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Samstag, 2. November 2013

„The Ring II – Spiral“ von Koji Suzuki

Eines gleich vorweg – wer den ersten Teil von Koji Suzukis „The Ring“ noch mit Spannung lesen mag, der sollte hier stoppen: Akute Spoilergefahr im folgenden Text!

In „The Ring II – Spiral“ begegnet man einigen Bekannten aus „The Ring“ wieder – Protagonist ist aber diesmal der Gerichtsmediziner Ando. Andos Leben ist gerade alles andere als ein Zuckerschlecken: Nachdem sein Sohn im Meer ertrunken ist, lasten nicht nur enorme Schuldgefühle auf Ando, da er den Kleinen nicht retten konnte. Auch seine Ehefrau macht ihm deswegen die Hölle heiß, lässt sich scheiden und vereitelt Andos Karriereaussichten. Eines Tages landet die Leiche von Ryuji auf seinem Obduktionstisch. Andos Aufmerksamkeit für Ryujis mysteriöses Dahinscheiden ist nicht nur deswegen geweckt, weil er ein ehemaliger Mitschüler von Ryuji ist, sondern auch weil er glaubt, Ryuji möchte ihm aus dem Totenreich etwas mitteilen. Auch der Befund macht Ando und dessen Kollegen Miyashita neugierig: Ist Ryuji an einer neuartigen Form der Pocken verstorben?

Ando lernt Ryujis attraktive Freundin Mai kennen und erfährt von ihr, dass Ryuji während seinen letzten Tagen mit Asakawa unterwegs war. Gerne würde Ando von Asakawa mehr über ein mysteriöses Video erfahren – doch Asakawa ist nach dem Tod seiner Ehefrau und Tochter nicht mehr bei Sinnen. Daher begibt sich Ando auf die Suche nach den Aufzeichnungen Asakawas, die hoffentlich Licht ins Dunkel der Ermittlungen bringen sollen. Als die schöne Mai spurlos verschwindet, forciert Ando die Aufklärungsarbeit.

Der Leser folgt nun erneut einer Spürnase, wie sie das Rätsel von „The Ring“ zu lösen versucht. Vieles doppelt sich daher, aber die Neugier wird sehr früh entfacht: Warum bloß hat Asakawas Versuch, seine Angehörigen zu retten, nicht gefruchtet? Er hatte doch das Patentrezept gefunden, wie der Fluch aufzuheben ist. Oder etwa doch nicht?

Während „The Ring“ schon etwas abstrus war, so wird es in „The Ring II – Spiral“ richtiggehend hanebüchen. Zugegebenermaßen wird durchaus Spannung aufgebaut, doch an anderen Stellen ist der Roman zu sehr vorhersehbar. Und von Psychohorror kann erst recht keine Rede sein. Der Bösewicht kommt sogar regelrecht sympathisch rüber. Meiner Meinung hätte Koji Suzuki besser den ersten Teil seines Romans alleine stehen gelassen. Besser wird’s mit „The Ring III – Loop“ und „The Ring 0 – Birthday“ sicherlich auch nicht mehr…

Bibliographische Angaben:
Suzuki, Koji: „The Ring II – Spiral“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Heindorf, Viktoria & Tomonaga, Hiroguchi), Heyne, München 2003, ISBN 978-3-453873865

Samstag, 28. September 2013

„Grapefruit“ von Yoko Ono

Yoko Onos „Grapefruit“ trägt in der englischsprachigen Version den Untertitel „A book of Instructions and Drawings by Yoko Ono – Introduction by John Lennon”. John Lennons Vorwort fällt allerdings recht kurz aus:

„Guten Tag. Mein Name ist John Lennon. Ich möchte Sie mit Yoko Ono bekanntmachen.“

Nun folgen Yoko Onos Instruktionen, Anweisungen wie der Leser prinzipiell selbst Fluxus betreiben könnte. Die lesen sich teilweise, als würde eine von Yoko Tawadas Protagonistinnen eine schräge Zeit erleben:

„Zimmerstück 1
Bleib eine Woche lang im Zimmer.
Nimm nichts zu dir außer Wasser.
Am Ende der Woche
soll dir jemand etwas ins Ohr flüstern.

Zimmerstück 2
Bleib zehn Tage lang im Zimmer.
Iß nichts. Rauche.
Flüstere jemandem am Ende der zehn Tage
etwas ins Ohr.

Zimmerstück 3
Bleib einen Monat lang im Zimmer.
Sprich nicht. Schau nicht.
Flüstere am Monatsende.“

Kapitelweise behandelt Yoko Ono die sieben Themenbereiche Musik, Bilder, Ereignisse, Gedichte, Dinge, Film, Theater und fügt schließlich noch „Yoko Onos Fragebogen“ an, in dem beispielsweise Behauptungen wie „Husten ist eine Form von Liebe.“ mit richtig oder falsch beantwortet werden sollen.

Obwohl die Ausführung der Instruktionen nicht im Zentrum von Fluxus steht, sondern die  Imagination schon selbstgenügend ist, haben es manche von Yoko Onos Anleitungen durchaus auf die Bühne geschafft, so z.B. das „Fahrradstück für Orchester“ und das „Schneidestück“.

