!
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Verdächtige Geliebte", Klett-Cotta, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-608-93966-8
Worum geht’s? Der eigenbrödlerische Lehrer Ishigami ist ein gescheitertes Mathematik-Genie. Neben dem Lösen von schwierigen mathematischen Fragestellungen ist seine einzige Freude im Leben, sich sein Lunchpaket im Bentoladen zu kaufen, in dem seine Nachbarin Yasuko arbeitet. Ishigami ist verliebt in die allein erziehende Mutter. Yasuko hatte bisher Pech mit den Männern. Vom Vater ihrer Tochter lebt sie getrennt. Und auch ihre zweite Ehe ging in die Brüche – doch ihr Ex-Ehemann terrorisiert Yasuko, will Geld aus ihr herauspressen. Als er eines Tages wieder einmal vor der Tür steht und gierig Geld verlangt, geschieht das Unfassbare: Yasuko tötet ihren Ex-Mann im Affekt, als dieser auf die Tochter losgeht. Völlig unversehens bietet Ishigami seine Hilfe an, den Mord zu vertuschen. Der Mathematiker scheint in Windeseile einen wasserdichten Plan zu schmieden.
Der Mord bleibt nicht lange unentdeckt. Doch an Yasukos Alibi, das ihr Ishigami besorgt hat, ist kaum zu rütteln. Wenn die Polizei jedoch nicht unversehens Unterstützung von Ishigamis ehemaligem Kommilitonen, dem Physiker Yukawa erhalten würde, wäre der Fall vielleicht ungelöst zu den Akten gelegt worden. Doch Ishigami und Yukawa können sich gegenseitig das Wasser reichen, was ihre analytischen Fähigkeiten betrifft – kann der eine das Labyrinth, das der andere baut, auflösen?
„Verdächtige Geliebte“ spielt mit ähnlichen Zutaten wie Natsuo Kirinos „Die Umarmung des Todes“: Eine hilflose Ehefrau bringt unter widrigen Umständen den (Ex-)Ehemann um die Ecke, will sich der Polizei nicht stellen und nimmt stattdessen die Hilfe von Bekannten in Anspruch, um die Leiche zu entsorgen. Während jedoch Natsuo Kirino die Handlungen aller Beteiligten offen legt, zeichnet sich „Verdächtige Geliebte“ dadurch aus, dass der Leser ebenso wie Yukawa den dünnen Faden aufnehmen muss, der zur Lösung des Falles führen kann – denn die Geschehnisse sind verzwickter, als man glaubt.
Ebenso verzwickt sind die Gefühle, die man als Leser der Figur des Ishigami entgegen bringt. Man schwankt zwischen Sympathie, Mitleid und Abscheu – wahrlich ein ungewöhnlicher Held!
Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Verdächtige Geliebte", Klett-Cotta, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-608-93966-8
Donnerstag, 17. Februar 2011
„Mord am See“ von Keigo Higashino
„Mord am See“ von Keigo Higashino ist leider eine etwas fade Version von Hercule Poirot meets Japan: Der japanische Poirot nennt sich Shunsuke, dessen Sohn mit drei weiteren Sprösslingen wohlhabender Eltern in einem Ferienhaus für die Aufnahmeprüfung einer Privatschule fit gemacht werden soll. Während die Kinder in einem angemieteten Ferienhaus unterrichtet werden und schlafen, nächtigen alle vier Elternpaare im Haus des resoluten Fujima.
Als Shunsukes Geliebte Eriko unangemeldet vorstellig wird, nimmt das Unglück seinen Lauf: In Shunsukes Abwesenheit wird Eriko ermordet – offensichtlich von Shunsukes Ehefrau, die Eriko im Affekt und rasend vor Eifersucht erschlagen hat.
Statt die Polizei zu alarmieren, wird Shunsuke von Fujima überzeugt, die Leiche gemeinsam im nahegelegenen See zu versenken: Es sei mit Hinblick auf die Ehefrau, das gemeinsame Kind und die gesellschaftliche Stellung das Beste. Shunsuke plagen jedoch Zweifel an der ihm präsentierten Todesursache Erikos. Er sammelt Indiz um Indiz, um schließlich im Stile eines Hercule Poirots vor versammelter Mannschaft die wahren Geschehnisse aufzudecken. Und die sind dann für den Leser überraschender als erwartet.
Die Idee hinter „Mord am See“ ist durchaus toll durchdacht. Nur leider fehlt mir der Zugang zur Figur des Shunsuke. Als seine Geliebte Eriko verstirbt, fehlt die Wut, die Verzweiflung, die Trauer. Die Leiche wird effektiv entsorgt, Shunsuke funktioniert perfekt und wirkt sehr distanziert. Selbst die enorme Spannung, die unter den Erwachsenen in einer derartigen Situation herrschen müsste, wird kaum spürbar. Hätte der Autor noch etwas nachjustiert, wäre aus „Mord am See“ bestimmt ein spannendes Leseerlebnis geworden. So bleibt der Roman aber irgendwie stecken und kann nur bedingt begeistern.
Wer dennoch neugierig auf „Mord am See“ geworden ist, wird derzeit super bei Jokers fündig: Ein neues Hardcover-Exemplar ist für EUR 3,95 statt EUR 12,50 zu haben.
Als Shunsukes Geliebte Eriko unangemeldet vorstellig wird, nimmt das Unglück seinen Lauf: In Shunsukes Abwesenheit wird Eriko ermordet – offensichtlich von Shunsukes Ehefrau, die Eriko im Affekt und rasend vor Eifersucht erschlagen hat.
Statt die Polizei zu alarmieren, wird Shunsuke von Fujima überzeugt, die Leiche gemeinsam im nahegelegenen See zu versenken: Es sei mit Hinblick auf die Ehefrau, das gemeinsame Kind und die gesellschaftliche Stellung das Beste. Shunsuke plagen jedoch Zweifel an der ihm präsentierten Todesursache Erikos. Er sammelt Indiz um Indiz, um schließlich im Stile eines Hercule Poirots vor versammelter Mannschaft die wahren Geschehnisse aufzudecken. Und die sind dann für den Leser überraschender als erwartet.
Die Idee hinter „Mord am See“ ist durchaus toll durchdacht. Nur leider fehlt mir der Zugang zur Figur des Shunsuke. Als seine Geliebte Eriko verstirbt, fehlt die Wut, die Verzweiflung, die Trauer. Die Leiche wird effektiv entsorgt, Shunsuke funktioniert perfekt und wirkt sehr distanziert. Selbst die enorme Spannung, die unter den Erwachsenen in einer derartigen Situation herrschen müsste, wird kaum spürbar. Hätte der Autor noch etwas nachjustiert, wäre aus „Mord am See“ bestimmt ein spannendes Leseerlebnis geworden. So bleibt der Roman aber irgendwie stecken und kann nur bedingt begeistern.
Wer dennoch neugierig auf „Mord am See“ geworden ist, wird derzeit super bei Jokers fündig: Ein neues Hardcover-Exemplar ist für EUR 3,95 statt EUR 12,50 zu haben.
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Tod
Samstag, 29. Januar 2011
Keigo Higashino
Keigo Higashino wurde 1958 in Osaka geboren und zählt zu den in Japan erfolgreichsten Krimi-Autoren. In der Oberschule fing er Feuer für den Kriminalroman, als er Komine Haijme las. Nach dem Studium der Elektrotechnik begann er bei Denso zu arbeiten. Als er 1985 den 31. Edogawa-Rampo-Preis gewann, kündigte er, um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Der endgültige Durchbruch als Autor gelang ihm 1998 mit dem Roman „Himitsu“. Einige seiner Krimis wurden verfilmt.
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Ins Deutsche übersetzt und hier rezensiert:
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- Internet Movie Database: Keigo Higashinos Profil
- Youtube: Trailer zur Verfilmung von „Himitsu“ (leider nur auf Japanisch)
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