Hayako geht es gar nicht gut, wenn Schnee zu fallen beginnt. Es ist dasselbe Leiden, dass auch ihre Mutter hatte. Ein starker Schmerz strahlt von der Schläfe aus, weswegen Hayako Schneetage hasst und nichts mehr befürchtet, als dass ihr Freund in eine schneereiche Gegend versetzt wird. Obwohl sich ihre Bekannten und Verwandten wundern, hat Hayako ihren Partner immer noch nicht geheiratet.
Die Handlung setzt ein, als Hayakos Mutter gerade erst gestorben ist. Zwei mystisch anmutende Gegebenheiten hatten den Abschied von Mutter und Tochter begleitet.
In Rückblenden erfährt der Leser aber auch von Hayakos Kindheit: Wie sie von der Mutter für ihre Begeisterung für Schnee unglaublich ausgescholten wurde. Wie sie als Schülerin immer schlechter abgeschnitten hat als ihre Mitschülerinnen. Wie sie immer kleiner war als die Gleichaltrigen. Nach und nach enthüllt sich, wie alle diese Dinge zusammenpassen und ein Bild ergeben, was unglaublich ist und dennoch alle Ungereimtheiten in Hayakos Lebenslauf erklärt.
Wie man es von Taeko Kono gewohnt ist, sind die Charaktere und die Handlung der Erzählung „Schnee“ etwas unheimlich und verschroben. Etwas eigentümlich mutet jedoch die Übersetzung an, die ständig zwischen Präsens und Präteritum wechselt. Was im Japanischen üblich ist, liest sich im Deutschen sperrig und unausgegoren.
Bibliographische Angaben:
Kono, Taeko: „Schnee“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Fukuzawa, Hiroomi & Herzberg, Ida), Galrev Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-925230-03-3
Freitag, 8. August 2014
Donnerstag, 7. August 2014
„Regenschauer“ von Junnosuke Yoshiyuki
Hideo Yamamura ist Junnosuke Yoshiyukis Protagonist (und Alter Ego) in der Erzählung „Regenschauer“. Yamamura besucht in den 50er Jahren regelmäßig das Freudenviertel von Tokio, um sich die „Hygiene der Seele, deren Ausgeglichenheit“ (S. 8) zu erhalten. Ansonsten hat der Salaryman keine ausgeprägten Hobbies oder Interessen.
Doch die Prostituierte Michiko scheint es ihm besonders angetan zu haben und dies zerrüttet langsam auch den Seelenzustand des Protagonisten. Er versetzt ein Familienerbstück und verwendet zudem sein gesamtes Gehalt darauf, sich mit Michiko zu treffen.
Als sein Kollege Goro, mit dem er sich gerne in den Bordellen herumgetrieben hat, ein Mädchen aus gutem Hause heiratet, wird Hideo besonders mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert. Was bindet ihn an Michiko? Ist er wirklich verliebt in sie? Kann es eine Zukunft für einen Salary Man und eine Prostituierte geben? In Hideo gärt zudem die Eifersucht…
Darüber hinaus erlaubt die mit dem Akutagawa-Literaturpreis ausgezeichnete Erzählung „Regenschauer“ einen Blick in das Rotlichtviertel Tokios der 50er Jahre. Dem Autor und Lebemann Junnosuke Yoshiyuki nimmt man als Leser ab, dass mit „Regenschauer“ eine authentische Beschreibung des Milieus entstanden ist.
Jiro Kawamura kontrastiert in einem kurzen Nachwort die Werke von Yukio Mishima und Junnosuke Yoshiyuki. Beide gelten ihm als Meister der Kurzgeschichte, doch während Mishima eine verzerrte, idealisierte Ordnung der Dinge darzustellen versucht, erscheint im Yoshiyuki sensibler für das Chaos der Moderne, das in dessen Erzählungen vermittelt wird.
