Labels

Dienstag, 17. Juli 2012

„Drachen und tote Gesichter“ herausgegeben von Janwillem van de Wetering

Neben einer kurzen Erzählung des Herausgebers Janwillem van de Wetering enthält „Drachen und tote Gesichter“ Werke der Autoren Junichiro Tanizaki, Masako Togawa, Ryunosuke Akutagawa, Edogawa Rampo, Yasushi Inoue, Yukio Mishima, Kyotaro Nishimura, Tohru Myoshi und Tadao Sohno.

Junichiro Tanizaki widmet sich in „Der Dieb“ dem Psychogramm eines Langfingers.

Masako Togawas „Der Vampir“ zeichnet eine verstörende Situation: Jiro mit der Blutgruppe AB-Rhesus-negativ hat eine besondere Stellung im Schlafsaal inne, denn sein Blut ist besonders selten. Im Gegensatz zu den anderen wird er nur selten zum Vampir zur Blutspende geschickt. Dem folgt meist die Abnahme von „weißem Blut“ durch die Krankenschwester. Als einer von Jiros Kollegen aus dem Schlafsaal flieht, wird die Situation nicht nur für die Krankenhausangestellten immer brenzliger.

Ryunosuke Akutagawas „Der Höllenschirm“ führt in ein höfisches Milieu zu einem Maler, der besonders realgetreu malen kann, wenn er das entsprechende Modell vor sich hat. Als er einen Wandschirm mit einem Höllenmotiv bemalen soll, wird sein Vorgehen immer entsetzlicher.

Edogawa Rampos tragischer Held in „Die verspiegelte Hölle“ hängt einer Besessenheit nach: Er ist fasziniert von Spiegeleffekten und Linsen. Was zunächst als harmlose Spielerei in Form von Zaubertricks beginnt, endet im Wahn.

Der „Vollmond“ begleitet Yasushi Inoues Protagonisten bei Aufstieg und Fall.

„Tod im Hochsommer“ bei Yukio Mishima: Eine Mutter verliert bei einem Badeurlaub sowohl zwei Kinder als auch die Schwägerin. Selbstvorwürfe und ein Ehemann, der mit der Situation nicht so recht umgehen kann, begleiten Tomoko lange Zeit, bis sie sich von dem Schock und dem Verlust langsam erholen kann.

„Der freundliche Erpresser“ taucht in Shinkichis Friseurladen auf. In Kyotaro Nishimuras Erzählung muss der unglückliche Friseur ordentlich Geld bluten für eine blutige Angelegenheit der Vergangenheit.

„Der Brief aus der Vergangenheit“ lässt Tohru Myoshis Protagonisten nicht mehr los: Der Zeitungsredakteur wittert seine Chance, einen als Selbstmord deklarierten Mord aufzuklären. Um seine Karriere anzuschieben, fängt er auf eigene Faust an, zu ermitteln.

Als ein menschlicher Schädel im Müll gefunden wird, soll eine „Rekonstruktion eines Gesichts“ erfolgen. Tadao Sohnos Held Koike wird damit beauftragt, dem Schädel sein menschliches Aussehen zurück zu geben. Aus einer unerwarteten Richtung kommt ihm dabei Unterstützung zu Gute.

In „Drachen und tote Gesichter“ findet sich ein kurzweiliges Potpourri von Erzählungen japanischer Autoren. Jedoch irritiert die Auswahl des mit „Japanische Kriminalstories 1“ untertitelten Bandes etwas. Wenn man unter Kriminalstories Geschichten versteht, die sich um die Aufklärung eines Verbrechens drehen, dann gehören die Erzählungen von Ryunoskue Akutagawa, Edogawa Rampo, Yasushi Inoue und Yukio Mishima hier nicht dazu. Mein persönliches Highlight: „Der Vampir" von Masako Togawa.

Bibliographische Angaben:
van de Wetering, Janwillem (Hrsg.): „Drachen und tote Gesichter“, Rowohlt, Reinbek 1993, ISBN 3-499-43036-3

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen