Auch Taichi Yamada gibt seinem Protagonisten in „Sommer mit Fremden“ denselben Beruf, den er selbst ausübt: Harada ist Drehbuchautor und hat gerade eine kostspielige Scheidung hinter sich. Sein Sohn ist 19 Jahre und ist wenig begeistert davon, Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Und dann gesteht ihm auch noch sein ehemaliger Auftraggeber Mamiya, dass er eine Beziehung mit seiner Ex-Frau eingehen und daher nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten möchte. Somit beginnt für Harada ein zunächst einsamer Sommer: Er lebt in seinem ehemaligen Büro in einem Gebäude an der Tokioter Stadtautobahn. Dort ist nur eine weitere Räumlichkeit als Wohnraum und nicht als Büro genutzt. In dieser Wohnung lebt die einsame Kei. Harada und Kei nähern sich nach einem Fehlstart an und beginnen eine Beziehung.
Harada streift in seiner Einsamkeit durch sein ehemaliges Heimatviertel. Seine Eltern starben bei einem Verkehrsunfall, als Harada gerade einmal 12 Jahre alt war. Daher ist seine Verwunderung groß, als er auf einen Mann trifft, der seinem Vater verblüffend ähnlich sieht. Als ihn dieser nach Hause einlädt, lernt Harada dessen Ehefrau kennen. Auch sie gleicht seiner Mutter bis aufs Haar. Das Ehepaar gibt sich so leutselig, dass Harada sich sofort wie zu Hause fühlt. Doch kann es sein, dass dieses Pärchen, das ihm wie Ende 30 erscheint und damit viel jünger ist als er selbst, tatsächlich seine Eltern sind? Ein erneuter Besuch im Viertel zeigt ihm, dass er nicht geträumt hat: Das Ehepaar gibt es tatsächlich…
Obwohl Harada durch diese metaphysische Erfahrung und seine gerade erst entflammte Beziehung zu Kei sehr eingespannt ist, schreibt er an einem neuen Drehbuch. Doch warum reagiert sein Auftraggeber so entsetzt auf sein Aussehen, während er selber doch keine Veränderung an sich feststellen kann?
„Sommer mit Fremden“ ist eine fast gar nicht gruselige Geistergeschichte, die spannend geschrieben und flüssig zu lesen ist. Leider ist der Schluss eher „drehbuchgerecht“: Hier hätte man vielleicht noch ein wenig mehr Augenmerk auf die Motive und sich wandelnden Gefühle der Personen legen können. Der Showdown geht so ein bisschen zu schnell über die Bühne.
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Donnerstag, 25. August 2011
Sonntag, 5. Juni 2011
„Lange habe ich nicht vom Fliegen geträumt“ von Taichi Yamada
Taichi Yamadas „Lange habe ich nicht vom Fliegen geträumt“ erzählt die fantastischen Geschehnisse von nur wenigen Monaten im Leben des Herrn Taura. Alles beginnt damit, dass der depressive Protagonist sich im Alter von 47 Jahren aus dem zweiten Stock eines Sushi-Restaurants stürzt, sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzieht und im Krankenhaus liegt. Dort hat er eine übersinnliche Vision: In der Nähe wird ein Zug entgleisen. Und tatsächlich: Der Zug verunglückt, die Krankenhauszimmer werden knapp und Herr Taura muss sich aus Platzmangel ein Zimmer mit Mutsuku teilen, die aber darauf besteht, mit einem Paravent abgeschirmt zu werden. In der Nacht haben Herr Taura und Mutsuko Verbalsex, während sie sich selbst befriedigen. Als Herr Taura am nächsten Morgen wieder in ein anderes Zimmer verlegt wird, kann er einen kurzen Blick auf Mutsuko erhaschen – und ist entsetzt: Die grauhaarige Mutsuko muss schon weiter über 60 Jahre alt sein. Die letzte Nacht ist ihm vor diesem Hintergrund sehr peinlich.
