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Montag, 24. September 2018

Manichi Yoshimura

Manichi Yoshimura wurde 1961 als Koichi Yoshimura in Matsuyama (Präfektur Ehime) geboren. Er wuchs in Hirakata in der Präfektur Osaka auf und ging dann nach Kioto, wo er ein pädagogisches Studium absolvierte.

2001 debütierte er mit „Kitzel Kitzel Bang“, 2003 erhielt er den Akutagawa-Preis für „Pferdehaarwürmer“. Sein Schreibstil ähnelt dem von Yasutaka Tsutsui.

Manichi Yoshimura ist nach wie vor Lehrer an einer Oberschule in der Präfektur Osaka und schreibt in seiner Freizeit.

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Sonntag, 23. September 2018

„Unter der Mitternachtssonne“ von Keigo Higashino

Im Osaka der 70er Jahre findet ein Junge beim Versteckenspielen in einem verlassenen Gebäude die Leiche des Pfandleihers Kirihara. Mit mehreren Messerstichen wurde der Mann ermordet. Doch trotz intensiver Ermittlungen kann die Polizei den Mörder nicht dingfest machen. Alle Verdächtigen scheinen Alibis zu haben. Und ein Jahr später scheiden gar zwei davon unter seltsamen Bedingungen aus dem Leben. So müssen die Ermittlungen erfolglos eingestellt werden.

Aus unterschiedlichen Perspektiven werden in Folge Geschehnisse aus den kommenden 20 Jahren sowohl in Osaka als auch Tokio illustriert. Immer wieder kommt es zu Verbrechen wie Missbrauch, Vergewaltigung, Industriespionage oder Hacker-Angriffen. Dabei greift der Autor Keigo Higashino Themen auf, die für die jeweilige Zeit hochaktuell waren. Sei es die Einführung von Bankkarten oder Computerspiele, die im Trend lagen. Diese Themen werden immer wieder zum Aufhänger für neue Verbrechen.

Während die bisherigen Krimi-Übersetzungen von Keigo Higashino dem Whodunit-Genre zuzuordnen sind, schert „Unter der Mitternachtssonne“ diesmal aus. Denn es wird sehr schnell klar, dass zwei Personen auf mysteriöse Art und Weise in die Unglücke verkettet sind, die in ihrem Umfeld stattfinden. Kommissar Sasagaki bedient sich des Bildes vom Knallkrebs und der Grundel: Der Knallkrebs lässt die Grundel in seiner Höhle wohnen. Die Grundel wiederum warnt den Knallkrebs vor drohender Gefahr – eine perfekte Symbiose. Doch der Kriminalbeamte kann seine Theorie weder beweisen, noch den Verdächtigen habhaft werden. Und so fiebert der Leser mit, dass den beiden Bösewichten doch bitte endlich jemand das Handwerk legt, bevor sie noch weiteres Unheil stiften können.

Mit mehr als 700 Seiten ist „Unter der Mitternachtssonne“ zwar enorm lang, dafür aber so spannend, dass man gerne auch mal bis nach Mitternacht liest. Und das obwohl der Leser sehr schnell ahnt, wer hinter den bösen Machenschaften steckt. „Unter der Mitternachtssonne“ führt zwar viele Personen ein, was eine Herausforderung an den Leser ist, aber mir scheint, dass der Roman gerade durch die Vielfalt an Perspektiven so interessant wird. Jede neue Figur wird in ihren Eigenschaften genau herausziseliert und wächst einem manchmal sogar ein bisschen ans Herz. Umso schlimmer, wenn die Bösewichte dem liebgewonnenen Charakter dann etwas antun sollten.

Insgesamt gefällt mir persönlich „Unter der Mitternachtssonne“ viel besser als die Whodunit-Krimis des Autors, die mir manchmal zu konstruiert wirken.

Bibliographische Angaben:
Higashino, Keigo: „Unter der Mitternachtssonne“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Gräfe, Ursula), Tropen, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-50348-7

Samstag, 22. September 2018

"64" von Hideo Yokoyama

Wer einen klassischen Krimi lesen will, der wird von Hideo Yokoyamas "64" gegebenenfalls enttäuscht werden. Denn der Roman nimmt sehr, sehr langsam Fahrt auf. Wer sich durch das circa 750 Seiten starke Werk wühlt, dem wird schon einiges an Durchhaltevermögen aufgebürdet.

Einerseits geht es schon auch mal um einen Cold Case: Zum Ende der Showa-Zeit (1989  = 64 Showa-Zeit) kommt es zu einem dramatischen Entführungsfall, bei dem das 7-jährige Opfer nach der Lösegeldübergabe tot aufgefunden wird. Trotz detaillierter Polizeiarbeit bleibt das Verbrechen ungelöst. Kurz vor der Verjährung soll der Fall Pubilicity-stark nochmal in den Blickpunkt der Medien gerückt werden mit der Botschaft, dass man den Mörder und Entführer nicht davonkommen lassen will.

Andererseits nimmt die spannungsgeladene Situation des Polizei-Pressesprechers Mikami die meisten Seiten in Beschlag: Mikami ist eigentlich ein klassischer Ermittler, der seine Versetzung in die Verwaltung als große Strafe betrachtet. In seiner Funktion als Pressesprecher meiden ihn die alten Kollegen aus der Kriminaluntersuchung. Doch nur wenn Mikami seinen derzeitigen Job gut erfüllt, dann hat er die Chance, wieder auf einen Ermittlerposten zurückversetzt zu werden. Zudem hat er als Führungskraft auch die Verantwortung für seine Mitarbeiter. Mikami steckt in einer Zwickmühle.

Dazu gesellen sich auch noch private Probleme. Mikamis Tochter ist verschwunden. Das Teenager-Mädchen leidet unter ihrem Aussehen. Leider hat sie nicht die Schönheit der Mutter, sondern die Gesichtszüge des wenig ansehnlichen Vaters geerbt. Und mit Mikamis Art kommt sie auch nicht klar. Eines Tages kehrt sie einfach nicht in ihr Elternhaus zurück.

Hideo Yokoyama räumt der Darstellung von Mikamis Arbeit als Pressesprecher enorm viel Raum ein. Zudem erfährt der Leser viel über die Strukturen bei der Polizei. Das mag für Japan-Freaks sicherlich noch irgendwie interessant sein. Doch mit der Zeit werden die Scharmützel zwischen PR-Abteilung und Presse bzw. Verwaltung und Kriminaluntersuchung ein bisschen fade und man fragt sich, wohin das denn noch alles führen und was das zur Klärung des Cold Case beitragen soll.

Es sei verraten, dass der Roman immerhin ab dem letzten Drittel doch endlich spannend wird. Wer sich so weit durchgekämpft hat, wird immerhin doch noch belohnt, wenn auch am Schluss einige Fragen offen bleiben.

Bibliographische Angaben:
Yokoyama, Hideo: „64“ (Übersetzung aus dem Englischen: Roth, Sabine & Stingl, Nikolaus), Atrium, Zürich 2018, ISBN 978-3-85535-017-9