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Donnerstag, 8. August 2024

"All die Liebenden der Nacht" von Mieko Kawakami

Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Auch wenn das Leben der anderen von außen betrachtet bequem erscheint, so ist das oft ein Trugschluss. Kein Lebenskonzept führt zwangsläufig zum Glück. So ist zumindest meine Lesart von Mieko Kawakamis "All die Liebenden der Nacht".

Die Hauptfigur ist Fuyuko, die bereits in der Schulzeit für andere quasi unsichtbar war. So unsichtbar, dass sie noch nicht einmal als Mobbing-Opfer herhalten konnte. In der Firma, in der sie mit Mitte 30 als Korrekturleserin arbeitet, findet sie keinen Anschluss und so macht sie sich schließlich irgendwann selbstständig, um der unangenehmen Stimmung im Büro zu entfliehen. Als Single ist sie im Home Office natürlich allein, einsam, isoliert und beginnt, sich zu betrinken. Betrunken wagt sie sich etwas aus ihrem Schneckenhaus. Sie freundet sich mit Herrn Mitsutsuka an. Trifft sich erst einmal, dann zweimal die Woche mit ihm. 

Normalerweise feiert Fuyuko ihren Geburtstag im Dezember allein mit ihrem persönlichen Ritual: einem winterlichen Nachtspaziergang. Denn Nachts, das feiern wenigstens die Lichter der Stadt ihren Geburtstag. Doch das Jahr, in dem sie mit Herrn Mitsutsuka feiern will, mag ein Wendepunkt in Fuyukos Leben werden.

Hijiri, Fuyukos Auftraggeberin für Korrekturarbeiten, ist dagegen ein ganz anderes Kaliber. Sie lebt ihr Leben in vollen Zügen, steht für ihre Meinung ein und eckt deswegen oft an. 

Fuyukos einzige Freundin aus der Schulzeit hat sich hingegen für eine Ehe mit Kindern entschieden - aber macht das Zusammenleben auch glücklich oder ist sie etwa in einer Sackgasse gelandet?

Für die Lektüre von "All die Liebenden der Nacht" habe ich zwei Anläufe gebraucht. Zunächst konnte ich mit der Protagonistin überhaupt nicht warm werden. Die zweite Hälfte des Buchs hat mich schließlich doch gefesselt. Und das Ende? Überraschend!

Bibliographische Angaben:
Kawakami, Mieko: "All die Liebenden der Nacht" (Übersetzung aus dem Japanischen: Busson, Katja), Dumont, Köln 2023, ISNB 978-3832182298

Freitag, 18. März 2022

"Heaven" von Mieko Kawakami

Mieko Kawakamis "Heaven" ist die mehr als beklemmende Geschichte zweier Außenseiter, die in der Schule gemobbt, malträtiert und gequält werden. Da ist einerseits der männliche Protagonist und Ich-Erzähler, der wegen seines Schielauges anders als die anderen Schüler ist. Und da ist Kojima, die sich bewusst fürs Anderssein entscheidet.

Kojima sieht in dem Ich-Erzähler, einen Seelenverwandten, dem sie heimlich Briefe schreibt. Schließlich treffen sich die beiden und eine zarte Freundschaft beginnt, zu entstehen. Doch die Quälereien der anderen eskalieren immer weiter. Dem Protagonisten wird es peinlich, dass Kojima miterlebt, wie ihm Gewalt angetan wird. Zudem kann er es nicht ertragen, Zeuge von Kojimas Leid zu sein.

Die Situation wird immer verfahrener, als er einen seiner Peiniger namens Momose zur Rede stellt. Momose bringt das Weltbild des Protagonisten ins Wanken als er die Beliebigkeit der Wahl der Mobbing-Opfer thematisiert.

"Heaven" war für mich teilweise sehr schwer verdaulich. Zwischendurch habe ich das Buch zur Seite legen müssen, weil es schier unerträglich war, was sich die boshaften Mitschüler nun wieder ausgedacht haben. Dies dann gepaart mit einer moralischen und emotionalen Verrohung der Gleichaltrigen plus der quasi-religiösen Märtyrerattitüde Kojimas - da war "Heaven" so gar keine himmlische Lektüre, sondern ein Blick in die Hölle auf Erden.

Einen Lichtblick gab es dennoch, wenn auch auf ungewöhnliche Weise: Mutterliebe muss nicht nur von der leiblichen Mutter kommen; Blut ist nicht immer dicker als Wasser.

Bibliographische Angaben:
Kawakami, Mieko: "Heaven" (Übersetzung aus dem Japanischen: Busson, Katja), Dumont, Köln 2021, ISBN 978-3-8321-8374-5

Donnerstag, 17. März 2022

Mieko Kawakami

Mieko Kawakami
(Photocredit: Creative
Commons-Lizenz)
Mieko Kawakami ist sowohl als Schriftstellerin als auch als Sängerin bekannt. Sie wurde 1976 in Osaka geboren, wo sie auch zur Schule ging und nach dem Abitur unter anderem als Hostess arbeitete. 1996 begann sie ein Studium in Tokio.

2002 debütierte sie als Sängerin; insgesamt veröffentlichte sie drei Alben.

Ihr Blog “Critique of Pure Sadness”, der ihre musikalische Karriere promoten sollte, erschien 2006 in Buchform. Für ihren Roman „Brüste und Eier“ erhielt sie 2008 den Akutagawa-Literaturpreis. Es folgten unter anderem der Murasaki-Preis für „Heaven“ (2010), der Tanizaki-Preis für „Love Dreams“ (2013) und Mainichi-Preis für „Summer Story“ (2019).

In erster Ehe war Mieko Kawakami mit einem Mitarbeiter ihrer Plattenfirma verheiratet, ließ sich aber 2010 scheiden. 2011 heiratete sie den Autor Kazushige Abe, mit dem sie einen Sohn hat.

Hier rezensiert:


Weitere ins Deutsche übersetzte Romane:

  • Brüste und Eier

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