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Sonntag, 29. Oktober 2017

"Der Sonnenschirm des Terroristen" von Iori Fujiwara

"Der Sonnenschirm des Terroristen" von Iori Fujiwara ist ein Page Turner der Oberliga. Fängt man einmal mit der Lektüre an, wird man direkt im die Handlung eingesogen und muss einfach weiterlesen. Der Anti-Held des Romans ist Kikuchi, der seit Anfang der 70er untergetaucht ist. Er wird im Zusammenhang mit einer Bombenexplosion gesucht. Da er sich an den Studentenunruhen zuvor beteiligt hat, sind seine Fingerabdrücke in der Datenbank der Polizei. Daher versucht er, der unter falschem Namen lebt, möglichst unauffällig zu agieren, er wechselt oft den Job und wird allerdings auch langsam zum Alkoholiker.

Eines schönen Herbsttages schlürft der heruntergekommene Kikuchi im Park seinen Whisky und wird dabei von einem kleinen Mädchen angesprochen, mit dem er sich kurz, aber lebhaft unterhält, bis der Vater des Mädchens einschreitet. Kurze Zeit später geht im Park eine Bombe hoch. Kikuchi, der weit genug vom Explosionsherd gesessen hat, stürmt los, um das kleine Mädchen zu finden und vergisst dabei ganz seine Whiskyflasche. Seine Fingerabdrücke darauf werden die Polizei später auf seine Spur bringen. Immerhin scheint das ohnmächtige Mädchen bis auf eine Schramme unverletzt. Nachdem Kikuchi es einem Mann anvertraut hat, stürmt er vor der Polizei davon - jedoch nicht ohne sich selbst noch kurz ein Bild von Tatort und einige interessante Beobachtungen gemacht zu haben.

Wenige Stunden später bekommt Kikuchi mehrere unangekündigte Besuche: Da kommen zwei Yakuza vorbei, um ihn zu warnen. Dann ein paar mehr, um ihn zusammen zu schlagen. Und schließlich noch eine junge Frau, die sich als Tochter von Kikuchis Ex-Freundin aus Studentenzeiten vorstellt. Kikuchi muss leider erfahren: Seine Ex ist eines der Todesopfer aus dem Park.

Spätestens jetzt beginnt Kikuchi, selbst zu ermitteln. Dank seiner Kontakte zu Presse, Gangstern und Obdachlosen fügt sich das Puzzle langsam zusammen, was hinter dem Anschlag stecken mag. Zu Gute kommen ihm seine sture Beharrlichkeit und seine kurze Karriere als Boxer.

Iori Fujiwara lässt seinen Helden und Ich-Erzähler immer ein kleines bisschen der Fakten verschweigen, damit dem Leser nicht schon vorab ein Licht aufgeht, wer der Schurke sein könnte. Erst zum großen Showdown kommen alle Einzelheiten auf den Tisch.

Könnte ich an dem Ende noch etwas feilen, hätten dem Bösewicht bei seinem Plan ruhig etwas mehr Fehler passieren dürfen. Die Omnipotenz des Schurken macht die Handlung des Romans leider recht unglaubwürdig. Zudem sind die Beziehungen der Figuren so dicht miteinander verwebt, daß man annehmen müsste, die Handlung findet in einem Dorf und nicht in der Millionenmetropole Tokio statt.

Nichtsdestotrotz: "Der Sonnenschirm des Terroristen" ist ein furioses Lesevergnügen. Es hat selten so Spaß gemacht, einen Roman so zu verschlingen.

Bibliographische Angaben:
Fujiwara, Iori: "Der Sonnenschirm des Terroristen" (Übersetzung aus dem Japanischen: Busson, Katja), Cass Verlag, Löhne 2017, ISBN 978-3-944751-15-3

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