Osamu Dazais "Alte Freunde" ist sicherlich eher ein Buch für Liebhaber. Für den doch stolzen Preis von 18 Euro erhält der Leser 25 Seiten Prosatext, sieben Seiten mit Illustrationen und fünfeinhalb Seiten Nachwort. Die Illustrationen von Susanne Theumer sind freilich Geschmackssache, dafür ist der Text ein Träumchen – bestimmt nicht nur für Osamu-Dazai Fans.
Der Protagonist und Ich-Erzähler scheint identisch mit dem Autor selbst zu sein. Im September 1946 lebt der Ich-Erzähler Shuji als Ausgebombter in seiner alten Heimat. Da bekommt er Besuch von einem "alten Freund" namens Hirata, der sich als Ausgeburt der Dreistigkeit herausstellen wird. Nicht nur, dass sich der Bauer Hirata nur als ehemaliger Mitschüler ausgibt, um an den von Shuji gebunkerten, raren Alkohol ran zu kommen. Er bedient sich immer weiteren Kniffs, um nachgeschenkt zu bekommen.
Obwohl Shuji sich des Betrugs sehr wohl bewusst ist, muss er sich in Langmut fügen. Nicht auszudenken, wenn der besoffene Kerl aggressiv werden sollte und die Wohnung demoliert, die Shuji und seine Familie als Ausgebombte nur gestellt bekommen haben. Shuji muss sich eingestehen, dass es Hirata zu faustdick hinter den Ohren hat, um es mit ihm aufzunehmen.
Die ganze Situation wirkt auf den ersten Blick so unangenehm, dass man sich als Leser fragen könnte, warum man so etwas denn lesen soll. Doch das erzählerische Talent von Osamu Dazai macht selbst daraus noch Gold: Humorvoll und sich selbst nicht zu ernst nehmend schwadroniert der Autor über das Geschehnis, das "in ganz sonderbarer Weise unerträglich" (S. 7) war, und über seine Vergangenheit als Säufer und Weiberheld in Tokio.
Ich hoffe für die Erzählung, dass der Cass Verlag sie vielleicht eines Tages als kostengünstigeres Ebook herausgeben wird. Wäre doch zu schade, wenn sie den Liebhabern vorbehalten bleiben würde!
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: "Alte Freunde" von Osamu Dazai (Übersetzung aus dem Japanischen: Stalph, Jürgen), Cass Verlag, Löhne 2017, ISBN 978-3-944751-14-6
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Dienstag, 5. März 2019
Donnerstag, 24. April 2014
„Das große Japan Lesebuch“ herausgegeben von Siegfried Schaarschmidt
Siegfried Schaarschmidts „Das große Japan Lesebuch“ kann man jedem Einsteiger in die japanische Literatur mit bestem Gewissen empfehlen. Der Band aus den 90ern enthält freilich keine Werke von Autoren wie Haruki Murakami oder Banana Yoshimoto. Dafür werden aber einzelne Erzählungen von den Literaturnobelpreisträgern Kenzaburo Oe und Yasunari Kawabata vorgestellt. Darüber hinaus dürfen natürlich Größen wie Ryunosuke Akutagawa, Junichirio Tanizaki, Yasushi Inoue, Kobo Abe, Osamu Dazai und Yukio Mishima nicht fehlen.
„Das große Japan Lesebuch“ startet mit Junichiro Tanizakis vielleicht bekanntester Erzählung, nämlich mit „Die Tätowierung“: Im mittelalterlichen Japan machen Tätowierer als Künstler von sich reden. Ein besonders exzentrischer ist Seikichi. Sadistisch verlangt erfreut er sich an den Schmerzen, mit denen er beim Tätowieren seine Kunden quält. Seikichi ist ein Getriebener: Er ist auf der Suche nach dem perfekten Frauenkörper, den er mit seinen Tätowierungen zieren möchte. Eines Tages erblickt er diese wunderbare Frau, verliert sie jedoch wieder aus den Augen. Ob er dennoch an sein Ziel gelangt?
„Der Chrysanthemenball“ ist die Festivität, die die Protagonistin von Ryunosuke Akutagawas Erzählung besucht. Akiko besucht in Begleitung ihres Vaters zum ersten Mal einen Ball im europäischen Stil. Die Schönheit blendet die Besucher und fasziniert insbesondere einen französischen Militär der besonderen Art.
Naoya Shigas „Kuniko“ war der Auslöser für Shigas Ehefrau, nie wieder eines der Werke ihres Mannes zu lesen. Denn nachdem Naoya Shiga fremd gegangen war, verarbeitete er diese Erfahrung in der Erzählung „Kuniko“. Die Figur der Kuniko ist die Ehefrau eines untreuen Ehemanns. Sie begeht – ganz im Gegensatz zu Naoya Shigas Ehefrau – Selbstmord, da sie mit der Situation nicht zurecht kommt. Der Ich-Erzähler beschreibt Kunikos Weg in den Tod aus Sicht des treulosen Gatten.
Auch Ineko Sata legte ihre eigenen Erfahrungen in die Erzählung „Aus der Bonbonfabrik“: Die Autorin, die selbst schon früh in einer Bonbonfabrik arbeiten musste, zeigt anhand des Schicksals der Schülerin und alsbald Arbeiterin Hiroko die ausbeuterischen Züge der Kinderarbeit auf.
„Der Salamander“ ist der Protagonist in Masuji Ibuses Werk aus dem Jahr 1923: Wie mag vor diesem zeitlichen Hintergrund ein faschistisch anmutender Salamander zu deuten sein, der durch seinen plötzlichen Körperwuchs nicht mehr aus einer Höhle herauskommt und einen Frosch als seinen zwangsrekrutierten Gesellschafter dort mit einsperrt?
„Von Vögeln und Tieren“ erzählt Yasunari Kawabatas Protagonist. Die 1933 publizierte Erzählung enthält sich jeglicher politischer Botschaft. Stattdessen wird das Leben eines alleinstehenden Mannes geschildert, der zu Tieren einen bessern Zugang hat als zu den ihn umgebenden Menschen.
„Von Frauen“ wird dagegen in Osamu Dazais Erzählung gesprochen. 1936 sitzt der Ich-Erzähler am Tage einer Offiziersrevolte zusammen. In Unkenntnis des versuchten Umsturzes ergehen sich die beiden in Phantasien um Frauengestalten. Doch was wird hier imaginiert und was entstammt dem eigenen Erfahrungsschatz?
„Geliebtes Gesicht“ von Kafu Nagai entführt in das Tokio der 30er Jahre. Da ist ein Taxifahrer, der in einer heißen Sommernacht von der Liebe seines Lebens berichtet. Und von einer Revue-Tänzerin, die der verstorbenen Ehefrau fast bis aufs Haar gleicht.
Ein besonders bekanntes Werk von Ango Sakaguchi ist mit „Unter der vollen Blüte im Kirschbaumwald“ in „Das große Japan Lesebuch“ enthalten. In der Groteske aus dem Jahr 1947 werden Machtverhältnisse umgedreht: Ein Bergbandit entführt eine bildhübsche Frau, nachdem er ihren Begleiter kaltblütig ermordet hat. Doch die Dame weiß ihn, der ihr hemmungslos verfallen ist, perfekt zu manipulieren. Der Bandit tanzt bald nach ihrer Pfeife. Freilich wird es der Schönen in den Bergen bald zu fade – in die Hauptstadt soll er mit ihr ziehen. Dort wird er als Tölpel verspottet, doch des Nächtens zieht er aus, um auf Befehl seiner Gebieterin, Menschen zu enthaupten und ihr die Köpfe darzubringen. Nichts findet die Dame erquickender, als mit den verwesenden Schädeln zu spielen und allerlei Rollenspielchen aufzuführen. Doch der Bandit hält es alsbald nicht mehr in der Stadt aus; es zieht in zurück in die Berge. Ausgerechnet das Symbol des Japanischsten schlechthin, nämlich die Kirschblüte, soll zum Verhängnis werden.
Zwei kurze Erzählungen von Kobo Abe hat Siegfried Schaarschmidt mit „Der rote Kokon“ und „Hochwasser“ in den Band aufgenommen. In „Der rote Kokon“ wird Heimatlosigkeit und Verlorensein thematisiert. Die Erzählung nimmt eine kafkaeske Wendung. Dagegen wirkt „Hochwasser“ eher wie ein Science Fiction: Vornehmlich Arbeiter verwandeln sich in Wasser – droht eine Sintflut?
Shotaro Yasuokas „Das Kaninchensyndrom“ ist in den Nachkriegsjahren angesiedelt. Der Ich-Erzähler kuriert sich im Haus seiner Eltern aus. Der Vater, ein ehemaliger Militär, ist nun arbeitslos und ist auf der Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten. Da setzt ihm jemand den Floh ins Ohr, er solle sich doch Kaninchen halten – die Angorawolle würde sich bestens verkaufen lassen. Und so nehmen die Kaninchen bald das Wohnhaus in Beschlag – und auch die Bewohner gleichen den Kaninchen immer mehr.
Morio Kitas kindliche Protagonistin betrachtet „Geflügelte Ameisen am Hang“. Das Mädchen hat ihre Mutter begleitet; zusammen sitzen sie mit einem ihr fremden Mann in einem ihr fremden Garten. Schritt für Schritt entspannt sich für den Leser in Dialogen zwischen der Mutter und dem Mann das Beziehungsgeflecht zwischen den Personen.
Mit „Der Fang“ von Kenzaburo Oe ist im vorliegenden Erzählband ein weiteres sehr bekanntes Werk der japanischen Literatur enthalten: Amerikanische Flugzeuge beginnen während des zweiten Weltkriegs in den japanischen Luftraum einzudringen. Als eines davon in der Nähe eines Dorfes abstürzt, kann ein afroamerikanischer Soldat lebend gefangen werden. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Jungen erzählt, für den „Der Fang“ eine Sensation darstellt. Der Soldat wird erst einmal provisorisch im Keller des Speichers eingesperrt, in dem der Junge mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder haust. Bald soll er ihm sogar mit schlotternden Knien das Essen bringen. Noch haben alle Dorfbewohner Angst vor dem Soldaten, doch nach kurzer Zeit wird er eher wie ein Haustier empfunden. Wenn die Behörden ihn doch nur nicht in die Finger bekommen wollten… In Kenzaburo Oes wird nicht nur die Geschichte einer Annäherung während eines drückenden Sommers erzählt, sondern auch die Entwicklung eines Kindes hin zum Erwachsenen dargestellt.
Auf „Die Brückenprobe“ begeben sich einige Damen in Yukio Mishimas Erzählung. Denn bei Vollmond gilt es, sieben Brücken schweigend zu überqueren, damit ein besonderer Wunsch in Erfüllung geht. Zwei Geishas, eine Wirtstochter und deren Dienstmagd stellen sich der Herausforderung, die sich als nicht allzu einfach gestaltet. Dabei mag der Leser mehr von den „geheimen“ Wünschen der Frauen erfahren.
Harumi Setouchi erzählt in „Einmal hat Makiko gestohlen“ von einer jungen Frau, die ihren Ehemann und ihr Kind wegen einer Affäre aufgibt. Damit nimmt sie ein Thema auf, das stark autobiografisch geprägt ist. Makiko selbst scheint recht unbedarft und nimmt die Dinge wie sie kommen. Ihr Mann setzt sie ohne Hab und Gut vor die Tür; ihr neuer Geliebter will alsbald nichts mehr von ihr wissen. So schlägt sie sich mehr schlecht als recht durch. Wenn nicht ein Bekannter ihr den Floh ins Ohr setzen würde, sie solle sich doch zumindest ihre Lebensmittelkarte und ihre Kleidung zurückholen.
„Das Duell“ von Takeshi Kaiko handelt von einem Tagesausflug eines älteren und eines jüngeren Mannes. Sie wollen dem Kampf eines Mungos gegen eine Habu-Schlange beiwohnen. Dabei werden parallelen zum Schwertkampf des Ganryu gezogen.
Kenji Nakagami schickt seinen Protagonisten in „Der Bergasket“ ins Gebirge. Er ist ein eher grobschlächtiger Kerl mit cholerischen Anwandlungen. Um seine Ehe zu retten, begibt er sich wie ein Pilger ist Gebirge und macht dort metaphysische Erfahrungen, die wie ein Fieberwahn wirken. Erlebt er hier eine Katharsis?
In Makoto Odas „Der Kommandeur“ erinnert sich der Ich-Erzähler, dass er als Kind einmal eine scharfe, vorwurfsvolle Stimme gehört haben mag, die seinem Vater Fehlverhalten im Krieg vorgeworfen hat. Auf der Beerdigung seines Vaters macht er die Entdeckung, dass dies die Stimme von Namba war, der als „General des Teufels“ bezeichnet wurde. So sehr Namba während des Kriegs für militärischen Drill sorgte, so sehr versagt er aber bei der Erziehung seines Sohnes, der in Opposition zur Gesellschaft geht.
Mitsuharu Inoue begleitet in „Die Nacht davor“ eine werdende Mutter durch eine Geburt – einen Tag vor dem Atombombenabwurf über Nagasaki. Während der Leser bereits das Unheil ahnt, was über die Menschen von Nagasaki bald hereinbrechen wird, sind diese noch ganz im Alltag verhaftet. Obwohl in „Die Nacht davor“ nicht sonderlich viel geschieht, wirkt die Erzählung wie ein Schauer – denn die handelnden Charaktere werden nicht mehr allzu lange zu leben haben, bis eine atomare Katastrophe sie verschlingt.
„Ein Brief aus der Wüste“ wird von Yasushi Inoues Protagonisten geschrieben. Er hat sich auf eine Reise durch die Wüste Takla Makan begeben. Als ein Soldat ihm anbietet, seine Briefe mitzunehmen, geht er in sich und fragt sich, wem er bloß einen Brief schreiben solle. Da fällt ihm nur sein verstorbener Jugendfreund ein. Er beginnt mit dem Schreiben eines Briefs an einen Verstorbenen und reflektiert dabei den Einfluss, den dieser auf ihn hatte.
Einige der Erzählungen in „Das große Japan Lesebuch“ finden sich auf in Siegfried Schaarschmidts Band „Ein Brief aus der Wüste“, der im Ostasien-Verlag herauskam. „Das große Japan Lesebuch“ bietet jedoch mehr Erzählungen und damit einen weit besseren Einblick in die Vielfalt der japanischen Literatur.
Bibliographische Angaben:
Schaarschmidt, Siegfried (Hrsg.): „Das große Japan Lesebuch“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Benl, Oscar/Iwabuchi, Tatsuji/Schaarschmidt, Siegfried/Schmidt, Elisabeth), Goldmann, München 1990, ISBN 3-442-09886-6
„Das große Japan Lesebuch“ startet mit Junichiro Tanizakis vielleicht bekanntester Erzählung, nämlich mit „Die Tätowierung“: Im mittelalterlichen Japan machen Tätowierer als Künstler von sich reden. Ein besonders exzentrischer ist Seikichi. Sadistisch verlangt erfreut er sich an den Schmerzen, mit denen er beim Tätowieren seine Kunden quält. Seikichi ist ein Getriebener: Er ist auf der Suche nach dem perfekten Frauenkörper, den er mit seinen Tätowierungen zieren möchte. Eines Tages erblickt er diese wunderbare Frau, verliert sie jedoch wieder aus den Augen. Ob er dennoch an sein Ziel gelangt?
„Der Chrysanthemenball“ ist die Festivität, die die Protagonistin von Ryunosuke Akutagawas Erzählung besucht. Akiko besucht in Begleitung ihres Vaters zum ersten Mal einen Ball im europäischen Stil. Die Schönheit blendet die Besucher und fasziniert insbesondere einen französischen Militär der besonderen Art.
Naoya Shigas „Kuniko“ war der Auslöser für Shigas Ehefrau, nie wieder eines der Werke ihres Mannes zu lesen. Denn nachdem Naoya Shiga fremd gegangen war, verarbeitete er diese Erfahrung in der Erzählung „Kuniko“. Die Figur der Kuniko ist die Ehefrau eines untreuen Ehemanns. Sie begeht – ganz im Gegensatz zu Naoya Shigas Ehefrau – Selbstmord, da sie mit der Situation nicht zurecht kommt. Der Ich-Erzähler beschreibt Kunikos Weg in den Tod aus Sicht des treulosen Gatten.
Auch Ineko Sata legte ihre eigenen Erfahrungen in die Erzählung „Aus der Bonbonfabrik“: Die Autorin, die selbst schon früh in einer Bonbonfabrik arbeiten musste, zeigt anhand des Schicksals der Schülerin und alsbald Arbeiterin Hiroko die ausbeuterischen Züge der Kinderarbeit auf.
„Der Salamander“ ist der Protagonist in Masuji Ibuses Werk aus dem Jahr 1923: Wie mag vor diesem zeitlichen Hintergrund ein faschistisch anmutender Salamander zu deuten sein, der durch seinen plötzlichen Körperwuchs nicht mehr aus einer Höhle herauskommt und einen Frosch als seinen zwangsrekrutierten Gesellschafter dort mit einsperrt?
„Von Vögeln und Tieren“ erzählt Yasunari Kawabatas Protagonist. Die 1933 publizierte Erzählung enthält sich jeglicher politischer Botschaft. Stattdessen wird das Leben eines alleinstehenden Mannes geschildert, der zu Tieren einen bessern Zugang hat als zu den ihn umgebenden Menschen.
„Von Frauen“ wird dagegen in Osamu Dazais Erzählung gesprochen. 1936 sitzt der Ich-Erzähler am Tage einer Offiziersrevolte zusammen. In Unkenntnis des versuchten Umsturzes ergehen sich die beiden in Phantasien um Frauengestalten. Doch was wird hier imaginiert und was entstammt dem eigenen Erfahrungsschatz?
„Geliebtes Gesicht“ von Kafu Nagai entführt in das Tokio der 30er Jahre. Da ist ein Taxifahrer, der in einer heißen Sommernacht von der Liebe seines Lebens berichtet. Und von einer Revue-Tänzerin, die der verstorbenen Ehefrau fast bis aufs Haar gleicht.
Ein besonders bekanntes Werk von Ango Sakaguchi ist mit „Unter der vollen Blüte im Kirschbaumwald“ in „Das große Japan Lesebuch“ enthalten. In der Groteske aus dem Jahr 1947 werden Machtverhältnisse umgedreht: Ein Bergbandit entführt eine bildhübsche Frau, nachdem er ihren Begleiter kaltblütig ermordet hat. Doch die Dame weiß ihn, der ihr hemmungslos verfallen ist, perfekt zu manipulieren. Der Bandit tanzt bald nach ihrer Pfeife. Freilich wird es der Schönen in den Bergen bald zu fade – in die Hauptstadt soll er mit ihr ziehen. Dort wird er als Tölpel verspottet, doch des Nächtens zieht er aus, um auf Befehl seiner Gebieterin, Menschen zu enthaupten und ihr die Köpfe darzubringen. Nichts findet die Dame erquickender, als mit den verwesenden Schädeln zu spielen und allerlei Rollenspielchen aufzuführen. Doch der Bandit hält es alsbald nicht mehr in der Stadt aus; es zieht in zurück in die Berge. Ausgerechnet das Symbol des Japanischsten schlechthin, nämlich die Kirschblüte, soll zum Verhängnis werden.
Zwei kurze Erzählungen von Kobo Abe hat Siegfried Schaarschmidt mit „Der rote Kokon“ und „Hochwasser“ in den Band aufgenommen. In „Der rote Kokon“ wird Heimatlosigkeit und Verlorensein thematisiert. Die Erzählung nimmt eine kafkaeske Wendung. Dagegen wirkt „Hochwasser“ eher wie ein Science Fiction: Vornehmlich Arbeiter verwandeln sich in Wasser – droht eine Sintflut?
Shotaro Yasuokas „Das Kaninchensyndrom“ ist in den Nachkriegsjahren angesiedelt. Der Ich-Erzähler kuriert sich im Haus seiner Eltern aus. Der Vater, ein ehemaliger Militär, ist nun arbeitslos und ist auf der Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten. Da setzt ihm jemand den Floh ins Ohr, er solle sich doch Kaninchen halten – die Angorawolle würde sich bestens verkaufen lassen. Und so nehmen die Kaninchen bald das Wohnhaus in Beschlag – und auch die Bewohner gleichen den Kaninchen immer mehr.
Morio Kitas kindliche Protagonistin betrachtet „Geflügelte Ameisen am Hang“. Das Mädchen hat ihre Mutter begleitet; zusammen sitzen sie mit einem ihr fremden Mann in einem ihr fremden Garten. Schritt für Schritt entspannt sich für den Leser in Dialogen zwischen der Mutter und dem Mann das Beziehungsgeflecht zwischen den Personen.
Mit „Der Fang“ von Kenzaburo Oe ist im vorliegenden Erzählband ein weiteres sehr bekanntes Werk der japanischen Literatur enthalten: Amerikanische Flugzeuge beginnen während des zweiten Weltkriegs in den japanischen Luftraum einzudringen. Als eines davon in der Nähe eines Dorfes abstürzt, kann ein afroamerikanischer Soldat lebend gefangen werden. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Jungen erzählt, für den „Der Fang“ eine Sensation darstellt. Der Soldat wird erst einmal provisorisch im Keller des Speichers eingesperrt, in dem der Junge mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder haust. Bald soll er ihm sogar mit schlotternden Knien das Essen bringen. Noch haben alle Dorfbewohner Angst vor dem Soldaten, doch nach kurzer Zeit wird er eher wie ein Haustier empfunden. Wenn die Behörden ihn doch nur nicht in die Finger bekommen wollten… In Kenzaburo Oes wird nicht nur die Geschichte einer Annäherung während eines drückenden Sommers erzählt, sondern auch die Entwicklung eines Kindes hin zum Erwachsenen dargestellt.
Auf „Die Brückenprobe“ begeben sich einige Damen in Yukio Mishimas Erzählung. Denn bei Vollmond gilt es, sieben Brücken schweigend zu überqueren, damit ein besonderer Wunsch in Erfüllung geht. Zwei Geishas, eine Wirtstochter und deren Dienstmagd stellen sich der Herausforderung, die sich als nicht allzu einfach gestaltet. Dabei mag der Leser mehr von den „geheimen“ Wünschen der Frauen erfahren.
