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Sonntag, 15. Mai 2022

Atsuhiro Yoshida

Leider ist Atsuhiro Yoshida einer der Autoren, über den man im Netz fast nichts findet. Selbst Wikipedia Japan verfügt nur einen rudimentären Eintrag über ihn. Soviel in Kürze:

Atsuhiro Yoshida wurde 1962 geboren und war ein Einzelkind. Seine weitere Verwandtschaft war jedoch groß und zählte 20 Tanten und Onkel nebst vieler Cousins und Cousinen. Als Kind war Atsuhiro Yoshida begeistert von Bibliotheken. Zunächst verdingte er sich als Graphikdesigner und begann erst später mit dem Schreiben. Atsuhiro Yoshida lebt in Tokio.

2001 erhielt er den 32. Kodansha Publishing Culture Award Book Design Award. Seine Bücher wurden teilweise verfilmt.

Tsundoku Reader weiß zu berichten, dass in Atsuhuro Yoshidas Werken typischerweise Zauberer, Kinos, unbekannte Filme, die Suche nach etwas oder jemandem, und die Zufriedenheit mit den kleinen Dingen des Lebens vorkommen.

Interessante Links:


Ins Deutsche übersetzte Romane:

  • Gute Nacht, Tokio    

Freitag, 29. April 2022

"Das Leben eines Anderen" von Keiichiro Hirano

Als Rie den introvertierten Daisuke heiratet, ahnt sie noch nicht, dass ihr Ehemann nicht der ist, für den er sich ausgibt. Denn als Daisuke bei einem Arbeitsunfall stirbt, erkennt dessen Bruder ihn auf den Fotos nicht wieder. Der angebliche Daisuke hatte den Kontakt mit seiner Familie schon lange abgebrochen gehabt, weswegen der Schwindel nicht schon vorher aufgefallen war. Rie beauftragt nun den Anwalt Kido, den Identitätsbetrug aufzuklären.

Kido fasziniert das Thema auch privat. Denn er ist ein Zainichi, ein japanischer Bürger koreanischer Abstammung und damit ständig mit der Identitätsfrage konfrontiert. Eines Tages gibt er sich aus einer Laune heraus gar selbst als Daisuke aus; serviert einem Barkeeper Daisukes Lebensgeschichte als die eigene. Er erlebt das Täuschungsmanöver als Thrill.

Wenig spannend ist jedoch gerade Kidos Privatleben: Seit der Geburt des Sohnes haben sich Kido und seine Ehefrau auseinandergelebt. Das gemeinsame Kind scheint die Ehepartner noch zusammenzuhalten.

Als Kidos Ermittlungen ins Stocken geraten, spielt ihm der Zufall in die Hände und er kommt organisiertem Identitätsbetrug auf die Schliche.

Keiichiro Hiranos "Das Leben eines Anderen" ist zwischendurch nur mäßig spannend, was die Aufklärung des Falls betrifft. Der Roman pendelt zwischen Ries und Kidos Perspektiven hin und her und beleuchtet die jeweiligen familiären Probleme. Auch Kidos koreanischer Abstammung und seinen Ängsten vor Nationalismus wird viel Raum eingeräumt. Kido wird als Intellektueller beschrieben und daher werden auch Rechtspositionen (der Autor ist studierter Jurist) erläutert, wird aus Anna Karenina zitiert und werden Gedanken zu Ovids "Metamorphosen" eingeflochten.

Kido wird von seiner Ehefrau vorgeworfen, er sei zu ernst. Genauso ernsthaft ist auch Keiichiro Hiranos Erzählton. Wer locker-flockige Unterhaltung sucht, ist mit "Das Leben eines Anderen" sicherlich nicht gut bedient. Ich empfand diesen ruhigeren Erzählton aber angenehm und manche Gedankengänge durchdacht-inspirierend. Insbesondere zu dem schrillen Roman "Bullet Train", den ich direkt davor gelesen habe, war der Kontrast glatt schon wohltuend.

Bibliographische Angaben:
Hirano, Keiichiro: "Das Leben eines Anderen" (Übersetzung aus dem Japanischen: Bierich, Nora), Suhrkamp, Berlin 2022, ISBN 978-3-518-43055-2

Donnerstag, 28. April 2022

Keiichiro Hirano

Keiichiro Hirano wurde 1975 in der Stadt Gamagori in der Präfektur Aichi geboren, verlor aber schon früh seinen Vater. Daher wuchs er in der Stadt Kitakyushu in der Präfektur Fukuoka auf, aus der seine Mutter stammte. Auf der Universität Kioto studierte er Jura.

1998 debütierte Keiichiro Hirano mit dem Werk „Sonnenfinsternis“, das ein Jahr später mit dem Akutagawa-Preis ausgezeichnet wurde. Es folgten weitere Preise, unter anderem der Yomiuri-Preis im Jahr 2018.

Keiichiro Hirano gibt an, dass er anfangs nur nachts schreiben konnte und er keine Werke anderer Autoren lesen konnte, ohne sich in seinem Schreibstil beeinflussen zu lassen.

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Ins Deutsche übersetze Romane und hier rezensiert: