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Sonntag, 8. Dezember 2013

„Atsumonozaki oder die geliehene Dankbarkeit“ von Gishu Nakayama

Der siebzigjährige Seya ist seinem gleichaltrigen Kumpan Katano durch ein Darlehen in Höhe von 30 Yen verpflichtet. Dummerweise wurden die Konditionen nie schriftlich festgehalten und so kommt Katano nach neun Jahren immer noch hartnäckig bei Seya vorbei, um monatlich einen Yen Rückzahlung einzutreiben.

Nach so langer Zeit gärt es in Seya, dass Katano immer noch dreist bei ihm Zinsen einfordert. Als Seya Katano damit konfrontiert, nicht weiter zu zahlen, versucht Katano bei ihm ein monatliches Taschengeld zu erbetteln. Schließlich hat er ja das Vermögen seiner Eltern durchgebracht und steht relativ mittellos da. Sein erster Sohn und seine erste Ehefrau sind zwischenzeitlich verstorben, sein zweiter Sohn lässt sich nicht mehr blicken und seine zweite Ehefrau hat ihn verlassen. Das einzige, worauf sich Katano versteht, ist die Chrysanthemenzucht. Doch statt sich bei Seya mit dem Geschenk von Chrysanthemenstecklingen gut zu stellen, scheint Katano Seya nur Ausschuss zuzustecken. Und so fühlt sich Seya noch mehr von seinem Kumpan abgestoßen.

In Rückblenden erfährt der Leser, wie der gemeinsame Werdegang die beiden Herren Seya und Katano seit ihrer Jugend zusammengeschweißt hat. Und wie insbesondere Katano durch seine Charaktereigenschaften immer wieder in Schwierigkeiten gekommen ist. Bis zu seinem Lebensende werden seine Charakterzüge entscheidende Wendungen heraufbeschwören. Denn ob Kind oder alter Mann: Seya ist vor allem eines – enorm starrköpfig.

Knapp 70 Seiten umfasst die Erzählung „Atsumonozaki oder die geliehene Dankbarkeit“ von Gishu Nakayama, die 1938  mit dem Akutagawa-Preis ausgezeichnet wurde. Das Portrait des Katano ist auch heute noch enorm anschaulich; man hat das Gefühl, den alten Kauz genauso gut zu kennen wie sein jahrelanger Wegbegleiter Seya. Doch darüber hinaus hätte ich mich über ein kleines Nachwort gefreut, warum die Erzählung in den 30er Jahren so herausstechend war, um den renommierten Literaturpreis zu erhalten.

Nichtsdestotrotz: Die Lektüre hat viel Spaß gemacht und ich hoffe, dass vom S.Sagenhaphter Verlag zukünftig noch weitere Veröffentlichungen aus dem Bereich der japanischen Literatur folgen werden.

Bibliographische Angaben:
Nakayama, Gishu: „Atsumonozaki oder die geliehene Dankbarkeit“ (Übersetzung aus dem Japanischen: Sandmann, Daniel), S.Sagenhaphter Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-943230-02-4

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