In der Tat lebt die Erzählung von starken Bildern, die den Seelenzustand des Protagonisten beschreiben und als Ausblick auf die kommenden Geschehnisse gelesen werden können. Daher ist es auch mehr als bedauerlich, dass bisher nur diese erste Erzählung Junnosuke Yoshiyukis übersetzt worden ist. „Regenschauer“ macht definitiv Lust auf mehr Lesestoff des Autors.
Bibliographische Angaben:
Yoshiyuki, Junnosuke: „Regenschauer“ (Übersetzung aus dem Japanischen: von Collani, Claudia & Elart/Ebert, Jorinde/Furusawa, Yuko/Hirao, Kozo), Dogakusha Verlag, Tokio 1982
Doch die Prostituierte Michiko scheint es ihm besonders angetan zu haben und dies zerrüttet langsam auch den Seelenzustand des Protagonisten. Er versetzt ein Familienerbstück und verwendet zudem sein gesamtes Gehalt darauf, sich mit Michiko zu treffen.
Als sein Kollege Goro, mit dem er sich gerne in den Bordellen herumgetrieben hat, ein Mädchen aus gutem Hause heiratet, wird Hideo besonders mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert. Was bindet ihn an Michiko? Ist er wirklich verliebt in sie? Kann es eine Zukunft für einen Salary Man und eine Prostituierte geben? In Hideo gärt zudem die Eifersucht…
Darüber hinaus erlaubt die mit dem Akutagawa-Literaturpreis ausgezeichnete Erzählung „Regenschauer“ einen Blick in das Rotlichtviertel Tokios der 50er Jahre. Dem Autor und Lebemann Junnosuke Yoshiyuki nimmt man als Leser ab, dass mit „Regenschauer“ eine authentische Beschreibung des Milieus entstanden ist.
Jiro Kawamura kontrastiert in einem kurzen Nachwort die Werke von Yukio Mishima und Junnosuke Yoshiyuki. Beide gelten ihm als Meister der Kurzgeschichte, doch während Mishima eine verzerrte, idealisierte Ordnung der Dinge darzustellen versucht, erscheint im Yoshiyuki sensibler für das Chaos der Moderne, das in dessen Erzählungen vermittelt wird.
In der Tat lebt die Erzählung von starken Bildern, die den Seelenzustand des Protagonisten beschreiben und als Ausblick auf die kommenden Geschehnisse gelesen werden können. Daher ist es auch mehr als bedauerlich, dass bisher nur diese erste Erzählung Junnosuke Yoshiyukis übersetzt worden ist. „Regenschauer“ macht definitiv Lust auf mehr Lesestoff des Autors.
Bibliographische Angaben:
Yoshiyuki, Junnosuke: „Regenschauer“ (Übersetzung aus dem Japanischen: von Collani, Claudia & Elart/Ebert, Jorinde/Furusawa, Yuko/Hirao, Kozo), Dogakusha Verlag, Tokio 1982
Sonntag, 3. August 2014
Junnosuke Yoshiyuki
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| Junnosuke Yoshiyuki (Creative Commons Lizenz) |
1945 trat Junnosuke Yoshiyuki in die Fakultät für englische Literatur der Universität von Tokio ein. Er schloss sein Studium jedoch nicht ab, sondern arbeitete für ein Boulevardmagazin und war ein Lebemann, wie er im Buche steht: Glücksspiel, Barbesuche, käufliche Liebe waren Teil seines Alltags. Junnosuke Yoshiyuki begründete aber auch das Literaturmagazin Ashi mit.
1954 wurde Junnosuke Yoshiyuki mit einer Tuberkulose im Krankenhaus aufgenommen. Hier schrieb er seine erste Erzählung „Regenschauer“, die mit dem Akutagawa-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Viele weitere Werke sollten folgen, die oft autobiographische Züge trugen, in der Großstadt angesiedelt waren und sich den Themen der menschlichen Beziehungen, Sex und Prostitution widmeten. Junnosuke Yoshiyuki stand damit in Opposition zur Schule der Nachkriegsautoren.
