Labels

Posts mit dem Label Sakyo Komatsu werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sakyo Komatsu werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 10. Mai 2013

„Japan sinkt“ von Sakyo Komatsu

Als Onodera im Hauptbahnhof von Tokio unvermutet auf seinen Kumpan Go trifft, ahnen die beiden noch nicht, dass der Grund ihrer jeweiligen beruflichen Reisen derselbe ist: Onodera soll mit einem Tiefseetauchboot eine Forschungsarbeit unterstützen, um den Untergang einer kleinen, japanischen Insel zu untersuchen. Go soll prüfen, warum die Arbeiten am Gleisbett für den neuen Superexpress abgebrochen werden mussten. Der verschrobene Wissenschaftler Professor Tadokoro, der mit Onodera auf Tauchgang geht, zählt eins und eins zusammen: Der Erdmantel scheint in Bewegung geraten zu sein, die Auswirkungen auf Japan erscheinen katastrophal. Dank der Förderung durch einen reichen Gönner kann Professor Tadokoro ein Forschungsteam auf die Beine stellen, dem auch Onodera angehören wird. Wie der Titel von Sakyo Komatsus Roman schon verrät: Japan wird über kurz oder lang im Meer versinken.

Aus unterschiedlichen Perspektiven werden die diversen Vulkanausbrüche und Tsunamis geschildert, die über Japan hereinbrechen und tausende Menschenleben fordern. Wann soll die Regierung der Bevölkerung die Wahrheit sagen, wenn zu befürchten steht, dass eine Massenpanik ausbricht? Und wer mag bloß bereit sein, die Millionen Flüchtlinge aufzunehmen, die evakuiert werden müssen? Wie ist das logistische Problem zu stemmen, das eine derartig große Evakuierungsmaßnahme mit sich bringt?

Seit 3/11 rückte Sakyo Komatsus Katastrophenroman aus dem Jahr 1973 wieder verstärkt ins Interesse der Leser. Das Werk, das in Deutschland auch als „Wenn Japan versinkt“ erschien, basiert auf der auf ein Drittel gekürzten amerikanischen Version. Sicherlich ist es ein bisschen schade, dass somit nur ein Teil des Romans ins Deutsche übertragen wurde, doch für mich war die Länge des Romans mit guten 260 Seiten genau richtig. Sicherlich hätten die Charaktere von einer ausführlicheren Darstellung profitieren können, doch mein Bedarf an Katastrophenszenerien war nach der Lektüre gesättigt.

Bibliographische Angaben:
Komatsu, Sakyo: „Japan sinkt“ (Übersetzung aus dem Amerikanischen: Schultz, Klaus), Volk & Welt, Berlin 1987, ISBN 3-353-00119-0

Dienstag, 23. Oktober 2012

„Der Tag der Auferstehung“ von Sakyo Komatsu

Der Titel von Sakyo Komatsus apokalyptischem Roman impliziert bereits einen Hoffnungsschimmer: „Der Tag der Auferstehung“ wird kommen. Doch zunächst wird die Menschheit fast ausgerottet. Der kalte Krieg hat seinen Zenith fast überschritten, Abrüstungsverhandlungen über die Atomwaffen sollen bald geführt werden. Dennoch forschen Wissenschaftler an gefährlichen biologischen Waffen. Ein gefährliches Virus wird aus einem geheimen, englischen Forschungslabor entwendet. Beim Transport wird die Katastrophe heraufbeschwört: Das Flugzeug, mit dem das Virus außer Landes geschafft werden soll, stürzt ab – der Kampfstoff wird freigesetzt und wütet ungebremst auf der ganzen Welt.

Im Labor, in dem das Virus hergestellt wurde, ist nicht aufgefallen, dass die Probe entwendet wurde. Keiner kann den Zusammenhang zwischen der gefährlichen Grippe, die weltweit grassiert, und dem biologischen Kampfstoff herstellen.

Eine kleine Gruppe Forscher hält sich zeitgleich in der Antarktis auf. Dank der niedrigen Temperaturen dringt das Virus nicht bis die Kältezone vor. Den Forschern bleibt nichts anderes übrig, als aus der Ferne das Massensterben zu beobachten. Doch auch sie sind in Gefahr: Die Atomwaffen der USA und der Sowjetunion sind noch immer scharf.

Sakyo Komatsus Roman ist für unsereiner freilich kein futuristischer Science Fiction mehr. Das 1964 in Japan erschienene Werk spielt Ende der 60er und zieht sich in die 70er hinein. Wissenschaftlich fundiert liefert Sakyo Komatsu Hintergrundinfos aus der Biologie und Virologie, die stellenweise jedoch ein bisschen zäh wirken. Obwohl bereits durch den Prolog klar ist, dass die Menschheit bis auf die Antarktis-Gruppe untergehen wird, ist der Roman spannend bis zur letzten Seite.

Bibliographische Angaben:
Komatsu, Sakyo: „Der Tag der Auferstehung“, Heyne, München 1987, ISBN 3-453-00961-4

Montag, 22. Oktober 2012

Sakyo Komatsu

Der 1931 in Osaka geborene Science Fiction Autor Sakyo Komatsu (eigentlich: Minoru Komatsu) studierte italienische Literatur an der Kioto Universität. Nach seinem Abschluss verdingte er sich unter anderem als Zeitungsredakteur, Fabrikvorarbeiter und Comedy Skriptautor. Bereits Ende der 40er Jahre publizierte er unter dem Pseudonym Minoru Mori Mangas. Anfang der 60er begann Sakyo Komatsu, unter anderem inspiriert durch Kobo Abe, Science Fiction-Geschichten zu schreiben. Seine erste Erzählung „Friede auf Erden“ wurde mit einem Science Fiction-Literaturpreis ausgezeichnet und setzte den Start in eine erfolgreiche Karriere als Science Fiction-Autor. Durch die gemeinsame Heimat und freundschaftlich verbunden galten Sakyo Komatsu, Taku Mayumura und Yasutaka Tsutsui als die „Osaka-Bande der japanischen SF“.

Als sein bekanntester Roman gilt der Bestseller „Japan sinkt“, der die Ereignisse aus dem Jahr 2011 vorweg nahm: Durch die Verschiebung von tektonischen Platten wird Japan von Vulkanausbrüchen und Tsunamis heimgesucht. Nach 3/11 schrieb der Autor laut New York Times in seinem vierteljährlich erscheinenden Magazin:

“I had thought I wouldn’t mind dying any day. But now I’m feeling like living a little bit longer and seeing how Japan will go on hereafter.”

Dieser Wunsch wurde Sakyo Komatsu jedoch nicht erfüllt: Im Juli 2011 starb der Autor, der als einer der bekanntesten japanischen Science Fiction-Schriftsteller gilt, an einer Lungenentzündung.

Interessante Links:

Hier rezensiert:

Samstag, 23. Juni 2012

„SF aus Japan“ herausgegeben von Ken Okura, Peter Wilfert & Werner Zillig

In „SF aus Japan“ findet der Leser literarische Kostproben einiger der bekanntesten Science Fiction-Autoren Japans.

Mit Aritsune Toyoda geht es in „Ein anderes Japan“: Der Japanologe Ken Douglas ist auf dem Weg nach Japan. Und zwar in geheimer Mission für die amerikanische Regierung. Er soll herausfinden, was in dem Land vor sich geht, das einst auf dem Weg war, die größte Wirtschaftsmacht zu werden und sich nun aber in völlige Abschottung begeben hat. Am Flughafen von Tokio angelangt, ist Ken irritiert: Alles wirkt überzogen pseudo-traditionell. Was es damit nur auf sich hat?

Den Protagonisten von Akira Horis „Die Hand des kosmischen Affen“ zieht es ins Weltall. Am besten immer weiter weg von der Erde ins Outer Space. Als er den Auftrag erhält, einen mächtigen Funktionär zu einem der letzten Außenposten des Sonnensystems zu begleiten, erfährt er von der Hand des kosmischen Affen.

Yasutaka Tsutsuis Held aus „Man spricht über mich“ kann es nicht glauben: Über seinen Alltag wird plötzlich in den Massenmedien berichtet. Ist er verrückt geworden oder spielt ihm da jemand einen ganz bösen Streich?

„Der Zeitwirbel“ von Shinichi Hoshi legt sich über das Weltgeschehen: Ab dem Tag 0 wird jeden Tag aufs Neue auf Reset gedrückt. Die Zigaretten, die man gestern geraucht hat, sind wieder im Päckchen; das Essen, das man am Tag zuvor verspeist hat, liegt wieder unberührt im Kühlschrank. Als dann auch noch ungewöhnlicher Besuch ins Haus steht, ist die Erstaunung erst recht groß…

„Der Sake“ ist der Grund, warum Ryo Hanmuras Erzähler so gerne auf der Erde weilt. In einem Monolog klärt er den Sohn seines toten Freundes über dessen Herkunft auf.

Nur „Das Nachbild“ bleibt zurück, wenn sich Murashima mit seiner Ex-Frau Yu trifft. Wie mag das Beziehungsleben der Zukunft aussehen, das der Autor Masami Fukushima hier skizziert?

In „Das Pastorale“ von Tensei Kono bekommt ein Familienvater sehr zerstreuten Besuch: Ein junger Mann steht unversehens in der Wohnung und spricht in Rätseln.

Shinji Kajo erzählt von den „Perlen für Mia“: In einem sensationellen Vorhaben wird ein junger Mann in eine Zeitkapsel gesteckt, in der während eines Tags nur die Zeit von einer Sekunde vergeht. Der Ich-Erzähler und Verwalter findet eines Tages eine junge Frau vor der Apparatur, die wehmütig und traurig zum Versuchskaninchen blickt. Welch tragische Liebesgeschichte mag sich zugetragen haben?

Nach einem Autounfall wird der Ich-Erzähler „Ein erfolgreicher Mann“. Doch irgendwo muss ein Haken in Taku Mayumuras Kurzgeschichte sein…

Eine „Friede auf Erden“-Stimmung scheint für Japan weit entfernt zu sein. Denn der Tenno verkündet im August 1945 nicht die Kapitulation. Der Kampf in Japan geht weiter und lässt Teenager in einen aussichtslosen Krieg ziehen. Doch hat in Sakyo Komatsus Erzählung nicht irgendjemand ganz böse Intrigen gesponnen?

„SF in Japan“ ist weit weniger außerirdisch, als die Illustration des Buchcovers vermuten lässt. Vielmehr spielen die Erzählungen mit dem Phantastischen. Yasutaka Tsutsuis charmantes Gedankenspiel „Man spricht über mich“ ist gar mehr Slapstick-Fiction als Science-Fiction. Das Cover sollte daher nicht abschrecken: „SF in Japan“ bietet eine tolle Themenmischung mit unvermuteten Wendungen fernab von Aliens und Kriegen im Weltall.