Kommissar Samejimas zweiter Fall hat es in sich: Bei einer Observierung eines illegalen Mahjong-Clubs beobachtet Samejima einen gefährlich aussehenden Taiwanesen. Als er mit seiner Freundin Sho privat in Shinjuku unterwegs ist, kreuzt der Unbekannte unversehens erneut seinen Weg. Als Samejima bemerkt, dass der Taiwanese von einem Yakuza verfolgt wird, heftet er sich an deren Fersen. Er wird Zeuge von einem beeindruckenden Kampf: Mit wenigen Schlägen wehrt der Taiwanese den bald krankenhausreifen Yakuza ab, als er in einer Gasse angegriffen wird. Samejima gibt sich als Polizist zu erkennen – gleiches gilt für den Taiwanesen namens Guo, der angibt, Kommissar in Taipeh zu sein und in Japan Urlaub machen zu wollen. Überprüfungen ergeben, dass Guo tatsächlich der taiwanesischen Polizei angehört, doch den Japan-Urlaub nimmt Samejima dem Kommissar nicht ab. Er soll recht behalten: Guo hat sich an die Fersen eines taiwanesischen Auftragsmörder namens Giftaffe geheftet, der Rache an einem Landsmann nehmen will, der wiederum bei einem japanischen Yakuza Unterschlupf gesucht hat. Samejima befürchtet ein Gemetzel unter den Yakuza und versucht, das Schlimmste zu verhindern…
Arimasa Osawa erzählt „Der Hai von Shinjuku – Rache auf chinesisch“ aus mehreren Erzählperspektiven. Der Effekt in diesem Fall: Irgendwie fiebert man sowohl für den Helden als auch für den Anti-Helden mit. Leider können nicht beide triumphieren.
Trotzdem entbehrt der Roman nicht eine unfreiwillige Komik: Harte Cops, die Eiskaffee bestellen und Schlafanzüge tragen – das passt irgendwie nicht in das Bild eines einsamen Wolfs. Und leider wirkt der ansonsten so coole Samejima gegen seinen taiwanesischen Kollegen ein bisschen wie ein Weichei.
Der zweite Teil der Samejima-Reihe ist weitaus spannender, rasanter, aber auch brutaler als der Vorgänger „Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha“. Vorkenntnisse aus dem ersten Teil sind nicht nötig, da die wesentlichen Eckpunkte rund um Samejimas bisherige Erfahrungen als Polizist kurz angerissen werden. Besonders interessant sind in „Der Hai von Shinjuku – Rache auf chinesisch“ die zahlreichen Hintergrundinformationen zu den japanischen Yakuza und ihrem taiwanesischen Spiegelbild.
Ein kleines Update: Ab August 2014 ist der Roman auch unter dem Titel „Giftaffe" erhältlich.
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Dienstag, 28. Februar 2012
Sonntag, 29. Januar 2012
„Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha“ von Arimasa Osawa
„Der Hai von Shinjuku“, das ist Oberkommissar Samejima, der im härtesten Stadtviertel Tokios bei den Yakuza berühmt berüchtigt ist. Denn Samejima gilt wie der Hai als Einzelgänger und schlägt – im wörtlichen und im übertragenen Sinne – knallhart zu. Nachdem er zwischen politische Fronten geraten war, wurde der einstige Karrierepolizist Samejima nach Shinjuku abgeschoben, wo er sich im Eingreiftrupp mit Yakuzas, Drogendealern und Waffenhändler herumschlagen muss.
Als es ein Serienmörder auf Polizisten abgesehen hat, beginnt Samejima verstärkt nach dem homosexuellen Waffenbauer Kizu zu suchen, da bei den Morden eine ganz spezielle Waffe benutzt wurde, die nur aus Kizus Werkstatt stammen kann. Samejima begibt sich ins Tokioter Schwulenmilieu und legt seine Fallen aus, um Kizu aufzuspüren und den brutalen Serienmörder zu stoppen.
Die offizielle Sonderkommission gerät währenddessen mit den Ermittlungen ins Stocken – und Samejima macht sich mit seinen investigativen Erfolgen wieder einmal interne Feinde.
Arimasa Osawa schreibt mit „Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha“ nicht nur einen spannenden, rasanten Krimi, sondern übt auch Kritik am Polizeiapparat: Die Polizisten und Yakuza verfolgen die Strategie leben-und-leben-lassen und bilden somit einen Klüngel, der ernsthafte Polizeiarbeit verhindert. Samejima, ein Mann, der sich allein der Gerechtigkeit verschrieben hat, befindet sich also sowohl im Kampf mit den internen Feinden bei der Polizei als auch den externen Feinden der Yakuza.