1963 wurde sein Roman „Gemüsegarten im Sand“ zum Bestseller. 1970 erhielt er für den Roman „Das dunkle Zimmer“, der ins Englische und Französische übersetzt wurde, den Tanizaki-Preis. 1976 wurde „Bis zum Abend“ mit dem Noma-Preis prämiert.
Sein letzter Roman „Augäpfel“ blieb unvollendet; 1994 starb Junnosuke Yoshiyuki an Krebs. Er wünschte keine Beerdigungsfeierlichkeit, da die Toten den Lebenden schon genügend Probleme bereiten würden.
Junnosuke Yohiyukis jüngere Schwester Rie schlug ebenfalls eine Schriftsteller-Laufbahn ein.
Interessante Links:
- La Litterature Japonaise: Biographie von Junnosuke Yoshiyuki
- The Independent: Obituary: Junnosuke Yoshiyuki
Ins Deutsche übersetzte Erzählungen und hier rezensiert:
Samstag, 2. August 2014
„Das Geschlecht der Abe/Sanshodayu“ von Ogai Mori
„Das Geschlecht der Abe“ erfährt einen Wendepunkt als der Daimyo Tadatoshi im Sterben liegt. Zahlreiche Vasallen bitten ihn um „Junshi“; um die Erlaubnis, Selbstaufopferung begehen zu dürfen und ihren Daimyo nach einem Seppuku in den Tod zu folgen. So will auch Yaichiuemon Abe von dem Sterbenden die Einwilligung zu seiner Selbstaufopferung erhalten. Doch der denkt gar nicht daran, sondern verweigert seine Zustimmung. Nachdem die 18 Männer, die das Einverständnis von ihrem verstorbenen Herrn zum Selbstmord erhalten haben, jeweils Seppuku begangen haben, leidet Yaichiuemon unter übler Nachrede. Einerseits lästern die Spötter, er habe nicht den Mumm, sich zu entleiben; andererseits weiß er, dass er ohne die Erlaubnis des Daimyo keinen ehrenvollen, sondern nur einen „Hundetod“ sterben wird. Nichtsdestotrotz ruft er seine Söhne zusammen und begeht Seppuku. So beginnt der Abstieg der Familie Abe, die in der Gunst von Tadatoshis Nachfolger immer weiter sinkt und schließlich zum Außenseiter wird. Eine Übersprungshandlung eines Familienmitglieds wird schließlich als Freveltat geahndet und der gesamte Clan sieht nur noch einen einzigen, blutigen Ausweg, um die Ehre der Familie wiederherzustellen.
„Sanshodayu“ handelt von dem Geschwisterpaar Anju und Zushio. Die beiden sind mit ihrer Mutter unterwegs, um ihren verbannten Vater aufzusuchen, als sie in die Hände von Menschenhändler fallen. Die Geschwister werden von der Mutter getrennt und werden an das Gut das Sanshodayu verkauft, der die zarten Jugendlichen Salzwasser schleppen lässt und zum Brennholz schneiden schickt. Anju als die Ältere der beiden spinnt einen Plan, um die Leibeigenschaft zu beenden, der aber für sie fatale Folgen haben soll.
„Sanshodayu“ liest sich eher wie ein Märchen, während „Das Geschlecht der Abe“ anfangs von Beschreibungen von Verwandtschaftsbeziehungen und Aufzählungen geprägt ist. Wer sich für das Thema Selbstaufopferung und Beziehungsgeflechte in der Tokugawa-Zeit interessiert, für den mag diese Erzählung besonders interessant sein. Für alle anderen Leser ist der Einstieg in „Das Geschlecht der Abe“ jedoch zäh – bis überhaupt von der Familie Abe die Rede ist, müssen erst (Kurz-)Beschreibungen von 18 Seppuku-Taten überstanden werden.
Bibliographische Angaben:
Mori, Ogai: „Das Geschlecht der Abe/Sanshodayu“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Koike, Kenji), Japanisch-Deutsche Gesellschaft, Tokio 1960
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