Sieben Erzählungen versammelt Ingrid Schuster in dem Reclam-Heftchen „Japanische Kriminalgeschichten“. Ihre Textauswahl datiert zurück bis ins 17. Jahrhundert und beginnt Saikaku Iharas „Sie wussten nicht, was in der Trommel war“: Hier lässt sich ein Richter eine besonders listige Methode einfallen, wie er unter denen Verdächtigen, von denen einer den gemeinsamen Kumpan bestohlen hat, überführen wird.
„Die Daumenfessel“ eines unbekannten Autors ist ebenfalls eine trickreiche Prozedur eines Richters, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
Tragisch wird es dagegen in „Die Straßensängerin und der Samurai“ (Autor ebenfalls unbekannt): Der Edelmann Genzaburo verliebt sich Hals über Kopf in Okoyo, eine Eta, eine Ausgestoßene. Genzaburo setzt seinen Ruf und seine Ehre aufs Spiel, als er sich mit ihr einlässt. Allerlei Intrigen werden bald um das ungleiche Liebespaar gesponnen.
Junichiro Tanizaki kreiert mit seiner Erzählung „Ich“ ebenso ein Verwirrspiel: In einem Internat scheint ein Schüler zum Langfinger zu mutieren. Vielfache Verdächtigungen werden ausgestoßen. Wer mag wohl der Täter und wer wohl das Opfer ungerechtfertigter Anschuldigungen sein?
In Edogawa Rampos „Das Rote Zimmer“ gibt es Opfer zu Hauf: Ein Neuzugang in einem Zirkel gelangweilter Herren erzählt über seine mannigfaltigen Mordopfer und die Wege, wie er eines um das andere auf elegante Weise zur Strecke brachte. Mag dies der kaltschnäuzigste Mörder aller Zeiten sein?
Seicho Matsumotos Protagonist Ishino in „Die Zeugenaussage“ wird durch seine außereheliche Affäre in Bedrängnis gebracht: Als Ishino mit seiner Geliebten Chieko unterwegs ist, begegnet ihm sein Bekannter Sugiyama. Da ausgerechnet Sugiyama des Mordes beschuldigt wird und als Alibi die Begegnung mit Ishino angibt, sieht dieser seinen Ruf und seine Stellung in Gefahr. Er entschließt sich zur Falschaussage, die für Sugiyama das Todesurteil bedeuten kann.
Masako Togawas „Der Blutsauger“ ist vielleicht die Erzählung in „Japanische Kriminalgeschichten“, die am eindrücklichsten ist. Aus der Sicht von Shojiro, der offensichtlich nicht der Hellste ist, wird geschildert, dass die Insassen einer Anstalt regelmäßig von einem „Vampir“ heimgesucht und zur Blutspende gezwungen werden. Können investigative Journalisten den eigentümlichen Vorgängen auf die Spur kommen? Oder sind Shojiro und seine Leidensgenossen in ernsthafter Gefahr?
Ingrid Schusters Reclam-Bändchen „Japanische Kriminalgeschichten“ bietet insgesamt ein nettes Sammelsurium an teilweise aber nur mäßig spannenden Erzählungen. Eine schönere Zusammenstellung findet sich beispielsweise in „Totenkopf und Kimono“, auch wenn man sich hier wie dort sicherlich über die Definition von „Kriminalgeschichten“ streiten lässt.
Bibliographischen Angaben:
Schuster, Ingrid (Hrsg.): „Japanische Kriminalgeschichten“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Ota, Yuzo/Sato, Reiko & Schuster, Ingrid), Reclam, Stuttgart 1985, ISBN 3-15-008086-X)
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Sonntag, 13. April 2014
Sonntag, 2. Dezember 2012
„Blut in der Morgenröte“ herausgegeben von Janwillem van de Wetering
„Blut in der Morgenröte“, der dritte und letzte Teil der japanischen Kriminalstories, die Janwillem van de Wetering herausgegeben hat, zeichnet sich wie der erste Teil „Drachen und tote Gesichter“ dadurch aus, dass man die Krimis in dem Band suchen muss. Insbesondere da das Buchcover mit „Thriller“ gekennzeichnet ist, weckt es leider falsche Erwartungen: Der Großteil der neun Erzählungen japanischer Autoren fällt nicht in dieses Genre.
„Der Drache“ soll in Ryunosuke Akutagawas Erzählung demnächst aus einem See in den Himmel auffahren. Doch dieser Mythos, der bei den Bewohnern des Städtchens am See umgeht, geht auf einen sich verselbständigenden Scherz des langnasigen Mönchs Hanazo zurück.
Der Student Fukiya ist clever – aber arm. Um seinen Kontostand aufzubessern, heckt er einen Mord an der reichen Witwe aus, bei der sein Kommilitone Saito wohnt. Als beide verdächtigt werden, die Witwe getötet zu haben, wendet Kogoro Akechi, Japans Sherlock Holmes, eine List an: „Der psychologische Test“ soll in Edogawa Rampos Erzählung den wahren Täter überführen.
„Der Mord im Pfandleihhaus“ ist eine verzwickte Sache. Der Geschäftsführer Tsunemoto wird eines Morgens tot aufgefunden: Er ist im Tresorraum eingeschlossen worden und erstickt. Zwei wertvolle Diamantringe sind entwendet worden. Der Verdacht fällt auf die beiden Angestellten und die Inhaberin des Pfandleihhauses. Zusammen mit ihrem Verehrer löst die weibliche Angestellte Naomi den Fall in Shizuko Natsukis Kriminalgeschichte.
In „Das Rasiermesser“ zeichnet Naoya Shiga das Bild eines Barbiers, dessen Nerven im Fieberwahn mit ihm durchgehen.
„Böse Kameraden“ hat Shotaro Yasuokas Protagonist und Ich-Erzähler: Der Teenager macht die Bekanntschaft des schmuddeligen, koreanisch-stämmigen Komahiko. Komahiko wird zum Helden des Ich-Erzählers und dessen besten Freund Kurata. Denn Komahiko ist ein kleiner Rebell: Er prellt die Zeche, kennt sich im Rotlichtviertel bestens aus und ist dabei auch noch intellektuell bewandert. Die Coming-of-age-Erzählung, die während des zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs kurz vor Japans Angriff auf Pearl Harbour spielt, gleicht einem Tanz auf dem Drahtseil, der eine verrückt gewordene Welt spiegelt. Der Ich-Erzähler rebelliert gegen das Althergebrachte, will sich von seiner kleinbürgerlichen Familie abnabeln – und übt schließlich Verrat. Für mich ist Shotaro Yasuokas Erzählung das Highlight in „Blut in der Morgenröte“. Der Stoff hätte zum Roman gereicht.
In „Metro à gogo“ erzählt Kyotaro Nishimura von einer lächelnden Leiche, die erstochen in einem Kanal aufgefunden wird. In Rückblenden wird die Vergangenheit beleuchtet – und warum die Leiche im Tod so glücklich gewesen sein mag.
Junichiro Tanizakis „Aguri“ behandelt ein typisches Tanizaki-Thema: Ein alternder, von Krankheit gezeichneter Mann verausgabt sich, um seiner jungen Geliebten Anguri diverse Gefälligkeiten zu erweisen.
Mit Ogai Mori darf sich der Leser auf „Blutrache“ begeben: Die Erzählung, die auf einem Vorfall aus dem Jahr 1835 zurückgeht, ist zwar eher fad, zeichnet aber ein detailliertes Bild der legalisierten Blutrache.
„Rittlings auf der Leiche“ von Akinari Ueda findet sich auch in „Unter dem Regenmond“ als „Die blaue Kapuze“: Ein Zen-Meister macht es sich zur Aufgabe, einem wahnsinnigen Mönch, der auf der Suche nach essbarem Menschenfleisch ist, Einhalt zu gebieten.
Bibliographische Angaben:
van de Wetering, Janwillem (Hrsg.): „Blut in der Morgenröte“, Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-43075-4
„Der Drache“ soll in Ryunosuke Akutagawas Erzählung demnächst aus einem See in den Himmel auffahren. Doch dieser Mythos, der bei den Bewohnern des Städtchens am See umgeht, geht auf einen sich verselbständigenden Scherz des langnasigen Mönchs Hanazo zurück.
Der Student Fukiya ist clever – aber arm. Um seinen Kontostand aufzubessern, heckt er einen Mord an der reichen Witwe aus, bei der sein Kommilitone Saito wohnt. Als beide verdächtigt werden, die Witwe getötet zu haben, wendet Kogoro Akechi, Japans Sherlock Holmes, eine List an: „Der psychologische Test“ soll in Edogawa Rampos Erzählung den wahren Täter überführen.
„Der Mord im Pfandleihhaus“ ist eine verzwickte Sache. Der Geschäftsführer Tsunemoto wird eines Morgens tot aufgefunden: Er ist im Tresorraum eingeschlossen worden und erstickt. Zwei wertvolle Diamantringe sind entwendet worden. Der Verdacht fällt auf die beiden Angestellten und die Inhaberin des Pfandleihhauses. Zusammen mit ihrem Verehrer löst die weibliche Angestellte Naomi den Fall in Shizuko Natsukis Kriminalgeschichte.
In „Das Rasiermesser“ zeichnet Naoya Shiga das Bild eines Barbiers, dessen Nerven im Fieberwahn mit ihm durchgehen.
„Böse Kameraden“ hat Shotaro Yasuokas Protagonist und Ich-Erzähler: Der Teenager macht die Bekanntschaft des schmuddeligen, koreanisch-stämmigen Komahiko. Komahiko wird zum Helden des Ich-Erzählers und dessen besten Freund Kurata. Denn Komahiko ist ein kleiner Rebell: Er prellt die Zeche, kennt sich im Rotlichtviertel bestens aus und ist dabei auch noch intellektuell bewandert. Die Coming-of-age-Erzählung, die während des zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs kurz vor Japans Angriff auf Pearl Harbour spielt, gleicht einem Tanz auf dem Drahtseil, der eine verrückt gewordene Welt spiegelt. Der Ich-Erzähler rebelliert gegen das Althergebrachte, will sich von seiner kleinbürgerlichen Familie abnabeln – und übt schließlich Verrat. Für mich ist Shotaro Yasuokas Erzählung das Highlight in „Blut in der Morgenröte“. Der Stoff hätte zum Roman gereicht.
In „Metro à gogo“ erzählt Kyotaro Nishimura von einer lächelnden Leiche, die erstochen in einem Kanal aufgefunden wird. In Rückblenden wird die Vergangenheit beleuchtet – und warum die Leiche im Tod so glücklich gewesen sein mag.
Junichiro Tanizakis „Aguri“ behandelt ein typisches Tanizaki-Thema: Ein alternder, von Krankheit gezeichneter Mann verausgabt sich, um seiner jungen Geliebten Anguri diverse Gefälligkeiten zu erweisen.
Mit Ogai Mori darf sich der Leser auf „Blutrache“ begeben: Die Erzählung, die auf einem Vorfall aus dem Jahr 1835 zurückgeht, ist zwar eher fad, zeichnet aber ein detailliertes Bild der legalisierten Blutrache.
„Rittlings auf der Leiche“ von Akinari Ueda findet sich auch in „Unter dem Regenmond“ als „Die blaue Kapuze“: Ein Zen-Meister macht es sich zur Aufgabe, einem wahnsinnigen Mönch, der auf der Suche nach essbarem Menschenfleisch ist, Einhalt zu gebieten.
Bibliographische Angaben:
van de Wetering, Janwillem (Hrsg.): „Blut in der Morgenröte“, Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-43075-4
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Shotaro Yasuoka
Montag, 3. September 2012
„Totenkopf und Kimono“ herausgegeben von Janwillem van de Wetering
„Totenkopf und Kimono“ ist nach „Drachen und tote Gesichter“ der zweite Teil der Reihe „Japanische Kriminalstories“, herausgegeben von Janwillem van de Wetering.
Der Band beginnt mit Ryunosuke Akutagawas „Tod eines Samurais“. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird der gewaltsame Tod eines Samurais beleuchtet – doch wer war nun wirklich der Mörder?
„Die rote Kammer“, ist der Platz, an dem sich Edogawa Rampos Charaktere treffen. Gelangweilte Männer wollen sich hier mit Horrorgeschichten die Zeit vertreiben. Tanaka beginnt an diesem Abend ein schauderliches Geständnis: Er habe schon 99 Menschen getötet, ohne dabei zur Rechenschaft gezogen werden zu können.
„Ein richtig kleiner Teufel“ terrorisiert seine Mitschüler in der Grundschule. Wer sich mit Ono anlegt, bekommt in Seiichi Morimuras Geschichte alsbald eine böse Retourkutsche. Tiere sterben, Menschen werden in Lebensgefahr gebracht, doch dem Bengel können seine Missetaten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Makiko, die Mutter eines Mitschülers von Ono, wird am eigenen Leib erfahren, welche Gründe noch hinter Onos Verhalten stecken.
„Der Traumsoldat“ von Kobo Abe ist ein ausgehungerter Deserteur, der sich während der Kriegszeit einem eingeschneiten Dorf nähert. Die Einwohner haben Angst: Wie wird sich der bewaffnete Mann verhalten, wenn er im Dorf ankommt?
„Der Abschiedsbrief“ von Misae liest sich in den Augen ihrer Schwester Mitsue etwas seltsam. In Takao Tsuchiyas Geschichte wird Misaes Selbstmord dank Mitsue für den Leser in ein neues Licht gerückt.
Yoh Sano erzählt in „Maskenmord“ in Form von Dialogen von der Aufklärung ominöser Todesfälle, die alle mit einer täuschend echt aussehenden Affenmaske zu tun haben.