Harumi Setouchi erzählt in „Einmal hat Makiko gestohlen“ von einer jungen Frau, die ihren Ehemann und ihr Kind wegen einer Affäre aufgibt. Damit nimmt sie ein Thema auf, das stark autobiografisch geprägt ist. Makiko selbst scheint recht unbedarft und nimmt die Dinge wie sie kommen. Ihr Mann setzt sie ohne Hab und Gut vor die Tür; ihr neuer Geliebter will alsbald nichts mehr von ihr wissen. So schlägt sie sich mehr schlecht als recht durch. Wenn nicht ein Bekannter ihr den Floh ins Ohr setzen würde, sie solle sich doch zumindest ihre Lebensmittelkarte und ihre Kleidung zurückholen.
„Das Duell“ von Takeshi Kaiko handelt von einem Tagesausflug eines älteren und eines jüngeren Mannes. Sie wollen dem Kampf eines Mungos gegen eine Habu-Schlange beiwohnen. Dabei werden parallelen zum Schwertkampf des Ganryu gezogen.
Kenji Nakagami schickt seinen Protagonisten in „Der Bergasket“ ins Gebirge. Er ist ein eher grobschlächtiger Kerl mit cholerischen Anwandlungen. Um seine Ehe zu retten, begibt er sich wie ein Pilger ist Gebirge und macht dort metaphysische Erfahrungen, die wie ein Fieberwahn wirken. Erlebt er hier eine Katharsis?
In Makoto Odas „Der Kommandeur“ erinnert sich der Ich-Erzähler, dass er als Kind einmal eine scharfe, vorwurfsvolle Stimme gehört haben mag, die seinem Vater Fehlverhalten im Krieg vorgeworfen hat. Auf der Beerdigung seines Vaters macht er die Entdeckung, dass dies die Stimme von Namba war, der als „General des Teufels“ bezeichnet wurde. So sehr Namba während des Kriegs für militärischen Drill sorgte, so sehr versagt er aber bei der Erziehung seines Sohnes, der in Opposition zur Gesellschaft geht.
Mitsuharu Inoue begleitet in „Die Nacht davor“ eine werdende Mutter durch eine Geburt – einen Tag vor dem Atombombenabwurf über Nagasaki. Während der Leser bereits das Unheil ahnt, was über die Menschen von Nagasaki bald hereinbrechen wird, sind diese noch ganz im Alltag verhaftet. Obwohl in „Die Nacht davor“ nicht sonderlich viel geschieht, wirkt die Erzählung wie ein Schauer – denn die handelnden Charaktere werden nicht mehr allzu lange zu leben haben, bis eine atomare Katastrophe sie verschlingt.
„Ein Brief aus der Wüste“ wird von Yasushi Inoues Protagonisten geschrieben. Er hat sich auf eine Reise durch die Wüste Takla Makan begeben. Als ein Soldat ihm anbietet, seine Briefe mitzunehmen, geht er in sich und fragt sich, wem er bloß einen Brief schreiben solle. Da fällt ihm nur sein verstorbener Jugendfreund ein. Er beginnt mit dem Schreiben eines Briefs an einen Verstorbenen und reflektiert dabei den Einfluss, den dieser auf ihn hatte.
Einige der Erzählungen in „Das große Japan Lesebuch“ finden sich auf in Siegfried Schaarschmidts Band „Ein Brief aus der Wüste“, der im Ostasien-Verlag herauskam. „Das große Japan Lesebuch“ bietet jedoch mehr Erzählungen und damit einen weit besseren Einblick in die Vielfalt der japanischen Literatur.
Bibliographische Angaben:
Schaarschmidt, Siegfried (Hrsg.): „Das große Japan Lesebuch“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Benl, Oscar/Iwabuchi, Tatsuji/Schaarschmidt, Siegfried/Schmidt, Elisabeth), Goldmann, München 1990, ISBN 3-442-09886-6
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Osamu Dazai,
Rezensionen,
Ryunosuke Akutagawa,
Takeshi Kaiko,
Yasushi Inoue,
Yukio Mishima
Montag, 24. September 2012
„Die Teufel des Tsurugi-Bergs“ von Osamu Dazai
In Osamu Dazais Vorwort von „Die Teufel des Tsurugi-Bergs“ zeichnet der Autor zweifellos ein Bild seiner selbst: Er kauert zusammen mit seiner Familie während eines Bombenangriffs im Luftschutzgraben und versucht, seine Tochter mit dem Vorlesen aus einem Märchen-Bilderbuch ruhig zu stellen. Doch in ihm gärt es, die Geschichten würde er gerne auf seine eigene Art erzählen. Und das tut Osamu Dazai dann auch in „Die Teufel des Tsurugi-Bergs“.
Er beginnt mit „Der Mann mit der Beule“: Ein alter Mann, dem Sake ziemlich zugetan, lebt mit seiner grantigen Ehefrau und seinem besonders tugendhaften Sohn recht spaßbefreit dahin. Seit einigen Jahren hat er eine Beule im Gesicht, die er ganz gerne als sein Enkelkind bezeichnet. Von seinem Streber-Sohn hat er ja schließlich kaum Nachwuchs zu erwarten. Als der Alte eines Abends angeheitert nach dem Reisigsammeln auf dem Tsurugi-Berg einschläft, wird er von den gutmütigen, tanzenden Teufeln geweckt. Immer noch angesäuselt hat der Alte seinen Spaß dabei, sich zu den tanzenden Teufeln zu gesellen. Die finden den Alten so goldig, dass sie ihn zwingen möchten, in der nächsten Nacht erneut zum Tanz zu kommen – und behalten die Beule als Pfand. Zurück in seinem Heimatdorf erregt der plötzliche Verlust des Furunkels einiges Aufsehen. Auch ein anderer von Beulen geplagter Einwohner möchte nun seine Heilung bei den Teufeln des Tsurugi-Bergs suchen...
„Urashima Taro“ ist das bekannte Märchen über den jungen Mann, der von einer Schildkröte, der er das Leben gerettet hat, zum Dank in den Drachenpalast im Meer geführt wird. Doch die Zeit vergeht Oberirdisch leider etwas anders als unter Wasser. Soweit die Handlung – interessanter sind jedoch Osamu Dazais Dialoge zwischen dem doch recht eingebildeten Jüngling und der Schildkröte, die ihn immer wieder in seine Schranken weist. Denn im Drachenpalast ist er doch nur ein lumpiger Provinzler.
In „Der Kachikachi-Berg“ geht’s recht fies zur Sache. Ein Häschen will Rache an einem Tanuki üben – hat der doch eine befreundete Frau umgebracht. Da der dumpfbackige Tanuki über alle Ohren in das Häschen verschossen ist, spielt das dem listigen Häschen in die Hände. Der Ärmste wird auf seinem Weg in den Abgrund ganz schön leiden müssen.
„Der Sperling mit der abgeschnittenen Zunge“ handelt von einem phlegmatischen Alten und seiner missmutigen Ehefrau. Als der Alte einen verletzten Sperling im Wald aufliest, hat er einen neuen, kleinen Freund gefunden, den er wieder aufpäppelt. Aus Eifersucht reißt die Ehefrau dem Vögelchen die Zunge heraus; der Sperling flattert auf und davon. Doch der Alte wird seinen Freund wieder sehen – ebenso die eifersüchtige Ehefrau.
Osamu Dazais Märchen leben vor allem von den lebhaften Dialogen der Protagonisten und den bildlichen, überspitzten Charakterisierungen. Deswegen musste auch das Märchen von „Momotaro“ unangetastet bleiben – musste dieser Held doch während der Kriegszeit als Propagandavorbild herhalten und durfte keinesfalls in Misskredit geführt werden. Doch auch Osamu Dazais umgesetzte Neuinterpretationen der Märchen sind eng mit dem Krieg verknüpft:
Dem Werk nachgestellt sind die Originalmärchen. Liest man diese zum Vergleich, zeigt sich erst recht das literarische Genie des Osamu Dazai. Er entstaubt die Märchen, fügt enormen Sprachwitz und seine eigenen Interpretationen der Moral hinzu. Wer möchte da nicht zusammen mit dem beschwipsten Alten ein kleines Tänzchen mit den Teufeln des Tsurugi-Berges wagen?
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Die Teufel des Tsurugi-Bergs“, be.bra, Berlin 2012, ISBN 978-3-86124-915-3
Er beginnt mit „Der Mann mit der Beule“: Ein alter Mann, dem Sake ziemlich zugetan, lebt mit seiner grantigen Ehefrau und seinem besonders tugendhaften Sohn recht spaßbefreit dahin. Seit einigen Jahren hat er eine Beule im Gesicht, die er ganz gerne als sein Enkelkind bezeichnet. Von seinem Streber-Sohn hat er ja schließlich kaum Nachwuchs zu erwarten. Als der Alte eines Abends angeheitert nach dem Reisigsammeln auf dem Tsurugi-Berg einschläft, wird er von den gutmütigen, tanzenden Teufeln geweckt. Immer noch angesäuselt hat der Alte seinen Spaß dabei, sich zu den tanzenden Teufeln zu gesellen. Die finden den Alten so goldig, dass sie ihn zwingen möchten, in der nächsten Nacht erneut zum Tanz zu kommen – und behalten die Beule als Pfand. Zurück in seinem Heimatdorf erregt der plötzliche Verlust des Furunkels einiges Aufsehen. Auch ein anderer von Beulen geplagter Einwohner möchte nun seine Heilung bei den Teufeln des Tsurugi-Bergs suchen...
„Urashima Taro“ ist das bekannte Märchen über den jungen Mann, der von einer Schildkröte, der er das Leben gerettet hat, zum Dank in den Drachenpalast im Meer geführt wird. Doch die Zeit vergeht Oberirdisch leider etwas anders als unter Wasser. Soweit die Handlung – interessanter sind jedoch Osamu Dazais Dialoge zwischen dem doch recht eingebildeten Jüngling und der Schildkröte, die ihn immer wieder in seine Schranken weist. Denn im Drachenpalast ist er doch nur ein lumpiger Provinzler.
In „Der Kachikachi-Berg“ geht’s recht fies zur Sache. Ein Häschen will Rache an einem Tanuki üben – hat der doch eine befreundete Frau umgebracht. Da der dumpfbackige Tanuki über alle Ohren in das Häschen verschossen ist, spielt das dem listigen Häschen in die Hände. Der Ärmste wird auf seinem Weg in den Abgrund ganz schön leiden müssen.
„Der Sperling mit der abgeschnittenen Zunge“ handelt von einem phlegmatischen Alten und seiner missmutigen Ehefrau. Als der Alte einen verletzten Sperling im Wald aufliest, hat er einen neuen, kleinen Freund gefunden, den er wieder aufpäppelt. Aus Eifersucht reißt die Ehefrau dem Vögelchen die Zunge heraus; der Sperling flattert auf und davon. Doch der Alte wird seinen Freund wieder sehen – ebenso die eifersüchtige Ehefrau.
Osamu Dazais Märchen leben vor allem von den lebhaften Dialogen der Protagonisten und den bildlichen, überspitzten Charakterisierungen. Deswegen musste auch das Märchen von „Momotaro“ unangetastet bleiben – musste dieser Held doch während der Kriegszeit als Propagandavorbild herhalten und durfte keinesfalls in Misskredit geführt werden. Doch auch Osamu Dazais umgesetzte Neuinterpretationen der Märchen sind eng mit dem Krieg verknüpft:
„ich schrieb es also in meinen Mußestunden nach und nach fort als ein Buch, das den Menschen, die tapfer zur Überwindung dieser dunklen Zeit Japans kämpfen, in ihrer spärlichen Freizeit zum bescheidenen Trost gereichen möge.“ (S. 105)
Dem Werk nachgestellt sind die Originalmärchen. Liest man diese zum Vergleich, zeigt sich erst recht das literarische Genie des Osamu Dazai. Er entstaubt die Märchen, fügt enormen Sprachwitz und seine eigenen Interpretationen der Moral hinzu. Wer möchte da nicht zusammen mit dem beschwipsten Alten ein kleines Tänzchen mit den Teufeln des Tsurugi-Berges wagen?
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Die Teufel des Tsurugi-Bergs“, be.bra, Berlin 2012, ISBN 978-3-86124-915-3
Freitag, 17. August 2012
„Gezeichnet“ von Osamu Dazai
„Gezeichnet“ (im Original „Ningen shikakku“ = „als Mensch disqualifiziert“) gilt als einer der meistgelesenen Romane in Japan. Der Autor Osamu Dazai hat das Erscheinen nicht mehr erlebt – er beging kurz zuvor Selbstmord. Wer „Erinnerungen“ (zu finden in „Einspruch der Dekadenz“ oder „Das Gemeine und andere Erzählungen“) gelesen hat, der wird in „Gezeichnet“ einige Parallelen finden, geht es in dem Ich-Roman doch um dasselbe Thema: Der Lebens-, Leidens- und Liebesweg des Osamu Dazai.
Ein namenloser Ich-Erzähler gerät durch einen Zufall an die Aufzeichnungen des Comic-Zeichners Yozo Oba. Drei Hefte erzählen über drei Lebensabschnitte: Das erste Heft wird der Kindheit Yozos gewidmet. Zutiefst verunsichert und dies hinter der Maske des Clowns verbergend wächst Yozo heran. Die Clownerie macht ihn beliebt, doch wahre Freundschaft findet er nicht – oder nur beinahe, womit wir schon beim zweiten Heft wären: Ein noch schwächerer Mitschüler entlarvt Yozos Tarnung und orakelt richtig, dass Yozo einst ein ziemlicher Weiberheld werden wird. Als Yozo auf eine Oberschule nach Tokio wechselt, beginnt sein dekadentes Leben in der Großstadt: Alkohol, Prostitution, Verschuldung und damals illegale Betätigung für die politische Linke. Marx ist Yozo im Grunde egal, die Illegalität macht die Linke für ihn attraktiv. Und die Frauen vergucken sich in Yozo. Mit einer seiner Verehrerinnen will er Selbstmord begehen – doch nur sie stirbt und er wird angeklagt, von der Familie verstoßen. Das dritte Heft zeichnet das Bild des endgültigen Abstieg Yozos:
Die Parallelen zu Osamu Dazais Leben sind vielfältig, was unter anderem den Reiz von „Gezeichnet“ ausmacht. Doch dies allein würde wohl nicht ausreichen, um dem Roman den Erfolg im bestehenden Ausmaß zu bescheren. Beschreibt Osamu Dazai nicht Phänomene, die jedem bekannt sind: Würde man nicht allzu oft und allzu gerne seine Unsicherheit hinter einer Maske verstecken wollen? Ist nicht jeder vom Wusch nach Anerkennung erfüllt?