Der Autor Arimasa Osawa hat sich für seine Figur des Samejima von Raymond Chandlers Philip Marlowe inspirieren lassen. Anfangs, muss ich zugeben, kam mir der knallharte Cop Samejima recht pseudo-cool daher. Doch je weiter sich die Geschichte spinnt, desto menschlicher erscheint auch der Protagonist, der nicht nur um sein eigenes Leben bangen muss.
Als es ein Serienmörder auf Polizisten abgesehen hat, beginnt Samejima verstärkt nach dem homosexuellen Waffenbauer Kizu zu suchen, da bei den Morden eine ganz spezielle Waffe benutzt wurde, die nur aus Kizus Werkstatt stammen kann. Samejima begibt sich ins Tokioter Schwulenmilieu und legt seine Fallen aus, um Kizu aufzuspüren und den brutalen Serienmörder zu stoppen.
Die offizielle Sonderkommission gerät währenddessen mit den Ermittlungen ins Stocken – und Samejima macht sich mit seinen investigativen Erfolgen wieder einmal interne Feinde.
Arimasa Osawa schreibt mit „Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha“ nicht nur einen spannenden, rasanten Krimi, sondern übt auch Kritik am Polizeiapparat: Die Polizisten und Yakuza verfolgen die Strategie leben-und-leben-lassen und bilden somit einen Klüngel, der ernsthafte Polizeiarbeit verhindert. Samejima, ein Mann, der sich allein der Gerechtigkeit verschrieben hat, befindet sich also sowohl im Kampf mit den internen Feinden bei der Polizei als auch den externen Feinden der Yakuza.
Der Autor Arimasa Osawa hat sich für seine Figur des Samejima von Raymond Chandlers Philip Marlowe inspirieren lassen. Anfangs, muss ich zugeben, kam mir der knallharte Cop Samejima recht pseudo-cool daher. Doch je weiter sich die Geschichte spinnt, desto menschlicher erscheint auch der Protagonist, der nicht nur um sein eigenes Leben bangen muss.
Mittwoch, 25. Januar 2012
Arimasa Osawa
Der Krimiautor Arimasa Osawa, der 1956 in Nagoya geboren wurde, wollte ursprünglich Dichter werden. Auf der Mittelschule begann er, sich mehr für Krimis zu interessieren und veröffentlichte in einer Schülerzeitung seinen ersten Roman. Als er 1979 einen Preis für Nachwuchsautoren gewann, schmiss er die Uni, um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Die Romane, die er anschließend verfasste, waren nur mäßig erfolgreich. Der Durchbruch gelang ihm erst 1990 mit dem Roman „Der Hai von Shinjuku“, den Arimasa Osawa zur Serie ausbaute, die inzwischen neun Folgen umfasst. 1991 gewann Arimasa Osawa den Eiji Yoshikawa-Preis und den Preis des Verbands der japanischen Kriminalschriftsteller. 1993 folgte der Naoki-Preis.
Arimasa Osawa gilt als einer der führenden Krimiautoren Japans, der von amerikanischen Schriftstellern wie Elmore Leonard, Raymond Chandler und Dashiell Hammett beeinflusst wurde. Seine Kriminalromane haben einen sozialkritischen Anspruch.
Interessante Links:
Ins Deutsche übersetzte Romane und hier rezensiert:
Arimasa Osawa gilt als einer der führenden Krimiautoren Japans, der von amerikanischen Schriftstellern wie Elmore Leonard, Raymond Chandler und Dashiell Hammett beeinflusst wurde. Seine Kriminalromane haben einen sozialkritischen Anspruch.
Interessante Links:
- Krimi-Couch: Biographie von Arimasa Osawa
- Krimi-Couch: Zu Besuch bei Arimasa Osawa
- Japan Times: A solitary shark hunts in Shinjuku's dark side
- MYAC.ASIA: Trailer & Filmplakat zur Verfilmung von Arimasa Osawas „Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha“ (lieber erst nach der Lektüre anschauen – so hatte zumindest ich mir die Protagonisten überhaupt nicht vorgestellt)
Ins Deutsche übersetzte Romane und hier rezensiert:
- Der Hai von Shinjuku - Rache auf chinesisch (identisch mit: Giftaffe)
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