Yoko Onos „Grapefruit“ macht Laune, sich mehr mit der Künstlerin auseinanderzusetzen, die man primär als Witwe von John Lennon kennt. Genauso wie die Zitrusfrucht wirken manche Instruktionen etwas sauer – aber sauer macht ja bekanntlich lustig.

Natürlich ist das Büchlein, das in Deutschland 1970 erschien und von Herbert Feuerstein übersetzt wurde, völlig vergriffen. Der Weg in eine gut sortierte Bibliothek lohnt daher definitiv.

Bibliographische Angaben:
Ono, Yoko: „Grapefruit“ (Übersetzung aus dem Englischen: Feuerstein, Herbert), Bärmeier & Nikel, Frankfurt/Main 1970

Sonntag, 22. September 2013

Yoko Ono

Yoko Ono
(Creative Commons Lizenz
Photocredit: Simon Harriyott)
Die Musikerin und Künstlerin Yoko Ono wurde 1933 in Tokio geboren und wuchs zeitweise in den USA auf, bis die Familie 1938 nach Japan zurückkehrte. Yoko Ono wurde musikalisch gefördert, erhielt Klavierunterricht und absolvierte erste Auftritte. Nach der Kapitulation Japans schloss Yoko Ono die Schule ab und begann ein Philosophiestudium, das sie aber abbrach, um in New York weiterzustudieren. Hier belegte sie auch musikalische Kurse.

Als Yoko Ono 1956 den Komponisten Toshi Ichiyanagi heiratete, brach sie ihr Studium erneut ab und zog mit ihm nach New York. Yoko Ono machte sich als Künstlerin einen Namen und zählte zu den Begründern der Fluxus-Bewegung. 1962 trennte sich Yoko Ono von Toshi Ichiyanagi und heiratete den Filmproduzenten Anthony Cox. Als Yoko Ono 1966 in London John Lennon kennenlernte, ließ sie sich von ihrem Noch-Ehemann scheiden, um schließlich 1969 John Lennon das Ja-Wort zu geben. Die beiden banden Kunst in ihr Privatleben ein, wie z.B. mit dem berühmten „Bed-In“ für den Weltfrieden. Gemeinsam waren sie als Fluxus-Künstler aktiv und veröffentlichten mehrere Alben.

Nach der Ermordung von John Lennon im Jahr 1980 zog sich Yoko Ono für einige Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. Ab Ende der 80er Jahre wurde sie wieder aktiv.

Yoko Ono lebt heute immer noch im Dakota-Building in New York, vor dem John Lennon erschossen wurde.

Interessante Links:

Ins Deutsche übersetzte Werke und hier rezensiert:

Donnerstag, 19. September 2013

„Reise nach Samarkand“ von Yasushi Inoue

„Die ‚Westlande’ hatte ich in meinen Gedanken bereits zu einer Zeit durchstreift, als die Verwirklichung eines solchen Unternehmens nichts weiter als die hoffnungslose Schwärmerei eines Schülers gewesen war.“ (S. 7)

So beginnt Yasushi Inoue sein Werk „Reise nach Samarkand“, das wie ein Geschichtsbuch wirkt, das in einige wenige eigene Reiseerinnerungen eingebettet ist. Für Europäer klingt „Westlande“ freilich ungewöhnlich. Denn die Westlande in „Reise nach Samarkand“ sind wohlweißlich westlich von China gelegen und daher Ostlande für unsereinen. Genauer: Yasushi Inoue begrenzt den Bereich der Westlande auf den mittleren Bereich Asiens, der zwischen der Wüste Gobi und dem Kaspischen Meer liegt.

Über die geheimnisvollen Westlande weiß Yasushi Inoue einiges zu berichten: Im Jahre 139 vor Christus soll Chang Ch’ien vom chinesischen Kaiser ausgesandt worden zu sein, um ein militärisches Bündnis zu schließen. Doch stattdessen war er gefangen genommen worden und hat während seiner Flucht das Land Ta-yüan bereist, in dem die Pferde Blut schwitzen. Später berichtet man von dem Großen Spiegelsee, an dessen Ufer unheimliche Wesen leben. Entstanden soll der See sein, als ein Mädchen eine Quelle nicht mehr verschloss und das auslaufende Wasser eine Stadt überflutete.

Yasushi Inoue schildert zudem ausführlich, wie die Mongolen und Araber um die Vorherrschaft im Gebiet der Westlande kämpften.

Nichtsdestotrotz wird „Reise nach Samarkand“ primär nur für diejenigen Leser interessant sein, die sich für Geschichte der Westland-Region interessieren. Die Reiseerinnerungen von Yasushi Inoue, der 1965 und 1968 die Westlande bereiste, sind eher Randbemerkungen. Sicherlich bietet „Reise nach Samarkand“ auch einige Mythen und Geheimnisse, die Reisende Jahrhunderte vor Yasushi Inoue über die Westlande festhielten. Doch die „Reise nach Samarkand“ verzaubert nicht, wie der Titel mit dem exotischen Reiseziel implizieren mag.

Bibliographische Angaben:
Inoue, Yasushi: „Reise nach Samarkand“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Mrugalla, Andreas), Suhrkamp, Frankfurt/Main 1998, ISBN 3-518-41001-6