Haruto Kos Protagonist Ohizumi hat den „Schwarzmarkt Blues“. Ohizumi handelt während der Nachkriegsjahre illegal mit Dollar. Eigentlich sollte er sich langsam auf legale Geschäfte verlegen, wäre da nicht dieser eine letzte, große Deal. Wenn der mal nicht in die Hose geht…
In Shizuko Natsuki „Schrei von der Klippe“ wird Shinichi zu seinem ehemaligen Mitschüler Sugio nach Hause eingeladen. Sugio ist ein gescheiterter Künstler, der aufopferungsvoll von seiner Ehefrau Maiko umsorgt wird. Doch eines Abends ändert sich das ohnehin fragwürdige Familienidyll am Meer.
Taro Usami wird ausgerechnet in der Herberge zur Glückseligkeit vergiftet, während er mit seinen Kollegen feiert. Inspektor Kono findet in Eitaro Ishizawas Erzählung heraus, dass er „Der Mann, der zuviel wusste“ war.
Im Gegensatz zum ersten Band der Reihe tummeln sich in „Totenkopf und Kimono“ nun wirklich Kriminalstories. Einzig die gleichnamige Geschichte des Herausgebers, die den japanischen Erzählungen nachgestellt ist, wirkt wie ein Fremdkörper.
Der Band beginnt mit Ryunosuke Akutagawas „Tod eines Samurais“. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird der gewaltsame Tod eines Samurais beleuchtet – doch wer war nun wirklich der Mörder?
„Die rote Kammer“, ist der Platz, an dem sich Edogawa Rampos Charaktere treffen. Gelangweilte Männer wollen sich hier mit Horrorgeschichten die Zeit vertreiben. Tanaka beginnt an diesem Abend ein schauderliches Geständnis: Er habe schon 99 Menschen getötet, ohne dabei zur Rechenschaft gezogen werden zu können.
„Ein richtig kleiner Teufel“ terrorisiert seine Mitschüler in der Grundschule. Wer sich mit Ono anlegt, bekommt in Seiichi Morimuras Geschichte alsbald eine böse Retourkutsche. Tiere sterben, Menschen werden in Lebensgefahr gebracht, doch dem Bengel können seine Missetaten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Makiko, die Mutter eines Mitschülers von Ono, wird am eigenen Leib erfahren, welche Gründe noch hinter Onos Verhalten stecken.
„Der Traumsoldat“ von Kobo Abe ist ein ausgehungerter Deserteur, der sich während der Kriegszeit einem eingeschneiten Dorf nähert. Die Einwohner haben Angst: Wie wird sich der bewaffnete Mann verhalten, wenn er im Dorf ankommt?
„Der Abschiedsbrief“ von Misae liest sich in den Augen ihrer Schwester Mitsue etwas seltsam. In Takao Tsuchiyas Geschichte wird Misaes Selbstmord dank Mitsue für den Leser in ein neues Licht gerückt.
Yoh Sano erzählt in „Maskenmord“ in Form von Dialogen von der Aufklärung ominöser Todesfälle, die alle mit einer täuschend echt aussehenden Affenmaske zu tun haben.
Haruto Kos Protagonist Ohizumi hat den „Schwarzmarkt Blues“. Ohizumi handelt während der Nachkriegsjahre illegal mit Dollar. Eigentlich sollte er sich langsam auf legale Geschäfte verlegen, wäre da nicht dieser eine letzte, große Deal. Wenn der mal nicht in die Hose geht…
In Shizuko Natsuki „Schrei von der Klippe“ wird Shinichi zu seinem ehemaligen Mitschüler Sugio nach Hause eingeladen. Sugio ist ein gescheiterter Künstler, der aufopferungsvoll von seiner Ehefrau Maiko umsorgt wird. Doch eines Abends ändert sich das ohnehin fragwürdige Familienidyll am Meer.
Taro Usami wird ausgerechnet in der Herberge zur Glückseligkeit vergiftet, während er mit seinen Kollegen feiert. Inspektor Kono findet in Eitaro Ishizawas Erzählung heraus, dass er „Der Mann, der zuviel wusste“ war.
Im Gegensatz zum ersten Band der Reihe tummeln sich in „Totenkopf und Kimono“ nun wirklich Kriminalstories. Einzig die gleichnamige Geschichte des Herausgebers, die den japanischen Erzählungen nachgestellt ist, wirkt wie ein Fremdkörper.