Kurz nach seiner Genesung wird Herr Taura zurück nach Tokio versetzt und tut seinen Dienst in der Abteilung, in die die psychisch labilen Mitarbeiter abgeschoben werden. Karriereambitionen kann er ab sofort vergessen.
Währenddessen ist seine Ehefrau vom Erfolg verwöhnt: Nachdem die gemeinsamen Kinder flügge geworden sind, macht sie sich mit einer eigenen Stadtteilzeitung selbstständig und kann sogar Angestellte beschäftigen. Herr Taura fühlt sich minderwertig und entfremdet sich zusehends von Sohn und Ehefrau.
Unversehens meldet sich Mutsuko bei ihm, um ein Wiedersehen zu arrangieren. Herr Taura ist von diesem Ansinnen so gar nicht begeistert: Ihm steckt die Peinlichkeit ihrer ersten Begegnung noch in den Knochen. Obwohl er ein Treffen ablehnt, läuft er Mutsuko auf dem Nachhauseweg von der Arbeit in die Arme. Sie scheint um mindestens 20 Jahre jünger als im Krankenhaus und spricht von einer Verjüngung. Herr Taura ist baff: Geht das mit rechten Dingen zu? Und warum kann er in Mutsukos Gegenwart wieder so gut französisch und englisch sprechen wie zu Studienzeiten; sich an vor langer Zeit gelesene Gedichte erinnern?
Übersinnliches geschieht in Taichi Yamadas „Lange habe ich nicht vom Fliegen geträumt“; das Ende bleibt offen. Die Figur des Herrn Taura in einer späten Midlifecrisis ist ein sympathischer Anti-Held. Doch seine Liebe zu Mutusko kann man als Leser nur bedingt nachvollziehen: Sind es nicht eher die Schönheit Mutuskos und der Wunsch, aus seinem faden Dasein auszubrechen, die ihn so an ihr faszinieren?
Kurz nach seiner Genesung wird Herr Taura zurück nach Tokio versetzt und tut seinen Dienst in der Abteilung, in die die psychisch labilen Mitarbeiter abgeschoben werden. Karriereambitionen kann er ab sofort vergessen.
Währenddessen ist seine Ehefrau vom Erfolg verwöhnt: Nachdem die gemeinsamen Kinder flügge geworden sind, macht sie sich mit einer eigenen Stadtteilzeitung selbstständig und kann sogar Angestellte beschäftigen. Herr Taura fühlt sich minderwertig und entfremdet sich zusehends von Sohn und Ehefrau.
Unversehens meldet sich Mutsuko bei ihm, um ein Wiedersehen zu arrangieren. Herr Taura ist von diesem Ansinnen so gar nicht begeistert: Ihm steckt die Peinlichkeit ihrer ersten Begegnung noch in den Knochen. Obwohl er ein Treffen ablehnt, läuft er Mutsuko auf dem Nachhauseweg von der Arbeit in die Arme. Sie scheint um mindestens 20 Jahre jünger als im Krankenhaus und spricht von einer Verjüngung. Herr Taura ist baff: Geht das mit rechten Dingen zu? Und warum kann er in Mutsukos Gegenwart wieder so gut französisch und englisch sprechen wie zu Studienzeiten; sich an vor langer Zeit gelesene Gedichte erinnern?
Übersinnliches geschieht in Taichi Yamadas „Lange habe ich nicht vom Fliegen geträumt“; das Ende bleibt offen. Die Figur des Herrn Taura in einer späten Midlifecrisis ist ein sympathischer Anti-Held. Doch seine Liebe zu Mutusko kann man als Leser nur bedingt nachvollziehen: Sind es nicht eher die Schönheit Mutuskos und der Wunsch, aus seinem faden Dasein auszubrechen, die ihn so an ihr faszinieren?
Mittwoch, 30. März 2011
„Auf der Suche nach einer fernen Stimme“ von Taichi Yamada
Taichi Yamadas Roman „Auf der Suche nach einer fernen Stimme“ zieht einen sofort in den Bann: Bei einer Razzia, bei der Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis festgenommen werden sollen, entflieht einer der Illegalen. Tsuneo Kasama, Beamter der Ausländerbehörde, verfolgt den Flüchtigen auf einen Friedhof. Er stellt den Ausreißer, doch wie eine Woge überrollt ihn eine unkontrollierbare sexuelle Erregung, die ihm den Verstand raubt. Wie paralysiert muss er zusehen, wie der Illegale flieht. Als Tsuneo auch noch eine für andere nicht vernehmbare weibliche Stimme hört, glaubt er endgültig daran, von dem Ausländer verhext worden zu sein. Tsuneo lässt sich dennoch auf ein Gespräch mit der Stimme ein, die in ihm eine ähnlich einsame Seele entdeckt. Denn Tsuneo plagen die Geister der Vergangenheit, die er am liebsten auf ewig verbannen würde. Seit seiner Zeit in den USA verschließt er sich, entschließt sich zu einer wenig verheißungsvollen Laufbahn bei der Ausländerbehörde und bleibt einer Beziehung mit einer Frau fern. Als sein Vorgesetzter ihm eine junge Frau heiratsvermittelt, ist Tsuneo sich sicher: Eine Vernunftehe ist besser als eine Liebesheirat – bis die weibliche Stimme ihre Macht auf ihn ausübt. Tsuneo beginnt, sich der Stimme zu öffnen und erzählt ihr sein allzeit gehütetes Geheimnis über seine Zeit in den Vereinigten Staaten.
Bis zu diesem Punkt ist der Roman von Taichi Yamada mitreißend. Doch ab der Rückblende beginnt die Handlung etwas fade zu werden. Die Motivationen des Protagonisten waren mir unplausibel. Und leider verpatzt der Autor meiner Meinung auch noch das Ende, dass man sich fragen muss: Und was hatte dies nun alles für einen Sinn? Für Tsuneo? Für die weibliche Stimme? Warum spielt Schönheit eine derartig wichtige Rolle bei zwei Liebenden, die sich ohnehin noch nie gesehen haben?
Bis zu diesem Punkt ist der Roman von Taichi Yamada mitreißend. Doch ab der Rückblende beginnt die Handlung etwas fade zu werden. Die Motivationen des Protagonisten waren mir unplausibel. Und leider verpatzt der Autor meiner Meinung auch noch das Ende, dass man sich fragen muss: Und was hatte dies nun alles für einen Sinn? Für Tsuneo? Für die weibliche Stimme? Warum spielt Schönheit eine derartig wichtige Rolle bei zwei Liebenden, die sich ohnehin noch nie gesehen haben?
Freitag, 14. Januar 2011
Taichi Yamada
Taichi Yamada (geboren 1934 in Tokio, bürgerlicher Name: Taichi Ishizaka) begann seine Karriere als Drehbuchautor. Zu seinem ersten Roman, der 1972 erschien, schrieb er parallel ein Drehbuch.
“Sommer mit Freunden” erschien beim Goldmann Verlag; die letzten beiden Veröffentlichungen wurden von Random House publiziert. Seine Bücher haben einen starken Fantasy-Charakter und sind unter anderem von der japanischen Geisterwelt beeinflusst.
Interessante Links:
Ins Deutsche übersetzte Romane und hier rezensiert:
“Sommer mit Freunden” erschien beim Goldmann Verlag; die letzten beiden Veröffentlichungen wurden von Random House publiziert. Seine Bücher haben einen starken Fantasy-Charakter und sind unter anderem von der japanischen Geisterwelt beeinflusst.
Interessante Links:
- Taichi Yamadas offizielle Homepage
- Random House: Autorenporträt Taichi Yamada
- Internet Movie Database: Taichi Yamadas Profil
Ins Deutsche übersetzte Romane und hier rezensiert:
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