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Montag, 20. Juni 2011

„Die Dichterin und die Masken“/“Frauen, Masken“ von Fumiko Enchi

„Die Dichterin und die Masken“ (auch erschienen als „Frauen, Masken“) von Fumiko Enchi ist die drei Teile „Ryo No Onna“, „Masugami“ und „Fukai“ aufgeteilt. Diese japanischen Namen stehen für Masken der weiblichen Figuren des No-Theaters (das No-Theater wird traditionell von Männern gespielt, die Darsteller tragen meist Masken).

Die „Ryo No Onna“-Maske steht für den rachsüchtigen Geist einer älteren Frau, die noch nach dem Tod von ihrer unglücklichen Liebe geplagt wird. Die rachsüchtige Frau in „Die Dichterin und die Masken“ ist Mieko: Mieko war lange Zeit unglücklich verheiratet und unglücklich verliebt. Zwischenzeitlich hat die Witwe ihren Sohn Akio bei einem Lawinenunglück verloren und bildet eine enge Allianz mit ihrer Schwiegertochter Yasuko. Die Wissenschaftler Ibuki und Mikame verlieben sich beide in Yasuko und werden in die Pläne der starken Mieko und ihrer ergebenen Schwiegertochter hineingezogen. Besitzt Mieko eine uralte weibliche Stärke, die auf schamanistischem Wissen beruht und sie befähigt, Menschen zu manipulieren?

„Masugami“ ist die Maske einer jungen, wahnsinnigen Frau – diese Person wird in „Die Dichterin und die Masken“ von Harume verkörpert. Harume ist die Zwillingsschwester von Miekos totem Sohn Akio. Schon in der Gebärmutter erlitt Harume einen Hirnschaden, da Akio ihr den Platz raubte. Harume wird zum Instrument von Miekos Plänen mit Ibuki.

In „Fukai“ (der Maske einer bekümmerten, resignierten älteren Frau) wird die Geschichte rund um weibliche Rache und Macht schließlich aufgelöst.

„Die Dichterin und die Masken“ gewinnt erst auf den zweiten Blick einen besonderen Reiz. Denn die Details rund um das No-Theater und Miekos Deutungsversuche des japanischen Klassikers „Die Geschichte des Prinzen Genji“ sind für Japan-Unkundige etwas ermüdend. Doch sowohl die Masken des No-Theaters als auch Miekos Artikel über die Frauen in Prinz Genjis Leben sind ein Spiegelbild der Psyche der verschlossenen Mieko.

Fumiko Enchi schildert die Unterdrückung der Frau, die kein Anrecht auf Unabhängigkeit hat. Doch irgendwo im Verborgenen lauert die weibliche Stärke, die im Hintergrund doch die Fäden zieht…

Hier geht es zu einem tollen Artikel von Wayne Pounds, der intensiv auf die geheimen, übernatürlichen Energien von Mieko eingeht. Aber Achtung: Der Text ist ein ziemlicher Spoiler für die, die das Buch noch lesen möchten.

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