Bibliographische Angaben:
van de Wetering, Janwillem (Hrsg.): Totenkopf und Kimono, Rowohlt,
Reinbek 1994, ISBN 3-499-43062-2
Labels:
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Krimi,
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Ryunosuke Akutagawa,
Seiichi Morimura,
Shizuko Natsuki,
Takao Tsuchiya,
Totenkopf und Kimono,
Yoh Sano
Dienstag, 17. Juli 2012
„Drachen und tote Gesichter“ herausgegeben von Janwillem van de Wetering
Neben einer kurzen Erzählung des Herausgebers Janwillem van de Wetering enthält „Drachen und tote Gesichter“ Werke der Autoren Junichiro Tanizaki, Masako Togawa, Ryunosuke Akutagawa, Edogawa Rampo, Yasushi Inoue, Yukio Mishima, Kyotaro Nishimura, Tohru Myoshi und Tadao Sohno.
Junichiro Tanizaki widmet sich in „Der Dieb“ dem Psychogramm eines Langfingers.
Masako Togawas „Der Vampir“ zeichnet eine verstörende Situation: Jiro mit der Blutgruppe AB-Rhesus-negativ hat eine besondere Stellung im Schlafsaal inne, denn sein Blut ist besonders selten. Im Gegensatz zu den anderen wird er nur selten zum Vampir zur Blutspende geschickt. Dem folgt meist die Abnahme von „weißem Blut“ durch die Krankenschwester. Als einer von Jiros Kollegen aus dem Schlafsaal flieht, wird die Situation nicht nur für die Krankenhausangestellten immer brenzliger.
Ryunosuke Akutagawas „Der Höllenschirm“ führt in ein höfisches Milieu zu einem Maler, der besonders realgetreu malen kann, wenn er das entsprechende Modell vor sich hat. Als er einen Wandschirm mit einem Höllenmotiv bemalen soll, wird sein Vorgehen immer entsetzlicher.
Edogawa Rampos tragischer Held in „Die verspiegelte Hölle“ hängt einer Besessenheit nach: Er ist fasziniert von Spiegeleffekten und Linsen. Was zunächst als harmlose Spielerei in Form von Zaubertricks beginnt, endet im Wahn.
Der „Vollmond“ begleitet Yasushi Inoues Protagonisten bei Aufstieg und Fall.
„Tod im Hochsommer“ bei Yukio Mishima: Eine Mutter verliert bei einem Badeurlaub sowohl zwei Kinder als auch die Schwägerin. Selbstvorwürfe und ein Ehemann, der mit der Situation nicht so recht umgehen kann, begleiten Tomoko lange Zeit, bis sie sich von dem Schock und dem Verlust langsam erholen kann.
„Der freundliche Erpresser“ taucht in Shinkichis Friseurladen auf. In Kyotaro Nishimuras Erzählung muss der unglückliche Friseur ordentlich Geld bluten für eine blutige Angelegenheit der Vergangenheit.
„Der Brief aus der Vergangenheit“ lässt Tohru Myoshis Protagonisten nicht mehr los: Der Zeitungsredakteur wittert seine Chance, einen als Selbstmord deklarierten Mord aufzuklären. Um seine Karriere anzuschieben, fängt er auf eigene Faust an, zu ermitteln.
Als ein menschlicher Schädel im Müll gefunden wird, soll eine „Rekonstruktion eines Gesichts“ erfolgen. Tadao Sohnos Held Koike wird damit beauftragt, dem Schädel sein menschliches Aussehen zurück zu geben. Aus einer unerwarteten Richtung kommt ihm dabei Unterstützung zu Gute.
In „Drachen und tote Gesichter“ findet sich ein kurzweiliges Potpourri von Erzählungen japanischer Autoren. Jedoch irritiert die Auswahl des mit „Japanische Kriminalstories 1“ untertitelten Bandes etwas. Wenn man unter Kriminalstories Geschichten versteht, die sich um die Aufklärung eines Verbrechens drehen, dann gehören die Erzählungen von Ryunoskue Akutagawa, Edogawa Rampo, Yasushi Inoue und Yukio Mishima hier nicht dazu. Mein persönliches Highlight: „Der Vampir" von Masako Togawa.
Bibliographische Angaben:
van de Wetering, Janwillem (Hrsg.): „Drachen und tote Gesichter“, Rowohlt, Reinbek 1993, ISBN 3-499-43036-3
Junichiro Tanizaki widmet sich in „Der Dieb“ dem Psychogramm eines Langfingers.