„Gezeichnet“ bietet nicht nur Einblick in die Gedankenwelt Osamu Dazais, sondern auch genügend Gesellschaftskritik. Nur leider sehr schade, dass das Buch restlos vergriffen ist und selbst gebraucht nur zu horrenden Preisen zu haben ist. Da lohnt sich dann doch eher der Mitgliedsausweis für eine gut sortierte Bibliothek. Oder vielleicht wagt der Insel Verlag eine Neuauflage? Der Roman würde es durchaus mehr als verdienen!
Update Dezember 2014:
Ab März 2015 ist eine Neuauflage des Cass Verlags erhältlich. Danke Cass Verlag!
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Gezeichnet“, Insel, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-16871-0
Ein namenloser Ich-Erzähler gerät durch einen Zufall an die Aufzeichnungen des Comic-Zeichners Yozo Oba. Drei Hefte erzählen über drei Lebensabschnitte: Das erste Heft wird der Kindheit Yozos gewidmet. Zutiefst verunsichert und dies hinter der Maske des Clowns verbergend wächst Yozo heran. Die Clownerie macht ihn beliebt, doch wahre Freundschaft findet er nicht – oder nur beinahe, womit wir schon beim zweiten Heft wären: Ein noch schwächerer Mitschüler entlarvt Yozos Tarnung und orakelt richtig, dass Yozo einst ein ziemlicher Weiberheld werden wird. Als Yozo auf eine Oberschule nach Tokio wechselt, beginnt sein dekadentes Leben in der Großstadt: Alkohol, Prostitution, Verschuldung und damals illegale Betätigung für die politische Linke. Marx ist Yozo im Grunde egal, die Illegalität macht die Linke für ihn attraktiv. Und die Frauen vergucken sich in Yozo. Mit einer seiner Verehrerinnen will er Selbstmord begehen – doch nur sie stirbt und er wird angeklagt, von der Familie verstoßen. Das dritte Heft zeichnet das Bild des endgültigen Abstieg Yozos:
„Unglück. In der Welt gab es viele unglückliche Leute, nein, es gab nur unglückliche Leute, das ist sicher nicht zuviel gesagt; doch alle diese Leute konnten sich in die Brust werfen und ihr Unglück der ‚Gesellschaft’ klagen, und die ‚Gesellschaft’ verstand und fühlte mit. Mein Unglück aber war allein meine Schuld, ich konnte mich bei niemandem beklagen“. (S. 121)
Die Parallelen zu Osamu Dazais Leben sind vielfältig, was unter anderem den Reiz von „Gezeichnet“ ausmacht. Doch dies allein würde wohl nicht ausreichen, um dem Roman den Erfolg im bestehenden Ausmaß zu bescheren. Beschreibt Osamu Dazai nicht Phänomene, die jedem bekannt sind: Würde man nicht allzu oft und allzu gerne seine Unsicherheit hinter einer Maske verstecken wollen? Ist nicht jeder vom Wusch nach Anerkennung erfüllt?
„Gezeichnet“ bietet nicht nur Einblick in die Gedankenwelt Osamu Dazais, sondern auch genügend Gesellschaftskritik. Nur leider sehr schade, dass das Buch restlos vergriffen ist und selbst gebraucht nur zu horrenden Preisen zu haben ist. Da lohnt sich dann doch eher der Mitgliedsausweis für eine gut sortierte Bibliothek. Oder vielleicht wagt der Insel Verlag eine Neuauflage? Der Roman würde es durchaus mehr als verdienen!
Update Dezember 2014:
Ab März 2015 ist eine Neuauflage des Cass Verlags erhältlich. Danke Cass Verlag!
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Gezeichnet“, Insel, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-16871-0
Donnerstag, 19. Juli 2012
„Die sinkende Sonne“ von Osamu Dazai
Die Nachkriegsjahre versprechen für eine Adelsfamilie nichts Gutes: Der Sohn Naoji ist noch nicht von der Armee zurückgekehrt und gilt als vermisst. Die verwitwete Mutter muss zusammen mit der Tochter Kazuko den angestammten Familiensitz verlassen – mangels Einkünfte wird das Haus in Tokio verkauft. Stattdessen ziehen die beiden Frauen in ein kleines, abgeschiedenes Häuschen auf der Halbinsel Izu. Die Mutter beginnt ihren Lebensmut zu verlieren und harrt primär aus, um die Rückkehr des Sohnes abzuwarten.
Doch als Naoji endlich zurückkehrt, gestaltet sich das Zusammenleben zu dritt immer schwieriger. Das Geld wird knapper und knapper. Nach dem Willen eines Onkels soll Kazuko verheiratet oder zum Arbeiten in eine andere Familie geschickt werden. Naoji treibt sich mit seinen Schriftstellerkollegen in Tokio herum und verprasst Geld beim Saufen. Schließlich steht es um die Gesundheit der Mutter immer schlechter – sie stirbt als eine der letzten noblen Aristokratinnen Japans.
Naoji führt sein Lotterleben weiter, bis er diesem endgültig ein Ende setzt. Kazuko hingegen fühlt sich zu Liebe und Revolution berufen und bricht auf in eine selbstbestimmte Zukunft fernab der Konventionen.
Naoji gebührt nicht die Hauptrolle in „Die sinkende Sonne“. Kazuko ist die zentrale Figur, die ganz auf sich allein gestellt ihren Weg in der modernen Gesellschaft sucht und hoffentlich findet. Als Vorlage diente dem Autor Osamu Dazai das Tagebuch der Adeligen Shizuko Ota, mit der er eine Affäre und die gemeinsame Tochter Haruko hatte. Damit klärt sich auch die Frage, wie der Autor heißt, von dem sich Kazuko unbedingt ein Kind wünscht...
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Die sinkende Sonne“, Hanser, München 1958
Doch als Naoji endlich zurückkehrt, gestaltet sich das Zusammenleben zu dritt immer schwieriger. Das Geld wird knapper und knapper. Nach dem Willen eines Onkels soll Kazuko verheiratet oder zum Arbeiten in eine andere Familie geschickt werden. Naoji treibt sich mit seinen Schriftstellerkollegen in Tokio herum und verprasst Geld beim Saufen. Schließlich steht es um die Gesundheit der Mutter immer schlechter – sie stirbt als eine der letzten noblen Aristokratinnen Japans.
Naoji führt sein Lotterleben weiter, bis er diesem endgültig ein Ende setzt. Kazuko hingegen fühlt sich zu Liebe und Revolution berufen und bricht auf in eine selbstbestimmte Zukunft fernab der Konventionen.
Naoji gebührt nicht die Hauptrolle in „Die sinkende Sonne“. Kazuko ist die zentrale Figur, die ganz auf sich allein gestellt ihren Weg in der modernen Gesellschaft sucht und hoffentlich findet. Als Vorlage diente dem Autor Osamu Dazai das Tagebuch der Adeligen Shizuko Ota, mit der er eine Affäre und die gemeinsame Tochter Haruko hatte. Damit klärt sich auch die Frage, wie der Autor heißt, von dem sich Kazuko unbedingt ein Kind wünscht...
