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Dienstag, 17. Januar 2017

„Blutroter Tod“ von Tetsuya Honda

Gleich zu Beginn von Tetsuya Hondas „Blutroter Tod“ lernt der Leser den Schurken des Romans aus der Ich-Perspektive kennen: Der Täter bringt im Alter eines Schülers seinen drogensüchtigen, gewalttätigen Vater und seine ebenfalls drogensüchtige Mutter um. Sonst ist die Welt des Mörders grau in grau – erst als das Blut der Eltern fließt, nimmt er das fantastische Rot wahr. Der Grundstein für das kommende Blutvergießen ist gelegt…

Eines Tages wird Reiko Himekawa, Hauptkommissarin bei der Mordkommission von Tokio, zu einem Tatort gerufen. Am Rande eines Sees wurde eine Leiche abgeladen. Sie ist von Wunden übersät. Es scheint so, als sei das Opfer gefoltert worden, bevor ein Schnitt durch die Kehle das Leben des Mannes beendet hat. Was sich die Ermittler allerdings nicht erklären können: Warum wurde dem Opfer post mortem der Bauch aufgeschlitzt? Und warum wurde die Leiche an einer Stelle abgelegt, an der man den Toten sofort auffinden würde? Insbesondere da die der Tote recht professionell in eine Plastikplane eingewickelt wurde, was eher darauf schließen lassen würde, dass die Leiche dazu angedacht war, in der Versenkung zu verschwinden.

Bald kann das Opfer identifiziert werden. Es ist ein Sales-Manager einer Leasingfirma für Büromaterial. Nichts außer enormem Fleiß ist ungewöhnlich an dem Mann oder lässt auf kriminelle Verbindungen schließen. Fast stecken die Ermittler in einer Sackgasse.

Als Reiko Himekawa jedoch den Tatort nochmals inspiziert, kombiniert sie den ungewöhnlichen Tod eines jungen Mannes mit ihrem aktuellen Fall. Sie kommt zu dem Schluss: Auf dem Grund des Sees müssen noch mehr Leichen liegen. Auch wenn sie ihren Ruf aufs Spiel setzt, initiiert sie einen Tauchereinsatz, um den See abzusuchen. Und tatsächlich: Eine weitere Leiche wird entdeckt.

Doch das Team steht nun vor einer neuen Herausforderung: Zwischen dem ersten und dem zweiten Toten lässt sich erstmal keinerlei Verbindung herstellen. Schließlich kommt doch noch ein entscheidender Tipp aus dem Umfeld des zweiten Toten, der einen Ermittler aus Reiko Himekawas Team zu einem gefährlichen Alleingang veranlasst…

Auch wenn der Leser schon eine vage Ahnung von dem Mörder bekommt, sind die wahren Verquickungen erst am Ende des Romans geklärt, was für genügend Spannung sorgt. Das einzige, was mich etwas gestört hat, war die Darstellung der Reiko Himekawa. Im Klappentext wird sie als cool, tough, clever und als „beste Ermittlerin der Mordkommission“ angekündigt. Doch sie wirkt recht verletzlich in der Männerdomäne der meist älteren, männlichen Ermittler. Ein einschneidendes Erlebnis in der Jugend von Reiko Himekawa hat sie veranlasst, zur Polizei zu gehen. Allerdings ist dies ein großer Angriffspunkt für Reikos Erzrivalen, den rücksichtslosen Katsumata. Diesem gelingt es immer wieder, Reiko aus der Fassung zu bringen. Schließlich konkurrieren beide, wer den Fall schneller löst. Während Katsumata Fakten sammelt, verlässt sich Reiko auf ihr Bauchgefühl. Die letzte Eingebung Reikos gegen Ende des Romans war mir etwas zu sehr an den Haaren herbei gezogen.

Insbesondere die Figur des Streifenpolizists Ioka hat für ein bisschen Amüsement gesorgt. Der Kerl ist Reiko besonders unangenehm, wird aber ausgerechnet ihr als Partner zugeteilt. Auch wenn er zunächst mit seinen Annäherungsversuchen einfach nur nervt, so zeigt sich doch, dass er ein großes Herz hat und sogar Reikos Leben retten kann. Schade, dass in einem Roman um eine Frau, gerade die männlichen Charaktere überzeugen…

Im Dezember 2017 veröffentlicht der Fischer Verlag voraussichtlich den zweiten Teil der Reiko Himekawa-Serie, der bisher nur mit dem englischsprachigen Titel „Soul Cage“ angekündigt wurde. Sicherlich wird’s dann auch wieder spannend – und ich hoffe, dass Ioka wieder mit von der Partie sein wird!

Bibliographische Angaben:
Honda, Tetsuya: „Blutroter Tod“ (Übersetzung aus dem Englischen: Gabler, Irmengard), Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-596-03666-0

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