Masako Togawas „Der Vampir“ zeichnet eine verstörende Situation: Jiro mit der Blutgruppe AB-Rhesus-negativ hat eine besondere Stellung im Schlafsaal inne, denn sein Blut ist besonders selten. Im Gegensatz zu den anderen wird er nur selten zum Vampir zur Blutspende geschickt. Dem folgt meist die Abnahme von „weißem Blut“ durch die Krankenschwester. Als einer von Jiros Kollegen aus dem Schlafsaal flieht, wird die Situation nicht nur für die Krankenhausangestellten immer brenzliger.
Ryunosuke Akutagawas „Der Höllenschirm“ führt in ein höfisches Milieu zu einem Maler, der besonders realgetreu malen kann, wenn er das entsprechende Modell vor sich hat. Als er einen Wandschirm mit einem Höllenmotiv bemalen soll, wird sein Vorgehen immer entsetzlicher.
Edogawa Rampos tragischer Held in „Die verspiegelte Hölle“ hängt einer Besessenheit nach: Er ist fasziniert von Spiegeleffekten und Linsen. Was zunächst als harmlose Spielerei in Form von Zaubertricks beginnt, endet im Wahn.
Der „Vollmond“ begleitet Yasushi Inoues Protagonisten bei Aufstieg und Fall.
„Tod im Hochsommer“ bei Yukio Mishima: Eine Mutter verliert bei einem Badeurlaub sowohl zwei Kinder als auch die Schwägerin. Selbstvorwürfe und ein Ehemann, der mit der Situation nicht so recht umgehen kann, begleiten Tomoko lange Zeit, bis sie sich von dem Schock und dem Verlust langsam erholen kann.
„Der freundliche Erpresser“ taucht in Shinkichis Friseurladen auf. In Kyotaro Nishimuras Erzählung muss der unglückliche Friseur ordentlich Geld bluten für eine blutige Angelegenheit der Vergangenheit.
„Der Brief aus der Vergangenheit“ lässt Tohru Myoshis Protagonisten nicht mehr los: Der Zeitungsredakteur wittert seine Chance, einen als Selbstmord deklarierten Mord aufzuklären. Um seine Karriere anzuschieben, fängt er auf eigene Faust an, zu ermitteln.
Als ein menschlicher Schädel im Müll gefunden wird, soll eine „Rekonstruktion eines Gesichts“ erfolgen. Tadao Sohnos Held Koike wird damit beauftragt, dem Schädel sein menschliches Aussehen zurück zu geben. Aus einer unerwarteten Richtung kommt ihm dabei Unterstützung zu Gute.
In „Drachen und tote Gesichter“ findet sich ein kurzweiliges Potpourri von Erzählungen japanischer Autoren. Jedoch irritiert die Auswahl des mit „Japanische Kriminalstories 1“ untertitelten Bandes etwas. Wenn man unter Kriminalstories Geschichten versteht, die sich um die Aufklärung eines Verbrechens drehen, dann gehören die Erzählungen von Ryunoskue Akutagawa, Edogawa Rampo, Yasushi Inoue und Yukio Mishima hier nicht dazu. Mein persönliches Highlight: „Der Vampir" von Masako Togawa.
Bibliographische Angaben:
van de Wetering, Janwillem (Hrsg.): „Drachen und tote Gesichter“, Rowohlt, Reinbek 1993, ISBN 3-499-43036-3
Labels:
Drachen und tote Gesichter,
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Erzählungen,
Junichiro Tanizaki,
Krimi,
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Tadao Sohno,
Tohru Myoshi,
Yasushi Inoue,
Yukio Mishima
Freitag, 20. Januar 2012
„Spiegelhölle“ von Edogawa Rampo
Der Band „Spiegelhölle“ von Edogawa Rampo enthält insgesamt acht Erzählungen des japanischen Krimiautors – teilweise Kriminalgeschichten, aber auch recht bizarre Erzählungen.
„Zwei Versehrte“ treffen sich in einem Kurort und erzählen sich ihre Lebens- und Leidensgeschichte. Saito ist vom Krieg entstellt und berichtet von seinen Erlebnissen an der Front. Iharas Geschichte ist die eines Mordes. Doch wird Iharas Deutung der Geschehnisse durch Saito in Frage gestellt.
Die „Zwillinge“ könnten nicht unterschiedlicher sein: Ein ernsthafter Erstgeborener (wenn auch nur um wenige Sekunden) und ein verschwenderischer Zweitgeborener. Als der Jüngere sein Erbe verprasst hat, schmiedet er einen teuflischen Plan, um den Platz seines Bruders einzunehmen.
In „Der psychologische Test“ hat Kogoro Akechi, Japans Sherlock Holmes, einen Auftritt. Ihm obliegt die Deutung eines Tests, der einen von zwei Studenten des Mordes überführen soll.
