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Samstag, 18. August 2012

Saikaku Ihara

Saikaku Ihara der unter dem bürgerlichen Namen Togo Hirayama im Jahr 1642 in Osaka geboren wurde, trat mit 14 Jahren in eine Dichterschule für Haikus ein. Bereits sechs Jahre später wurde ihm der Rang eines Haiku-Meisters verliehen. Ab diesem Zeitpunkt nahm er den Familiennamen seiner Mutter, Ihara, an und nannte sich Kaku’ei (= Langlebig (ist der) Kranich).

1670 setzte eine Modernisierungsbewegung des Haikus ein, an der auch Saikaku Ihara seinen Anteil hatte. Die so genannte Holländer-Schule verfasste volksnähere Haikus. Saikaku Ihara wurde fortan auch Oranda-Saikaku/Holländer-Saikaku genannt.

Nach dem Tod seiner Ehefrau und seiner blinden Tochter, überließ er seine weiteren Kinder seiner Großfamilie und reiste durch Japan.

Ab 1682 erschienen seine ersten Prosawerke. Als er 1693 starb, hatte er ca. zwei Dutzend Bücher veröffentlicht, die zum großen Teil den Vergnügungsvierteln gewidmet waren. Da er in seinen späteren Werken auch die dunklen Seiten der Etablissements beschrieb, gilt er als gesellschaftskritischer Autor.

Interessante Links:

Hier rezensiert: 

Weitere ins Deutsche übersetzte Erzählungen/Romane:
  • Japanische Parallelfälle im Schatten des Kirschbaumes
  • Koshokumono – Japanische Kurtisanengeschichten aus dem 17. Jahrhundert

Freitag, 17. August 2012

„Gezeichnet“ von Osamu Dazai

„Gezeichnet“ (im Original „Ningen shikakku“ = „als Mensch disqualifiziert“) gilt als einer der meistgelesenen Romane in Japan. Der Autor Osamu Dazai hat das Erscheinen nicht mehr erlebt – er beging kurz zuvor Selbstmord. Wer „Erinnerungen“ (zu finden in „Einspruch der Dekadenz“ oder „Das Gemeine und andere Erzählungen“) gelesen hat, der wird in „Gezeichnet“ einige Parallelen finden, geht es in dem Ich-Roman doch um dasselbe Thema: Der Lebens-, Leidens- und Liebesweg des Osamu Dazai.

Ein namenloser Ich-Erzähler gerät durch einen Zufall an die Aufzeichnungen des Comic-Zeichners Yozo Oba. Drei Hefte erzählen über drei Lebensabschnitte: Das erste Heft wird der Kindheit Yozos gewidmet. Zutiefst verunsichert und dies hinter der Maske des Clowns verbergend wächst Yozo heran. Die Clownerie macht ihn beliebt, doch wahre Freundschaft findet er nicht – oder nur beinahe, womit wir schon beim zweiten Heft wären: Ein noch schwächerer Mitschüler entlarvt Yozos Tarnung und orakelt richtig, dass Yozo einst ein ziemlicher Weiberheld werden wird. Als Yozo auf eine Oberschule nach Tokio wechselt, beginnt sein dekadentes Leben in der Großstadt: Alkohol, Prostitution, Verschuldung und damals illegale Betätigung für die politische Linke. Marx ist Yozo im Grunde egal, die Illegalität macht die Linke für ihn attraktiv. Und die Frauen vergucken sich in Yozo. Mit einer seiner Verehrerinnen will er Selbstmord begehen – doch nur sie stirbt und er wird angeklagt, von der Familie verstoßen. Das dritte Heft zeichnet das Bild des endgültigen Abstieg Yozos:

„Unglück. In der Welt gab es viele unglückliche Leute, nein, es gab nur unglückliche Leute, das ist sicher nicht zuviel gesagt; doch alle diese Leute konnten sich in die Brust werfen und ihr Unglück der ‚Gesellschaft’ klagen, und die ‚Gesellschaft’ verstand und fühlte mit. Mein Unglück aber war allein meine Schuld, ich konnte mich bei niemandem beklagen“. (S. 121)

Die Parallelen zu Osamu Dazais Leben sind vielfältig, was unter anderem den Reiz von „Gezeichnet“ ausmacht. Doch dies allein würde wohl nicht ausreichen, um dem Roman den Erfolg im bestehenden Ausmaß zu bescheren. Beschreibt Osamu Dazai nicht Phänomene, die jedem bekannt sind: Würde man nicht allzu oft und allzu gerne seine Unsicherheit hinter einer Maske verstecken wollen? Ist nicht jeder vom Wusch nach Anerkennung erfüllt?