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Die sinkende Sonne“, Hanser, München 1958
Montag, 2. Juli 2012
„Das Gemeine und andere Erzählungen“ von Osamu Dazai
Seit der Lektüre von „Einspruch der Dekadenz“ hat mich ein bisschen das Osamu Dazai-Fieber gepackt. Mit „Das Gemeine und andere Erzählungen“ liegt ein Erzählband des Autors vor, der es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Schaffensphasen Osamu Dazais exemplarisch zu illustrieren: Angefangen mit der ersten publizierten Erzählung „Erinnerungen“ bis zum unvollständig gebliebenen „Goodbye“, das in Asahi Shinbun folgenweise als Roman erschien und durch den Doppelselbstmord Osamu Dazais mit seiner Geliebten nicht beendet werden konnte.
Mit „Erinnerungen“ startet „Das Gemeine und andere Erzählungen“ und thematisiert Anekdoten und Schrulligkeiten des jungen Osamu Dazais. Weiter geht es mit „Das Gemeine", in dem der junge Ich-Erzähler seinen Lebensabend erlebt - hat er es sich doch nach einem missglückten Selbstmordversuch erneut zum Ziel gesetzt, sich das Leben zu nehmen.
Während des Krieges widmete sich der Autor klassischen japanischen Märchen: „Taro Urashima“ und „Der Knisterberg“ stehen exemplarisch für diese Schaffensphase. Osamu Dazai gibt hier nicht nur seine Version der Märchen wider, sondern kommentiert diese und versucht, die Moral zu deuten.
Und natürlich thematisiert er in mehreren Erzählungen, seinen eigenen, exzessiven Lebensstil, was auch gerne einmal clownesk wirkt:
Darüber hinaus räumt Osamu Dazai aber auch mit Erzählungen wie „Grillen“ und „Osan“ der (betrogenen) Ehefrau Redezeit ein.
Mit „Goodbye“ endet der Erzählband „Das Gemeine und andere Erzählungen“ als auch das Werk Osamu Dazais. Der Fortsetzungsroman wirkt wie Slapstick und lässt nichts von einer selbstmörderischen Verfassung des Autors erahnen.
Im mehr als 25-seitigen Nachwort wird der Leser mit wertvollen Hintergrundinformationen zu den einzelnen Erzählungen und zum Leben von Osamu Dazai versorgt. Insofern erscheint mir „Das Gemeine und andere Erzählungen“ ein Muss für alle, die sich näher mit dem Autor beschäftigen wollen, der in Japan als Star gilt.
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Das Gemeine und andere Erzählungen“, Iudicium, München 1992, ISBN 3-89129-306-2
Mit „Erinnerungen“ startet „Das Gemeine und andere Erzählungen“ und thematisiert Anekdoten und Schrulligkeiten des jungen Osamu Dazais. Weiter geht es mit „Das Gemeine", in dem der junge Ich-Erzähler seinen Lebensabend erlebt - hat er es sich doch nach einem missglückten Selbstmordversuch erneut zum Ziel gesetzt, sich das Leben zu nehmen.
Während des Krieges widmete sich der Autor klassischen japanischen Märchen: „Taro Urashima“ und „Der Knisterberg“ stehen exemplarisch für diese Schaffensphase. Osamu Dazai gibt hier nicht nur seine Version der Märchen wider, sondern kommentiert diese und versucht, die Moral zu deuten.
Und natürlich thematisiert er in mehreren Erzählungen, seinen eigenen, exzessiven Lebensstil, was auch gerne einmal clownesk wirkt:
„es ist auf alle Fälle nicht übertrieben, dass ich die ganzen Einnahmen durch meine Schriftstellerei für meine eigenen Vergnügungen verschwendet habe. Aber solche Vergnügungen sind für mich aus Verzweiflung Saufen, was mir Höllenpein bereitet, und Seitensprünge, die eher so etwas wie eine Rauferei mit furchtbaren und hässlichen Hexen sind.“ (S. 218)
Darüber hinaus räumt Osamu Dazai aber auch mit Erzählungen wie „Grillen“ und „Osan“ der (betrogenen) Ehefrau Redezeit ein.
Mit „Goodbye“ endet der Erzählband „Das Gemeine und andere Erzählungen“ als auch das Werk Osamu Dazais. Der Fortsetzungsroman wirkt wie Slapstick und lässt nichts von einer selbstmörderischen Verfassung des Autors erahnen.
Im mehr als 25-seitigen Nachwort wird der Leser mit wertvollen Hintergrundinformationen zu den einzelnen Erzählungen und zum Leben von Osamu Dazai versorgt. Insofern erscheint mir „Das Gemeine und andere Erzählungen“ ein Muss für alle, die sich näher mit dem Autor beschäftigen wollen, der in Japan als Star gilt.
Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Das Gemeine und andere Erzählungen“, Iudicium, München 1992, ISBN 3-89129-306-2
Dienstag, 29. Mai 2012
„… weil gerade Frühling war – Heiter-Ironisches aus Japan“ herausgegeben von Josef Bohaczek & Barbara Yoshida-Krafft
„... weil gerade Frühling war – Heiter-Ironisches aus Japan“ enthält einige humorvolle Prosa-Skizzen der zumeist ganz großen japanischen Autoren. Da mokiert sich Ryunosuke Akutagawa über die Krawatte von Junichiro Tanizaki. Osamu Dazais betrunkener Ich-Erzähler gerät in ärztlicher Behandlung an einen noch besoffeneren Doktor. Kafu Nagai treibt sich mit Pariser Kokotten herum. Yasunari Kawabata lässt einen hässlichen Mann hochmütig werden. Masuji Ibuses Protagonist erlebt Desillusionierung durch einen Röntgen-Apparat. Und Chiyo Unos Debüterzählung „Zu grell geschminkt“ illustriert den Wettstreit zweier japanischer Frauen um einen europäischen Gönner.
Auf je nur wenigen Seiten präsentieren die Autoren ihre humorvolle Seite, die jedoch nie zum Schenkelklopfen verleitet, sondern vielmehr ein Lächeln herausfordert. Da mag man Yasutaka Tsutsuis Professor Tadano sofort widersprechen: Nein, japanische Literatur macht nicht depressiv.
Das niedliche rechteckige Kleinformat lässt an ein Geschenkbüchlein denken. Und in der Tat ist „… weil gerade Frühling war – Heiter-Ironisches aus Japan“ sicherlich ein tolles, schön aufgemachtes Präsent für an japanischer Literatur Interessierte und solche, die sich einen ersten Überblick über die großen Literaten des letzten Jahrhunderts einholen wollen.
Auf je nur wenigen Seiten präsentieren die Autoren ihre humorvolle Seite, die jedoch nie zum Schenkelklopfen verleitet, sondern vielmehr ein Lächeln herausfordert. Da mag man Yasutaka Tsutsuis Professor Tadano sofort widersprechen: Nein, japanische Literatur macht nicht depressiv.
Das niedliche rechteckige Kleinformat lässt an ein Geschenkbüchlein denken. Und in der Tat ist „… weil gerade Frühling war – Heiter-Ironisches aus Japan“ sicherlich ein tolles, schön aufgemachtes Präsent für an japanischer Literatur Interessierte und solche, die sich einen ersten Überblick über die großen Literaten des letzten Jahrhunderts einholen wollen.
Montag, 28. Mai 2012
„Einspruch der Dekadenz“ von Osamu Dazai
Vor der Lektüre von „Einspruch der Dekadenz“ lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit Osamu Dazais Biographie kurz auseinanderzusetzen. Selbstmordversuche, Frauengeschichten, Drogen, Alkohol und ein gewisser Hang zum Dandytum prägten nicht nur Osamu Dazais Leben, sondern sind auch Thema der vorliegenden zwölf Erzählungen und Kurzgeschichten.
