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Freitag, 3. Januar 2014

„Die elektrische Geisha“ herausgegeben von Atsushi Ueda

Der Titel „Die elektrische Geisha“ macht neugierig auf den Band, der 25 Aufsätze über die japanische Alltagskultur enthält, geschrieben größtenteils von japanischen Akademikern. So erfährt der Leser, dass die Badehauskultur im siebten Jahrhundert entstand, als aus China und Korea der Buddhismus nach Japan kam und in buddhistischen Klöstern Tempelbäder errichtet wurden, die als gesundheitsfördernd galten. Ebenfalls im siebten Jahrhundert wurde mit dem Buddhismus der grüne Tee nach Japan gebracht, der aber bis zum vierzehnten Jahrhundert nur einer wohlhabenden Schicht vorbehalten blieb. Mit dem Sinken des Teepreises wurde Tee der Allgemeinheit zugänglich – für einen Sen, der kleinsten Münzeinheit, wurde nun Tee zunächst am Straßenrand ausgeschenkt, bis schließlich die ersten Teehäuser entstanden.

Besonders interessant war für mich der Artikel „Wie Bürokraten die Gesellschaft verwalten“: Denn die Regularien lassen den Bürokraten große Bemessungsspielräume im Sinne des Leitsatzes „Sorge dich nicht um Armut, sondern um Ungleichheit.“ Während arme Menschen oder krankende Unternehmen mit Nachsicht rechnen können, werden die Regeln bei den Wohlhabenden und erfolgreichen Unternehmen strikt eingehalten.

Sicherlich haben die unterschiedlichen Artikel auch unterschiedliche Qualität. So enttäuscht der Aufsatz „Die elektrische Geisha“ ein bisschen – damit ist nichts weiter als die Unterhaltungsfunktion des Karaoke gemeint. Das Phänomen der Pauschalreisen ist in Deutschland ja ebenfalls bekannt und daher kann der Aufsatz hierzu auch nicht mitreißen. Und wenn Takahiro Hisa den „Reichtum der Jauchegruben“ anpreist und dazu aufruft, Menschenkot als Dünger einzusetzen, dann mag man ein bisschen mit dem Kopf schütteln.

Zudem hat das Buch nun auch schon rund 20 Jahre auf dem Buckel. Da kommen einem Sätze zum Karaoke wie „Die Anlagen, die heute auf dem neuesten Stand sind, benutzen Laser-Platten, von denen jede achtundzwanzig Lieder enthält.“ (S. 56)  ja doch glatt ein bisschen lachhaft vor.

Dennoch: Sicherlich bietet „Die elektrische Geisha“ allerhand Hintergrundinformationen zu Japan. Die in der Unterüberschrift angepriesenen „Entdeckungsreisen in Japans Alltagskultur“ sind jedoch von unterschiedlich ausgeprägter Kurzweil.

Bibliographische Angaben:
Ueda, Atsushi (Hrsg.): „Die elektrische Geisha“ (Übersetzung aus dem Englischen: Schomecker, Anke), Edition Peperkorn, Göttingen 1995, ISBN 3-929181-06-1

Kommentare:

  1. Lach bitte nicht über die Jauchegruben! Ich wurde selbst auf einem Bauernhof groß und bin als kleines Kind mal in eine reingefallen. Obwohl die Jauche in der großen, aber flachen Grube mir nur bis zur Brust ging, hatte ich mächtig Angst und schrie wie am Spieß (wie man mir noch heute berichtet). Die Jauche wurde tatsächlich auf die Felder gefahren und als Dünger eingesetzt. Natürlich waren das die Exkremente von Schweinen und Kühen, aber vielleicht hatte sich damals schon ein bisschen Menschendünger mit eingeschlichen, als ich mir in die Hose machte ...

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  2. Ui, in Jauchegruben zu fallen ist echt gefährlich! Ich bin nämlich auch auf einem Bauernhof aufgewachsen und uns Kindern wurde seit jeher verboten, uns der Grube zu nähern. ;-)
    Aber soweit ich das im Kopf habe, hat des Verbot, Menschenfäkalien auf die Felder auszufahren den Grund, Parasitenbefall zu verhindern. Lieber keine Parasiten für mich! ;-)

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