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Donnerstag, 24. Januar 2019

"Das magische Café" von Toshikazu Kawaguchi

Um das kleine, altmodische Café Funiculi Funicula im Untergeschoss eines Hauses in einer Nebenstraße in Tokio rankt sich eine urbane Legende: Angeblich soll man dort eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen können. Doch da die vielen Regeln, der diese Zeitreise unterliegt, wenig attraktiv sind, sind die Interessenten rar und im Café gehen primär einige wenige Stammgäste ein und aus. Wer will schon in die Vergangenheit reisen, wenn sich die Gegenwart nicht ändern lässt, wie Regel Nummer zwei besagt...

Der Roman setzt ein, als die Büroangestellte Fumiko im Café statt des erwarteten Heiratsantrags von ihrem Freund verlassen wird. Er will noch am selben Tag Japan verlassen, um in den USA seinen Traumjob anzunehmen. Fumiko ist zu verletzt, um angemessen auf die Situation zu reagieren. Doch eine Woche später möchte sie ihren Fehler korrigieren und begibt sich nochmals ins Funiculi Funicula. Leider bringt auch sie Regel Nummer zwei ins Zweifeln. Sie möchte doch ihre Beziehung retten und nach der Zeitreise nicht erneut allein dastehen.

Im Folgenden wollen noch drei weitere Personen in kritischen Lebensphasen in Toshikazu Kawaguchis "Das magische Café" eine Zeitreise antreten.

Dem Klappentext kann man entnehmen, dass "Das magische Café" zunächst als Theaterstück entstand. Erst nach dem Bühnenerfolg wurde die Handlung in Romanform gegossen. Dass sich dadurch die Handlung eigentlich nur im Funiculi Funicula abspielt, tut dem Roman aber nicht weh. Vielmehr wirkt das Café nach und nach wie das ausgelagerte Wohnzimmer der Protagonisten, in dem es auch mal menschelt.

Aber auch die Charaktere fangen einen ein – insbesondere durch ihre Schrulligkeit. Und für die fantastische Komponente sorgt nicht nur die Zeitreise, sondern auch noch ein Geist, der für die Umsetzung derselben eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Der Roman schrammt jedoch hart an der Grenze, ein bisschen zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Er bedient Themen, die viele kennen: die Angst, geliebte Menschen könnten an Alzheimer erkranken; der Tod von Angehörigen; die bedingungslose Liebe zum eigenen Kind. Und so habe auch ich beim Lesen nicht nur ein Tränchen verdrückt. Ein bisschen weniger Rührseligkeit hätte den Roman für mich jedoch noch interessanter gemacht.

Bibliographische Angaben:
Toshikazu Kawaguchi: "Das magische Café" (Übersetzung aus dem Englischen: Thiele, Sabine), O.W. Barth, München 2018, ISBN 978-3-426-29290-7

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