So erfährt der Leser in der autobiographischen Erzählung „Erinnerungen“ mehr über die Kindheit und Jugend des Autors, seine literarischen Neigungen und seinen Narzissmus. In „Gegen den Strich“ wird unter anderem das Selbstverständnis des Studenten Osamu Dazai illustriert. Und selbstverständlich finden auch Geschichten rund um Affären mit Geishas und um Selbstmord ihren Platz. „Er ist nicht mehr der, der er früher einmal war“ setzt sich aber auch (leicht) kritisch mit dem Müßiggang auseinander.
„Einspruch der Dekadenz“ lässt den Leser hinter die Fassade des Autors Osamu Dazai blicken und bietet ein Panoptikum der Dekadenz. An manchen Stellen hätten jedoch ein paar Fußnoten sicherlich gut getan, um dem Nicht-Japanologen aufzuzeigen, welche Passagen autobiographische Züge tragen und welche der Fantasie entsprungen sind. So stochert der Leser ein bisschen im Dunkeln: Man glaubt nach der Lektüre zwar, einen Einblick in die nihilistisch-exzessive Lebenswelt des Osamu Dazai erhascht zu haben – aber ganz sicher kann man sich jedoch nicht sein.
So erfährt der Leser in der autobiographischen Erzählung „Erinnerungen“ mehr über die Kindheit und Jugend des Autors, seine literarischen Neigungen und seinen Narzissmus. In „Gegen den Strich“ wird unter anderem das Selbstverständnis des Studenten Osamu Dazai illustriert. Und selbstverständlich finden auch Geschichten rund um Affären mit Geishas und um Selbstmord ihren Platz. „Er ist nicht mehr der, der er früher einmal war“ setzt sich aber auch (leicht) kritisch mit dem Müßiggang auseinander.
„Einspruch der Dekadenz“ lässt den Leser hinter die Fassade des Autors Osamu Dazai blicken und bietet ein Panoptikum der Dekadenz. An manchen Stellen hätten jedoch ein paar Fußnoten sicherlich gut getan, um dem Nicht-Japanologen aufzuzeigen, welche Passagen autobiographische Züge tragen und welche der Fantasie entsprungen sind. So stochert der Leser ein bisschen im Dunkeln: Man glaubt nach der Lektüre zwar, einen Einblick in die nihilistisch-exzessive Lebenswelt des Osamu Dazai erhascht zu haben – aber ganz sicher kann man sich jedoch nicht sein.
Sonntag, 27. Mai 2012
Osamu Dazai
Osamu Dazai (eigentlich Shuji Tsushima, geboren 1909) war das zehnte der elf Kinder seiner Eltern. Da seine Mutter den Vater, der Politiker war, auf seinen Reisen begleitete, wurde Osamu Dazai bis zu seinem Eintritt in die Grundschule von seiner Tante und einer Dienstbotin großgezogen. Schon vor dem Schulbesuch konnte der kleine Shuji Bücher lesen. Als Mittelschüler publizierte er bereits erste Geschichten in Zeitschriften. 1930 begann er sein Studium der Romanistik an der kaiserlichen Universität von Tokio.
Bereits auf der Oberschule hatte Osamu Dazai in einem Selbstmordversuch eine Überdosis Schlafmittel geschluckt und war in ein Koma gefallen. Auf der Universität nahm er erneut eine Überdosis zu sich, dieses Mal zusammen mit einer Kellnerin. Während Osamu Dazai überlebte, starb die junge Frau. Kurz darauf brannte er mit der Geisha Hatsuyo Oyama durch, worauf er von seiner Familie verstoßen wurde. Erneut versuchte Osamu Dazai vergeblich, sich das Leben zu nehmen. Zusammen mit der 19-jährigen Shimeko Tanabe wollte er sich ertränken, doch während er überlebte, starb nur die junge Frau. Daraufhin versöhnte sich sein Vater mit ihm; Osamu Dazai und die Geisha Hatsuyo Oyama wurden verheiratet. Nach einer Verhaftung wegen Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei wurde Osamu Dazais Leben etwas ruhiger. Als Schüler von Masuji Ibuse machte er sich als Autor einen Namen.
1935 brach Osamu Dazai sein Studium ab und nahm an einem Einstellungstest einer Zeitung teil. Als er durchfiel, unternahm er einen erneuten Selbstmordversuch durch Erhängen, scheiterte jedoch wiederum.
Nach einer Blinddarmentfernung wurde Osamu Dazai abhängig von Schmerzmitteln. Als er sich 1936 auf Entzug begab, ging seine Ehefrau fremd. Als ein gemeinsamer Selbstmordversuch von Ehemann und -frau scheiterte, trennten sich die beiden.
1939 heiratete Osamu Dazai erneut. Aus dieser Ehe ging Yuko Tsushima, ebenfalls Autorin, hervor.
In den Nachkriegsjahren erreichte Osamu Dazai den Höhepunkt seiner Popularität. Durch die Aura der Verzweiflung und Rebellion wurde er zu einem Idol der verlorenen Generation.
1948 gelang ihm schließlich der Selbstmord: Zusammen mit seiner Geliebten ertränkte er sich.
Interessante Links:
Ins Deutsche übersetzte Romane/Erzählungen und hier rezensiert:
Bereits auf der Oberschule hatte Osamu Dazai in einem Selbstmordversuch eine Überdosis Schlafmittel geschluckt und war in ein Koma gefallen. Auf der Universität nahm er erneut eine Überdosis zu sich, dieses Mal zusammen mit einer Kellnerin. Während Osamu Dazai überlebte, starb die junge Frau. Kurz darauf brannte er mit der Geisha Hatsuyo Oyama durch, worauf er von seiner Familie verstoßen wurde. Erneut versuchte Osamu Dazai vergeblich, sich das Leben zu nehmen. Zusammen mit der 19-jährigen Shimeko Tanabe wollte er sich ertränken, doch während er überlebte, starb nur die junge Frau. Daraufhin versöhnte sich sein Vater mit ihm; Osamu Dazai und die Geisha Hatsuyo Oyama wurden verheiratet. Nach einer Verhaftung wegen Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei wurde Osamu Dazais Leben etwas ruhiger. Als Schüler von Masuji Ibuse machte er sich als Autor einen Namen.
1935 brach Osamu Dazai sein Studium ab und nahm an einem Einstellungstest einer Zeitung teil. Als er durchfiel, unternahm er einen erneuten Selbstmordversuch durch Erhängen, scheiterte jedoch wiederum.
Nach einer Blinddarmentfernung wurde Osamu Dazai abhängig von Schmerzmitteln. Als er sich 1936 auf Entzug begab, ging seine Ehefrau fremd. Als ein gemeinsamer Selbstmordversuch von Ehemann und -frau scheiterte, trennten sich die beiden.
1939 heiratete Osamu Dazai erneut. Aus dieser Ehe ging Yuko Tsushima, ebenfalls Autorin, hervor.
In den Nachkriegsjahren erreichte Osamu Dazai den Höhepunkt seiner Popularität. Durch die Aura der Verzweiflung und Rebellion wurde er zu einem Idol der verlorenen Generation.
1948 gelang ihm schließlich der Selbstmord: Zusammen mit seiner Geliebten ertränkte er sich.
Interessante Links:
- Kirjasto: Biographie von Osamu Dazai
- Enotes: Biographie von Osamu Dazai
- Dazai.or.jp: Diverse Infos über und Fotos von Osamu Dazai
- Goodreads: Osamu Dazai Quotes
- Notable Quotes: Osamu Dazai Quotes
- ChuoOnline: Osamu Dazai and the beauty of his literature
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