„Das rote Zimmer“ ist ein Ort, an dem sich gelangweilte Männer treffen und sich gegenseitig mit obskuren Geschichten unterhalten. Ein Neuzugang in der illustren Runde schockiert die Herren: Er habe schon fast hundert Menschen getötet ohne nur ein einziges Mal des Mordes bezichtigt zu werden. Seine Methoden sind raffiniert…
Bizarr ist die Geschichte „Der Sesselmann“. Ein Sesselmacher gibt sich einer ganz besonderen Obsession hin: Er fertigt einen Sessel, in dessen Inneres er hineinkriechen kann und so – nur getrennt durch die Lederbespannung – auf Tuchfühlung mit den Personen geht, die auf dem Sessel Platz nehmen.
Auch der tragische Held der „Spiegelhölle“ hängt einer Besessenheit nach: Er ist fasziniert von Spiegeleffekten und Linsen. Was zunächst als harmlose Spielerei in Form von Zaubertricks beginnt, endet im Wahn.
„Die Raupe“ ist eine Erzählung, die Gänsehaut und Beklemmungen verursacht: Tokiko pflegt seit drei Jahren ihren Ehemann, der im Krieg mehrfache Verletzungen erlitten hat. Arme und Beine mussten amputiert werden. Von den Gliedmaßen sind nur noch kleine Stummel vorhanden. Zudem ist er taub und kann sich nicht mehr artikulieren. Während Tokiko nach außen hin wie die aufopferungsvolle Ehefrau wirkt, hegt sie ihrem Mann gegenüber mehr und mehr sadistische Gefühle und liebt es, ihn zu quälen. Neben der geradezu entsetzlichen Situation des verkrüppelten Soldaten wird in „Die Raupe“ zudem geschildert, wie wenig der „Soldatenruhm“ von Bestand ist. Aufgrund dieser kritischen Handlung war „Die Raupe“ während des zweiten Weltkriegs in Japan verboten.
„Auf der Klippe“ sitzt ein Ehepaar und spricht sich aus: Die Ehefrau erzählt von dem niederträchtigen Spiel ihres Ex-Ehemannes, der versucht hatte, durch Mord an ihr Vermögen zu kommen. Doch wie verhält es sich in dieser Intrige mit der Rolle ihres neuen Partners?
Während Edogawa Rampos Kriminalgesichten in „Spiegelhölle“ alle um anscheinend perfekte Morde kreisen und harmlose Unterhaltung sind, fesseln die bizarren Erzählungen „Spiegelhölle“, „Der Sesselmann“ und insbesondere „Die Raupe“ viel mehr. Letztere hallt geradezu nach und verursacht selbst nach der Lektüre noch beklemmende Gänsehaut.
„Zwei Versehrte“ treffen sich in einem Kurort und erzählen sich ihre Lebens- und Leidensgeschichte. Saito ist vom Krieg entstellt und berichtet von seinen Erlebnissen an der Front. Iharas Geschichte ist die eines Mordes. Doch wird Iharas Deutung der Geschehnisse durch Saito in Frage gestellt.
Die „Zwillinge“ könnten nicht unterschiedlicher sein: Ein ernsthafter Erstgeborener (wenn auch nur um wenige Sekunden) und ein verschwenderischer Zweitgeborener. Als der Jüngere sein Erbe verprasst hat, schmiedet er einen teuflischen Plan, um den Platz seines Bruders einzunehmen.
In „Der psychologische Test“ hat Kogoro Akechi, Japans Sherlock Holmes, einen Auftritt. Ihm obliegt die Deutung eines Tests, der einen von zwei Studenten des Mordes überführen soll.
„Das rote Zimmer“ ist ein Ort, an dem sich gelangweilte Männer treffen und sich gegenseitig mit obskuren Geschichten unterhalten. Ein Neuzugang in der illustren Runde schockiert die Herren: Er habe schon fast hundert Menschen getötet ohne nur ein einziges Mal des Mordes bezichtigt zu werden. Seine Methoden sind raffiniert…
Bizarr ist die Geschichte „Der Sesselmann“. Ein Sesselmacher gibt sich einer ganz besonderen Obsession hin: Er fertigt einen Sessel, in dessen Inneres er hineinkriechen kann und so – nur getrennt durch die Lederbespannung – auf Tuchfühlung mit den Personen geht, die auf dem Sessel Platz nehmen.
Auch der tragische Held der „Spiegelhölle“ hängt einer Besessenheit nach: Er ist fasziniert von Spiegeleffekten und Linsen. Was zunächst als harmlose Spielerei in Form von Zaubertricks beginnt, endet im Wahn.
