„Aus dem Schattenreich“ von Hyakken Uchida behandelt in 18 Erzählungen Grenzgänge zwischen Realität und einer Geister- bzw. Fantasiewelt. Dem Leser ist – genauso wenig wie dem männlichen Ich-Erzähler – klar, in welcher Welt sich der Protagonist gerade bewegt.
Oftmals ist der Ich-Erzähler auf einem Damm unterwegs, der in der japanischen Literatur das Reich der Toten symbolisiert. Und schon beginnt der Grenzgang. Die Stimmung der Erzählungen ist leicht bedrohlich bis unangenehm. Man möchte dem Protagonisten zurufen, vorsichtig zu sein, obwohl dieser ohnehin schon seine eigenen Bedenken äußert. Und dennoch begibt er sich in Situationen, in denen ihn eine Frau anspringt und würgt. In denen er sich ungewollt als Lehrling von unheimlichen Personen verdingt. In denen er seine Frau gezwungener Maßen einem Herzensdieb überlässt. In denen ein Bär als Jahrmarktsattraktion ein Blutbad anrichtet.
Lesenswert ist vor allem das Nachwort der Übersetzerin Lisette Gebhardt. Hier und in den Anmerkungen erfährt man einiges über den Symbolgehalt der Erzählungen, über Zauberfüchse, den Vorbehalten gegenüber Chinesen und europäischen Missionaren etc. Aber auch der Vergleich zwischen dem Autor und dem Protagonisten wird gewagt: Entspricht der Autor Hyakken Uchida dem passiven Ich-Erzähler, der nichts ablehnen kann und so in sein Unheil rutscht?
„Aus dem Schattenreich“ ist fantasievolle Literatur, die nicht unbedingt fantastisch ist, sondern eher eine bedrückende Stimmung hinterlässt.
Posts mit dem Label Hyakken Uchida werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hyakken Uchida werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 29. März 2011
Montag, 28. März 2011
Hyakken Uchida
![]() |
| Hyakken Uchida (Foto aus "100 years historical photographs of Japanese National Railways", Creative Commons-Lizenz) |
Hyakken Uchida war bekannt als Exzentriker mit missmutiger Ausstrahlung, der seine Ablehnung gegenüber dem Kulturbetrieb mit dem Satz „Ich mag nicht, weil ich nicht mag“ begründete. Mit ehemaligen Schülern hielt er “Immer-noch-nicht-tot“-Feiern ab.
Hyakken Uchidas Werke sind Geister- und Fantasiegeschichten, in denen die Grenzen der Realität verwischen. Eine seiner Kurzgeschichten inspirierte Seijun Suzuki zum Film „Zigeunerweisen“; Akira Kurosawa setzte ihm mit „Madadayo“ ein filmisches Denkmal.
Interessante Links:
- Random House: Autorenprofil von Hyakken Uchida
- Universität Frankfurt, Institut für Japanologie: Podcast zu „Aus dem Schattenreich“
- The New York Times: Madadayo – Film review
Ins Deutsche übersetzte Erzählungen und hier rezensiert:
Abonnieren
Posts (Atom)