„Gezeichnet“ bietet nicht nur Einblick in die Gedankenwelt Osamu Dazais, sondern auch genügend Gesellschaftskritik. Nur leider sehr schade, dass das Buch restlos vergriffen ist und selbst gebraucht nur zu horrenden Preisen zu haben ist. Da lohnt sich dann doch eher der Mitgliedsausweis für eine gut sortierte Bibliothek. Oder vielleicht wagt der Insel Verlag eine Neuauflage? Der Roman würde es durchaus mehr als verdienen!

Update Dezember 2014:
Ab März 2015 ist eine Neuauflage des Cass Verlags erhältlich. Danke Cass Verlag!

Bibliographische Angaben:
Dazai, Osamu: „Gezeichnet“, Insel, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-16871-0

Donnerstag, 16. August 2012

„Japanischer Alltag“ von Jiro Akagawa

Ganz so alltäglich sind Jiro Akagawas Kurzgeschichten, die sich in dem Band „Japanischer Alltag“ versammeln nicht. Da wird von geschickter Hand ein (Selbst-)Mord inszeniert oder ein Schwerverbrecher gefasst. Doch erzählen die Geschichten auch einen Teil japanischen Alltag nebenbei mit, auch wenn der teilweise etwas überzeichnet wirkt: Der Konkurrenzkampf im Arbeitsleben ist sehr ausgeprägt und schließt auch außerdienstliche Aktivitäten mit ein. Besonders die jüngeren Kollegen sind dabei, den älteren das Wasser abzugraben. Ohnehin wird so viel gearbeitet, dass man im Urlaub schon ganz hibbelig wird, wenn man nicht zum Arbeitsplatz gehen darf. Wie man sieht: Die Kurzgeschichten kreisen primär um die Welt eines „sarariman“ (= salaryman).

Jiro Akagawas Kurzgeschichten sind allesamt kurzweilig und kommen zu recht überraschenden Enden, die einem ein Lächeln auf die Lippen treiben können. Die Literatur des Jahrhunderts sind sie freilich nicht, denn „Japanischer Alltag“ präsentiert neben den deutschen Texten das japanische Original und dient daher eher als Übungslesebuch. Die deutschen Übersetzungen umfassen folglich nur die Hälfte der knapp 180 Seiten. Wer sich nicht für die Lektüre im Original interessiert, zahlt einen stolzen Preis von 18,90 EUR für acht Kurzgeschichten. Doch leider sind diese Kurzgeschichten derzeit die einzigen Übersetzungen von Werken des so überaus produktiven Jiro Akagawa…

Bibliographische Angaben:
Akagawa, Jiro: „Japanischer Alltag“, Buske, Hamburg 2009, ISBN 978-3-87548-538-7

Mittwoch, 15. August 2012

Jiro Akagawa

Jiro Akagawa gilt als überaus fleißiger Schreiberling: Zwischenzeitlich hat er schon über 500 Werke verfasst. Der 1948 in Fukuoka geborene Autor begann 1976 mit dem Schreiben. Für seine erste Veröffentlichung „Geisterbahn“ erhielt Jiro Akagawa den Akutagawa-Literaturpreis.

Viele seiner Krimis und Gruselgeschichten wurden als Anime, Filme oder Videospiele umgesetzt. 2012 startet zudem die Verfilmung seiner Reihe eines beliebten Katzenkrimis namens „Mikeneko Holmes“.

Interessante Links:

Ins Deutsche übersetzte Kurzgeschichten und hier rezensiert: