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Montag, 21. März 2022

"Tamons Geschichte" von Seishu Hase

Wer den Film "Amores Perros" von Alejandro González Iñárritu kennt und mag, der wird von den ersten Kapiteln von Seishu Hases "Tamons Geschichte" sicherlich genauso begeistert sein. Auch hier geht es um die Liebe zum Hund: Tamon ist eine Schäferhundmischung und als Ausreißer nach dem Tohoku-Beben in Japan unterwegs. Er macht bei den unterschiedlichsten Personen Halt, die in ihm einen treuen Gefährten entdecken, dem jedoch eine gewisse Getriebenheit inne wohnt.

Tamon verbleibt lange genug bei seinen Interims-Herrchen und -Frauchen, um deren Leben zu verändern, zieht aber irgendwann weiter, um bei jemand anderem Station zu machen. Es drängt ihn Richtung Süden - wen will er dort finden?

Dabei sollte man zumindest in den ersten Kapiteln nicht erwarten, dass der Plot für Zartbesaitete ist. Gegen Ende wendet sich die Handlung jedoch zur Rührseligkeit hin. Die ersten Geschichten sind jedoch turbulent, spannend und geradezu dramatisch. Insofern hat mich der Hunde-Roman nach den ganzen japanischen Katzen-Neuveröffentlichungen mega mitgerissen.

Ein bisschen schade ist es allerdings, dass die Cover-Gestaltung mehr an ein Nachschlagewerk für Jagdhunderassen erinnert als einen packenden Roman und dass noch nicht einmal der Klappentext korrekt ist. Mich hat das Buch allein wegen des drögen Titelbildes zuerst überhaupt nicht angesprochen. Der Roman überzeugt dann aber recht schnell vom Gegenteil.

Bibliographische Angaben:
Hase, Seishu: "Tamons Geschichte" (Übersetzung aus dem Japanischen: Steggewentz, Luise), Hoffmann & Campe, Hamburg 2022, ISBN 978-3-455-01401-3

Sonntag, 20. März 2022

Seishu Hase

Seishu Hase wurde 1965 als Toshihito Bando auf Hokkaido geboren. Nach seinem Oberschulabschluss auf Hokkaido ging er nach Yokohama, um dort zu studieren. 1987 schloss er sein Studium ab.

Zunächst arbeitete er als Redakteur und Spieleautor und publizierte unter dem Namen Riku Kogami Science Fiction-Romane. 1996 veröffentlichte er als Seishu Hase den Roman „Fuyajo“/“Sleepless Town“. Der Krimi, der in Shinjuku spielt und von einem Konflikt mit der chinesischen Mafia handelt, wurde ein Bestseller, für den Naoki-Preis nominiert und zwei Jahre später verfilmt. Sein Pseudonym wählte er in Anlehnung an den Filmemacher Stephen Chow. Die Schriftzeichen dessen Namens (周星馳) ergeben in umgekehrter Reihenfolge im Japanischen Seishu Hase (馳 星周).

2020 gewann der Autor den Naoki-Preis für „Tamons Geschichte“.

Ins Deutsche übersetzte Romane und hier rezensiert:


Interessante Links:

Freitag, 18. März 2022

"Heaven" von Mieko Kawakami

Mieko Kawakamis "Heaven" ist die mehr als beklemmende Geschichte zweier Außenseiter, die in der Schule gemobbt, malträtiert und gequält werden. Da ist einerseits der männliche Protagonist und Ich-Erzähler, der wegen seines Schielauges anders als die anderen Schüler ist. Und da ist Kojima, die sich bewusst fürs Anderssein entscheidet.

Kojima sieht in dem Ich-Erzähler, einen Seelenverwandten, dem sie heimlich Briefe schreibt. Schließlich treffen sich die beiden und eine zarte Freundschaft beginnt, zu entstehen. Doch die Quälereien der anderen eskalieren immer weiter. Dem Protagonisten wird es peinlich, dass Kojima miterlebt, wie ihm Gewalt angetan wird. Zudem kann er es nicht ertragen, Zeuge von Kojimas Leid zu sein.

Die Situation wird immer verfahrener, als er einen seiner Peiniger namens Momose zur Rede stellt. Momose bringt das Weltbild des Protagonisten ins Wanken als er die Beliebigkeit der Wahl der Mobbing-Opfer thematisiert.

"Heaven" war für mich teilweise sehr schwer verdaulich. Zwischendurch habe ich das Buch zur Seite legen müssen, weil es schier unerträglich war, was sich die boshaften Mitschüler nun wieder ausgedacht haben. Dies dann gepaart mit einer moralischen und emotionalen Verrohung der Gleichaltrigen plus der quasi-religiösen Märtyrerattitüde Kojimas - da war "Heaven" so gar keine himmlische Lektüre, sondern ein Blick in die Hölle auf Erden.

Einen Lichtblick gab es dennoch, wenn auch auf ungewöhnliche Weise: Mutterliebe muss nicht nur von der leiblichen Mutter kommen; Blut ist nicht immer dicker als Wasser.

Bibliographische Angaben:
Kawakami, Mieko: "Heaven" (Übersetzung aus dem Japanischen: Busson, Katja), Dumont, Köln 2021, ISBN 978-3-8321-8374-5

Donnerstag, 17. März 2022

Mieko Kawakami

Mieko Kawakami
(Photocredit: Creative
Commons-Lizenz)
Mieko Kawakami ist sowohl als Schriftstellerin als auch als Sängerin bekannt. Sie wurde 1976 in Osaka geboren, wo sie auch zur Schule ging und nach dem Abitur unter anderem als Hostess arbeitete. 1996 begann sie ein Studium in Tokio.

2002 debütierte sie als Sängerin; insgesamt veröffentlichte sie drei Alben.

Ihr Blog “Critique of Pure Sadness”, der ihre musikalische Karriere promoten sollte, erschien 2006 in Buchform. Für ihren Roman „Brüste und Eier“ erhielt sie 2008 den Akutagawa-Literaturpreis. Es folgten unter anderem der Murasaki-Preis für „Heaven“ (2010), der Tanizaki-Preis für „Love Dreams“ (2013) und Mainichi-Preis für „Summer Story“ (2019).

In erster Ehe war Mieko Kawakami mit einem Mitarbeiter ihrer Plattenfirma verheiratet, ließ sich aber 2010 scheiden. 2011 heiratete sie den Autor Kazushige Abe, mit dem sie einen Sohn hat.

Hier rezensiert:


Weitere ins Deutsche übersetzte Romane:

  • Brüste und Eier

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