„Die Raupe“ ist eine Erzählung, die Gänsehaut und Beklemmungen verursacht: Tokiko pflegt seit drei Jahren ihren Ehemann, der im Krieg mehrfache Verletzungen erlitten hat. Arme und Beine mussten amputiert werden. Von den Gliedmaßen sind nur noch kleine Stummel vorhanden. Zudem ist er taub und kann sich nicht mehr artikulieren. Während Tokiko nach außen hin wie die aufopferungsvolle Ehefrau wirkt, hegt sie ihrem Mann gegenüber mehr und mehr sadistische Gefühle und liebt es, ihn zu quälen. Neben der geradezu entsetzlichen Situation des verkrüppelten Soldaten wird in „Die Raupe“ zudem geschildert, wie wenig der „Soldatenruhm“ von Bestand ist. Aufgrund dieser kritischen Handlung war „Die Raupe“ während des zweiten Weltkriegs in Japan verboten.
„Auf der Klippe“ sitzt ein Ehepaar und spricht sich aus: Die Ehefrau erzählt von dem niederträchtigen Spiel ihres Ex-Ehemannes, der versucht hatte, durch Mord an ihr Vermögen zu kommen. Doch wie verhält es sich in dieser Intrige mit der Rolle ihres neuen Partners?
Während Edogawa Rampos Kriminalgesichten in „Spiegelhölle“ alle um anscheinend perfekte Morde kreisen und harmlose Unterhaltung sind, fesseln die bizarren Erzählungen „Spiegelhölle“, „Der Sesselmann“ und insbesondere „Die Raupe“ viel mehr. Letztere hallt geradezu nach und verursacht selbst nach der Lektüre noch beklemmende Gänsehaut.
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Montag, 16. Januar 2012
Edogawa Rampo
Edogawa Rampo (manchmal auch: Ranpo), der eigentlich Taro Hirai hieß, benannte sich in Anlehnung an den von ihm verehrten Edgar Allan Poe mit diesem Pseudonym. 1894 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Nabari geboren, studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Waseda Universität. Nach seinem Abschluss ging er den unterschiedlichsten Arbeitstätigkeiten nach, z.B. Soba-Verkäufer, Cartoon-Zeichner etc.
1923 debütierte Edogawa Rampo mit seiner ersten Kriminalgeschichte in einer Literaturzeitschrift. Damit gilt er als erster Kriminalautor Japans, auch wenn andere japanische Autoren vor ihm bereits Elemente des Krimis verwendet hatten. Viele weitere Geschichten folgten, unter anderem mit dem Protagonisten Kogoro Akechi, der als japanische Variante von Sherlock Holmes bekannt ist.
Nach dem zweiten Weltkrieg, den Edogawa Rampo unterernährt überlebte, widmete er sich der Förderung von Kriminalgeschichten: Er gründete die Zeitschrift Hoseki, die sich mit Krimis befasste, und einen Club für Krimiautoren. Viele von Edogawa Rampos Werken wurden nun verfilmt.
1965 starb Edogawa Rampo an einer Gehirnblutung.
Seit 1955 wird mit dem Edogawa Rampo-Preis jährlich ein japanischer Krimi-Schriftsteller ausgezeichnet. Unter den Preisträgern befinden sich Autoren wie Masako Togawa, Keigo Higashino und Natsuo Kirino.
Interessante Links:
Ins Deutsche übersetzte Erzählungen und hier rezensiert:
1923 debütierte Edogawa Rampo mit seiner ersten Kriminalgeschichte in einer Literaturzeitschrift. Damit gilt er als erster Kriminalautor Japans, auch wenn andere japanische Autoren vor ihm bereits Elemente des Krimis verwendet hatten. Viele weitere Geschichten folgten, unter anderem mit dem Protagonisten Kogoro Akechi, der als japanische Variante von Sherlock Holmes bekannt ist.
Nach dem zweiten Weltkrieg, den Edogawa Rampo unterernährt überlebte, widmete er sich der Förderung von Kriminalgeschichten: Er gründete die Zeitschrift Hoseki, die sich mit Krimis befasste, und einen Club für Krimiautoren. Viele von Edogawa Rampos Werken wurden nun verfilmt.
1965 starb Edogawa Rampo an einer Gehirnblutung.
Seit 1955 wird mit dem Edogawa Rampo-Preis jährlich ein japanischer Krimi-Schriftsteller ausgezeichnet. Unter den Preisträgern befinden sich Autoren wie Masako Togawa, Keigo Higashino und Natsuo Kirino.
Interessante Links:
- Chronologische Biographie von Edogawa Rampo
Ins Deutsche übersetzte Erzählungen und hier rezensiert:
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